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Tierschutz Benni bei den roten Brüdern

Der beste Freund der Orang-Utans hat sich seinen Traum erfüllt: im Rollstuhl nach Indonesien, den Regenwald retten.

„Henry rettet den Regenwald“: Bennis Geschichte berührte viele Menschen.

Drei Monate ist es her, da hat die Geschichte von Benni Over hier in der FR viele Menschen berührt: die Geschichte eines jungen Mannes aus Rheinland-Pfalz, der sein Herz an die Orang-Utans in Indonesien verloren hat und alles tun will, um den Lebensraum der rothaarigen Affen zu erhalten, obwohl er es selbst nicht leicht hat. Damals war es ein entzückender Trickfilm, „Henry rettet den Regenwald“, der auf Initiative des 25-Jährigen hin entstand.

Ein großer Traum markierte seinerzeit das Ende der Etappe: eine Reise zu Henry, dem Orang-Utan, Held des Trickfilms und Bennis Patentier im wahren Leben. Eine Reise nach Borneo.

„Mach mal was klar, Papa!“, lautete der Auftrag des Sohnes. Machen wir es kurz – das hat geklappt. Und wie.

Seit ein paar Tagen ist die Familie wieder zurück in Deutschland. „Was wir erlebt haben, ist viel mehr als wir jemals erwartet hätten – und kaum in Worte zu fassen“, erzählt Bennis Vater Klaus Over. Partnerschaften, Freundschaften sind entstanden, und Szenen, die auch Unbeteiligte zu Tränen rühren. „Im Vorfeld haben wir immer wieder neu überlegt, wie wir den Verantwortlichen und Organisationen vor Ort dafür danken können, dass Bennis Herzenswunsch in Erfüllung geht.“ Vor Ort stellte sich heraus, dass die Gastgeber sich ständig bei Benni bedankten. „Er hat wohl mit seiner Reise den Menschen ein sehr großes Geschenk gemacht“, glaubt der Vater. „Er hat Jung und Alt motiviert, Hoffnung zu haben und ihr Leben in die Hand zu nehmen.“

Nun muss man wissen, dass Botschafter Benni im Rollstuhl sitzt. Er leidet an der Erbkrankheit Muskeldystrophie Duchenne. Nachts muss er von einer Maschine beatmet werden. Er kann nur die Finger bewegen – aber das genügt offenbar, um die ganze Welt zu bewegen. In seinem Film, der in Zusammenarbeit mit einer gemeinnützigen Mediengesellschaft und der Umweltorganisation BOS entstand, schafft es der kleine Orang-Utan Henry, sogar die Bundeskanzlerin, den US-Präsidenten und den Papst als Verbündete zu gewinnen.

So weit ist Benni Over noch nicht. Aber er traf vor Ort Entwicklungshelfer und Forstwissenschaftler, er gewann tiefe Einblicke in die Arbeit vor Ort, nicht nur für die Orang-Utans, auch für die indigenen Minderheiten und gegen die Naturzerstörung durch rücksichtslose Großkonzerne, denen Palmöl wichtiger ist als alles andere. Weil diese Unternehmen den Urwald abholzen, um Ölpalmen zu pflanzen, müssen so viele Primaten sterben, dass die Art stark bedroht ist. Weitere Umweltkatastrophen sind die Folge der Rodungen, mittelbar auch der Klimawandel.

Dagegen kämpfen Benni und seine Freunde. Immer wieder empfingen traditionell gekleidete Delegationen die staunende kleine deutsche Reisegruppe mit Tänzen, exotischen Speisen und festlichen Zeremonien – denn die Over-Familie kam nicht nur, um Maulaffen feilzuhalten, sondern auch, um Gemeinsamkeit zu stiften.

Bäume wurden gepflanzt, mehrere indonesisch-deutsche Schulpartnerschaften geschlossen. Die Grundschule von Tembak auf Borneo und die Grundschule Straßenhaus aus dem Kreis Neuwied sind jetzt beispielsweise Partner. Die Bina-Cita-Utama-Schule in Sei Gohong und die Königin-Luise-Schule in Berlin auch. Weil Benni Over nach Indonesien geflogen ist. Und sich in drückender Hitze mit dem Rollstuhl durch den Urwald bugsieren ließ.

Ganz nebenbei lernte er auch noch seine beiden neuen Patentiere, die Orang-Utan-Waisen Selly und Maya kennen. Die Filme, die die Familie auf der Reise drehte und jetzt nach und nach im Internet veröffentlicht, zeigen entwaffnende Begebenheiten wie etwa die Annäherung des zunächst schüchternen winzigen Äffchens Mona an den Besucher im Rollstuhl. Eine Orang-Utan-Betreuerin schrieb Benni Over einen langen Brief und gab 40 Euro in indonesischer Währung dazu – ihr gesamtes Monatsgehalt – mit der Bitte, der beste Freund der Orang-Utans möge das Geld für sein Projekt in Deutschland einsetzen.

Benni fehlten dazu die Worte. Er lässt ohnehin lieber seinen Vater sprechen – und auch der ist immer noch überwältigt von der Herzlichkeit der Menschen in Indonesien, die kaum glauben konnten, so Klaus Over, „dass jemand 15 000 Kilometer hin und zurück und dazu im Rollstuhl auf sich nimmt – und sich für sie interessiert und für ihre Belange einsetzt, den Regenwald und die Orang-Utans“.

Wo Benni Over auch hinkam, in den entlegensten Regionen lief sein Film mit englischen Untertiteln zur Feier des Tages auf der Leinwand, die Leute beteten für ihn, und alle wussten, wer er ist – oder brannten darauf, es zu erfahren.

„Die Kinder und Jugendlichen dort genau wissen, dass Bildung der Schlüssel für ihre Zukunft ist“, resümiert Vater Klaus. Die größten Momente der Reise bleiben aber jene, in denen der Besucher mit der Schildmütze eintaucht in die Heimat seiner Freunde, der Orang-Utans, ihnen stundenlang nur zusieht oder sie im Arm hält.

Die Overs sind zurück in Deutschland. Noch schwelgen sie in ihren Reiserinnerungen, aber die nächsten Pläne haben sie schon längst gemacht: die Teilnahme an Medien- und Nachhaltigkeitsaktionen; einen zweiten Film; eine Deutschlandtournee mit fünf bis zehn Veranstaltungen für jeweils 500 Kinder in Städten, die Zoos mit Orang-Utans haben. Mit der rheinland-pfälzischen Landesregierung ist Klaus Over schon in Gesprächen darüber, Bennis Projekt in den Grundschulstoff aufzunehmen.

Kaum zu glauben. Wenn ein junger Mann im Rollstuhl das alles schafft, dann muss es auch Hoffnung für die Orang-Utans geben, für den Regenwald – und vielleicht sogar für die Vernunft der Menschen.

Bennis Geschichte im Internet, der Film, die Helfer und das Reisetagebuch: www.henry-rettet-den-regenwald.de

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