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Tham-Luang-Höhle in Thailand „Zur Hälfte gelang die Rettung aus purem Glück“

Bisher war Richard Harris nur Experten ein Begriff. Seit der Mediziner aber maßgeblich an der Befreiung der thailändischen Jungen beteiligt war, kennt den Australier die ganze Welt.

Taucher
Alle draußen: Diese vier Navy Seals verließen die Höhle als Letzte. Foto: Royal Thai Navy/afp

Nein, Glückwünsche will Richard Harris an diesem Mittwochmorgen nicht annehmen. Der Grund der Bescheidenheit: „Zur Hälfte gelang die Rettung aus purem Glück“, sagt er in einem Hotel der thailändischen Stadt Mae Sai nahe der Grenze zum Nachbarland Myanmar.

Man kann sich den hünenhaften und breitschultrigen australischen Mediziner kaum in den engen Winkeln der Tham-Luang-Höhle vorstellen, in denen die zwölf Jungen im Alter von elf bis 16 Jahren mehr als zwei Wochen eingeschlossen waren. Der freundliche Harris kommt auch nicht nicht als potenzieller Herr über Leben und Tod rüber.

Der Arzt tauchte am vergangenen Wochenende in die kleine Grotte, in der die jungen Fußballspieler sich verkrochen hatten und auf Hilfe warteten. Harris entschied, welche Jungen zuerst evakuiert werden sollten.

Die Kräftigsten zuerst, hieß es draußen vor dem Eingang der Höhle. Harris schickte allerdings die vier Ältesten im Alter von 14 bis 16 Jahren hinaus, denen es am schlechtesten ging. Zwei von ihnen erblickten mit Lungenentzündungen zum zweiten Mal in ihrem Leben das Licht der Welt.

Wie richtig die Entscheidungen des australischen Anästhesisten waren, zeigte sich am letzten Tag der Rettung: Drei der Jungen im Alter von elf bis 13 Jahren verließen die Höhle lieber so wie sie hereingekommen waren: Sie krabbelten über das Gestein zum Eingang und marschierten auf eigenen Füßen aus der Höhle zu den wartenden Sanitätern.

Harris war erst Ende der vergangenen Woche aus Australien zu den anderen 19 Mitgliedern der australischen Streitkräfte und Polizei gestoßen. Zuvor hatten die beiden britischen Taucher, die in der vergangenen Woche die vermisste Gruppe fast zufällig vier Kilometer innerhalb des Höhlenlabyrinths entdeckt hatten, verlangt, dass der Australier geholt wird. Bis dahin war Richard Harris wohl nur wenigen Eingeweihten in der verschworenen und über die ganze Welt verteilten Gruppe von Höhlentauchern und Rettungsexperten bekannt. Der Mediziner überlegte nicht lange, bestand aber bei seiner Zusage auf die Begleitung durch seinen Freund und Taucher Craig Challen: Nichts ist in der pechschwarzen Dunkelheit, im undurchsichtigen Höhlenwasser so wichtig, wie ein Tauchpartner, auf den blinder Verlass ist.

Die beste Antwort auf die Frage, warum Menschen ein so ausgefallenes und lebensgefährliches Hobby betreiben, kann oder will Harris nicht beantworten. Das hat vor ihm bereits der Brite John Volanthen, der die Kinder fand, erledigt. „Ich habe mich oft nach dem Sinn gefragt und ob mein Höhlentauchen zu etwas gut ist“, erklärte er während der Rettungsaktion in der Tham-Luang-Höhle. „Die Zeit hier hat mir beim Kampf um das Leben der Kinder die Antwort gegeben.“

Denn das Risiko ist hoch. Der Regen hat die Rettungsaktion laut Harris maßgeblich beeinträchtigt. Mit Wasser gefüllte Höhlengänge hatten schon die Suche nach den Vermissten erschwert. Dann schienen die Helfer einen aussichtslosen Kampf gegen steigendes Wasser zu führen. Denn der Regen in den Hügeln rund um die Höhle versickerte im Gestein und sammelte sich bedrohlich in der Tham-Luang -Höhle.

Drei Stunden nach der Rettung des Trainers der jungen Fußballer schallten plötzlich Alarmschreie durch die Katakomben. Die wichtigste Wasserpumpe war ausgefallen, seither steigt das Wasser in Tham Luang unaufhörlich weiter an. Ob die Überschwemmung das kleine U-Boot erreichte, das der schwerreiche Elektroautoproduzent Elon Musk zur Hilfe vorbeigebracht hatte, wissen die australischen Taucher nicht. „Benutzt haben wir es jedenfalls nicht“, sagt einer von ihnen.

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