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Terence Hill Deine blauen Augen

Terence Hill wird 70 - und hat nichts von seiner Ausstrahlung verloren. Was viele nicht wissen: Der italienische Haudegen ist tatsächlich ein halber Sachse. Ein Liebesbrief. Von Pia Volk ()

27.03.2009 00:03
Pia Volk
Der Schauspieler Terence Hill als "Lucky Luke" in dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1991 mit seinem Pferd Jolly Jumper. Foto: dpa

Lieber Terence,

Deine blauen Augen machen mich so sentimental. Zugegeben, dieser Satz ist nicht von mir, aber er ist ganz sicher für dich geschrieben, denn deine blauen Augen sind phänomenal. Jetzt wirst du siebzig, und deine blauen Augen strahlen wie eh und je. Mit 12 Jahren hast du deinen ersten Film gedreht, und du stehst noch immer vor der Kamera. Während ich dir beim Altwerden auf der Leinwand zusehen konnte, hat sich dein Blick nicht verändert.

Für mich wirst du immer der Haudegen bleiben, mit dem ranzigen Hemd und den blonden Haaren, in denen sich der Staub des Wilden Westens verfing. Deine Augen sahen dann noch schöner aus, wenn deine Haut dreckig war vom Ritt durch die Prärie. Ach, damals Mitte der 70er, als dein Name noch "Nobody" war, konnte man seinen Achselschweiß noch zur Schau tragen und jeder fand es sexy. Ich fand es sexy.

Entschuldige bitte, dass ich dich duze, ich weiß, du kannst es nicht leiden. "Wenn du mich noch mal duzt, dann hau ich dir eine Delle in deine Gewürzgurke", hast du mal gesagt, in einem der vielen Filme an der Seite von Bud Spencer. Ein Dutzend Filme habt ihr zusammen gedreht: "Vier für ein Ave Maria", "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle", "Das Krokodil und sein Nilpferd" - Bud war der Starke und du warst der Clevere, und zusammen wart ihr unschlagbar. Das waren noch Zeiten!

Aber, lieber Terence, wir sind doch Landsmänner, da kann man sich auch mal duzen. Ich wohne in Sachsen, dem Bundesland, aus dem deine Mutter stammt. Erinnerst du dich noch daran, wie es ist in Lommatzsch? Dein Opa hat dort die Glasfabrik gegründet und den Arbeitern Wohnungen zur Verfügung gestellt. In einer davon hast du mit deinen Eltern und deinen beiden Brüdern gelebt, bevor ihr zurückgegangen seid nach Italien, in dein Geburtsland.

Doc West (Trailer, engl.)Filmstart noch unbekannt

Ich weiß, du hast nur zwei Jahre in Sachsen gewohnt, es waren sicher keine schönen Jahre, 1943 bis 1945. Der Krieg tobte, Dresden, keine 50 Kilometer von Lommatzsch entfernt, wurde dem Erdboden gleichgemacht. Was hast du damals gemacht? Bist du durch die Gassen gesprungen und hast mit den Jungs Fußball gespielt? Oder hast du dich bereits in Büchern vergraben - immerhin hast du später Philosophie und Literatur studiert, ehe du ganz Schauspieler geworden bist.

Ach, sicher weißt du nichts mehr von dieser Zeit, du warst ja noch ein kleiner Stöppke mit dem Namen Mario Girotti. Aber es freut mich, dass du deine Wurzeln nicht ganz vergessen hast. Du kamst ja wieder! Ich konnte leider nicht dabei sein, 1995, als dir die Menschenmenge zujubelte, während du durch die kleinen Gassen gefahren bist. Natürlich in einer Westernkutsche. "Ich bin euer Bruder" hast du ins Gästebuch der Stadt geschrieben und den Kindern in der Turnhalle deine Stunttricks erklärt. Ich habe mit Christiane Kirsten, einer Freundin deiner Familie, gesprochen, sie hat gesagt, du seist damals überwältigt gewesen von dem Empfang, dabei seist du sonst eher schüchtern. Du hast dem Freibad, das nach dir benannt ist, eine neue Rutsche spendiert. Das wundert mich nicht.

Schwimmen war schon immer deine Leidenschaft. Vielleicht, weil das Wasser genauso blau ist wie deine Augen? Es beeindruckt mich, dass du bei den italienischen Jugendmeisterschaften die Bronzemedaille gewonnen hast. Beim Schwimmen wurdest du von Dino Risi für deinen ersten Film "Das große Ferienabenteuer" entdeckt. Beim Schwimmen hast du auch das erste Mal Bud Spencer getroffen, Ihr habt in Rom im selben Club trainiert. Aber es hat noch einige Jahre gedauert, bis ihr euch zusammen um Kino-Gangster gekümmert habt. "Gott vergibt... wir beide nie", euer erster gemeinsamer Film, war überhaupt nicht witzig. Für den Film hast du deinen Namen geändert. Ich kann das verstehen: Mario klingt nach dem jungen Mann vom Pizza-Service, aber Terence klingt nach Western. Weißt du, dass sie in Lommatzsch im Schützenhaus einen Saloon eingerichtet haben? Er heißt natürlich auch nach dir. Ach, ich denke so gern an die Szenen zurück, in denen du in einer düsteren Kneipe in der Ecke sitzt und Bohnen aus dem Blechnapf löffelst. Hast du je was anderes gegessen?

Als du das letzte Mal in Lommatzsch warst, drei Jahre nach dem ersten Besuch, gab es Kaffee und Kuchen, von der Frau des Bürgermeisters gebacken. Du hast keinen Wert auf großes Spektakel gelegt, du wolltest dir in Ruhe das Haus deiner Kindheit ansehen. Noch heute ist dort deine Signatur an der Wand. Nur deine, ohne Bud Spencer. Ich weiß, du hast ganz viele Filme ohne den Dicken gedreht. An deiner Seite spielten auch Burt Lancaster und Klaus Kinski, du warst Don Camillo und Lucky Luke, und natürlich Nobody. Aber Bud und du, ihr kamt doch nicht ganz voneinander los, oder? Neun Jahre nach "Miami Cops" wart ihr in "Die Troublemaker" wieder vereint. Das Drehbuch hat dein Sohn Jess geschrieben, die Uraufführung war in Dresden, du hattest dir das so gewünscht. Den Hut, den du in dem Film trägst, der mit den Einschusslöchern und deinem Schweiß, liegt jetzt im Museum in Lommatzsch. Angelika Skrentward, die Museumsleiterin, hat mir erzählt, dass viele Menschen sie darum bitten, ihn mal aufsetzen zu dürfen. Ja, ich gestehe, ich würde auch darum betteln.

Ich weiß, du hattest noch einen Adoptivsohn namens Ross, der mit dem du damals in "Renegade" zu sehen warst. Es hat mich tief betroffen, als ich erfuhr, dass er 1990 bei einem Autounfall starb. Du wolltest doch mit ihm zusammen "Luky Luke" drehen, Ross sollte Billy the Kid sein. Es muss dich viel Kraft gekostet haben, den Film trotzdem zu machen. Und ja, du hast recht, wenn du diesen Film deinem Sohn widmest mit den Worten "Liebe währt ewig". Meine Liebe für deine blauen Augen ist auch nach all den Jahren nicht verblasst. Ich hoffe, sie noch oft auf der Leinwand sehen zu dürfen, und es ist mir auch ganz egal, wie viele Falten um sie herum tanzen.

Mit den besten Wünschen zum Geburtstag, Deine Pia Volk

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