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Thailand Thailändische Palastintrige

Das Königreich Thailand, das seit dem Militärputsch vor sechs Monaten unter Kriegsrecht steht, erlebt gegenwärtig eine skandalträchtige Palastintrige, deren Entwirrung nur mit Hilfe einer ehemaligen Stewardess der staatlichen Fluglinie Thai Airlines möglich ist.

Er macht, was ihm gefällt: Thailands Thronfolger Maha Vajiralongkorn (l.) Foto: REUTERS

Ein Polizeioberst fällt aus „großer Höhe“ und wird nur 90 Minuten nach dem Todessturz eingeäschert. Polizeigeneral Pongpat Chayaphan, der mächtige Chef von Thailands CID, vergleichbar mit dem deutschen Bundeskriminalamt, findet sich plötzlich samt Dutzenden von Mitarbeitern wegen Majestätsbeleidigung und Korruption hinter Gittern wieder. Schließlich verkündet Kronprinz Maha Vajiralongkorn, dass der General plus Familie ab sofort den königlich verliehenen Namen Akharapongpreecha ablegen muss und stellt seine Ehefrau samt Sohn Prinz Dipangkorn Rasmijoti bloß. Der Polizeigeneral ist niemand anderes als der Onkel der Prinzessin.

Das Königreich Thailand, das seit dem Militärputsch vor sechs Monaten unter Kriegsrecht steht, erlebt gegenwärtig eine skandalträchtige Palastintrige mit Kronprinz Vajiralongkorn im Zentrum, deren Entwirrung nur mit Hilfe einer ehemaligen Stewardess der staatlichen Fluglinie Thai Airlines möglich ist. Sie lebt seit Jahren in der bayrischen Landeshauptstadt München. Inzwischen längst als Oberst Suthida Vajiralongkorn formell zur Chefin der Leibwache des 60-jährigen Thronfolgers erhoben, gebar sie dem Kronprinzen vor einigen Monaten einen gesunden Sohn.

Wegen der begeisterten Besucherin von bayrischen Gartencentern verwandelte Thailands Kronprinz München seit etwa vier Jahren in eine Art zweiten Wohnsitz. Nun deuten alle Anzeichen darauf hin, dass die Ex-Stewardess, die inzwischen einen Pilotenschein erwarb, bald die Position einnehmen wird, die zuvor bereits drei andere Frauen als Schleudersitz kennenlernten. Der Titel „Royal Consort“ erwies sich für drei andere Ehefrauen als flüchtige Ehre. Sie verloren Status und Geld und mussten ins Ausland gehen, nachdem der Kronprinz sich von ihnen lossagte. Seine gegenwärtige Ehefrau Srirasm erlebte gar die Schmach, dass Bilder einer privaten Geburtstagsfeier für den gemeinsamen Pudel Foo Foo ins Internet gerieten – und sie barbusig zeigten.

Der Kronprinz hatte die 1971 in einfachen Verhältnissen geborene Frau aus der Stadt Sanut Songkhram im Februar 2001 geheiratet und verkündet: „Es ist Zeit für mich, ein etwas ruhigeres Leben zu führen.“ Nun sorgt er mit seiner neuen Liebe für heftige Unruhe im Königreich. Denn im Siriraj-Krankenhaus am Ufer des Chaopraya-Flusses in Bangkok kämpft sein Vater, der 87-jährige König Bhumibol ums Überleben, seit er vor Wochen wegen einer schweren Gallenentzündung operiert werden musste. Gegenwärtig ist nicht sicher, ob er am 5. Dezember seine traditionelle Geburtstagsansprache halten wird.

Die Frage der Thronfolge spielt seit Jahren eine Schlüsselrolle bei den politischen Problemen Thailands. Denn während die royalistische Elite und Königin Sirikit den einstigen Premierminister Thaksin Shinawatra und seiner erst vor einem halben Jahr gestürzten Schwester Yingluck nicht über den Weg trauen, soll der Kronprinz lange seine Verbindungen zu Dynastie aufrecht erhalten haben.

Gegenwärtig scheint der Kronprinz andere Prioritäten zu besitzen. Mit der Säuberung der Polizei und der Demütigung seiner Ehefrau und deren Familie zerstört er alle Rechte, die Prinz Dipangkorn Rasmijoti, sein Sohn mit der bisherigen Gattin Srirasm, anmelden könnte. Statt dessen macht er den Weg für das Kind frei, das aus der Verbindung mit seiner Geliebten in München hervorgegangen ist.

Dank des von den Militärs drakonisch gehandhabten Lese Majeste-Paragrafen, der jede Kritik am gegenwärtigen Königshaus und früheren Monarchen mit mehrjährigen Haftstrafen ahndet, wird in Thailand nur hinter vorgehaltener Hand über die Palastintrige geflüstert. „Die Entwicklung zeigt, in Thailand selbst in den höchsten Machtzirkeln die unglaublichsten Dinge möglich sind“, sagt ein Geschäftsmann. Die machthabende Militärjunta, die sich den Kampf gegen die Korruption auf die Fahnen geschrieben hat, achtet ebenfalls sorgsam auf Distanz zu den Ereignissen um die Thronfolger-Gattin Srirasm und ihren Onkel, den Polizeigeneral Pongpat, obwohl er sich samt Komplizen rund 300 Millionen US-Dollar in die eigene Tasche gesteckt haben soll.

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