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Taxi-Streit in New York Grüne Taxen im "Big Apple"

18.000 Hybridautos sollen den Mangel an legalen Taxis in New York beheben. Statt dem gewohnten gelb sind sie grün. Die alteingesessenen Taxi-Fahrer sind über die ökologische Konkurrenz nicht gerade glücklich.

03.05.2012 19:05
Sebastian Moll
Das Taxifahren unterliegt auch in New York bestimmten Gesetzmäßigkeiten. Foto: bloomberg news

Jeder New Yorker kennt das Problem. Man besucht einen Bekannten, der in Harlem oder in Brooklyn lebt, es ist spät geworden, die U-Bahn fährt nur noch in Riesenabständen. Man geht auf die Straße und hält verzweifelt Ausschau nach dem Blinklicht auf dem Dach eines gelben Taxis, das Fahrbereitschaft anzeigt.

Meistens verbringt man so eine halbe Stunde oder länger. Stattdessen kommen jedoch im Minutentakt dunkle Limousinen vorgefahren, die einen anhupen und eine Fahrt anbieten. Man weiß, es ist illegal, aber irgendwann steigt man trotzdem ein.
Seit Jahrzehnten ist das jetzt schon so, die Gebiete außerhalb des Kerns von Manhattan sind mit gelben Taxis notorisch unterversorgt. Kein gelbes Taxi mag eine Fuhre dorthin mitnehmen, weil die Fahrer Angst haben, aus den Gegenden, in denen Menschen mit niedrigerem Einkommen leben, leer zurückfahren zu müssen. Doch jetzt soll es für diese Bezirken, die sieben Achtel des Stadtgebiets von New York ausmachen, besser werden.

Raus aus der Schattenwirtschaft

Ab Juni wird auf den Straßen von Harlem, Brooklyn, Queens, Staten Island und der Bronx ein neuer Fahrzeugtyp eingesetzt. 18?000 kleine mintgrüne Hybridautos werden dann durch diese Stadtteile flitzen und jeder kann sie heranwinken, wenn er rasch nach Midtown muss. Wie jedes ordentliche gelbe Taxi haben sie einen Taxameter und sogar eine Kreditkartenlesegerät.

Bürgermeister Bloomberg ist stolz auf diese Errungenschaft. „Nach vielen Jahren können wir endlich die Bürger außerhalb des zentralen Geschäftsbezirks von Manhattan mit legalem, kostengünstigen und sicherem Transport versorgen“. Zudem, prahlte Bloomberg, würden nun viele Tausende hart arbeitende Fahrer in diesen Gegenden aus einer illegalen Schattenwirtschaft heraus in die legitime Geschäftswelt der Stadt integriert.

Weniger glücklich über die neue grüne Flotte sind jedoch die Fahrer und Besitzer der alten gelben Taxis. Sie fürchten, dass die Flitzer aus den Außenbezirken nicht nur Passagiere in ihrem Revier abladen, sondern auch welche wieder mitnehmen und ihnen somit das ohnehin schon schwere Geschäft verderben. „Ich will nicht, dass irgendwelche Leute in mein Haus kommen und von meinem Tisch essen“, erregte sich Vincent Sapone, der Direktor eines Verbandes von Taxiunternehmern, bei einer öffentlichen Anhörung zu dem Thema.

Man kann die Klage gut nachvollziehen. Die berühmten „Medaillons“ der Stadt, die ein New Yorker Taxi-Betrieb haben muss, sind auf dem freien Markt mittlerweile so teuer wie ein Apartment an der Fifth Avenue. Eine Million Dollar wurde jüngst für eine solche Plakette bezahlt, ohne die man keinen Taxibetrieb in Manhattan führen kann.

Klage gegen die neue Flotte

Selbstverständlich schlagen sich diese Kosten auf den Verdienst der Fahrer nieder. Die Pacht für ein Taxi ist extrem teuer, die Chauffeure haben oft Schwierigkeiten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. „Ich fahre jeden Tag zwölf Stunden“, berichtete jüngst Chowdhury Kanchon, ein Fahrer aus Bangladesch, der in der Bronx lebt. An einem guten Tag nehme er 100 bis 120 Dollar ein. Seine vierköpfige Familie kann er davon nicht ernähren. Zeit, nebenher eine Ausbildung zu machen, hatte er auch nicht. „Ich überlege mir jeden Tag, wieder zurück nach Bangladesch zu gehen.“ So hatte sich Kanchon den amerikanischen Traum nicht vorgestellt.

Die Lizenzen für die grünen Taxis kosten dagegen gerade einmal 1500 Dollar. Deshalb hat nun eine Interessengruppe der Taxibetriebe, die „Metropolitan Taxicab Board of Trade“, Klage gegen die neue Flotte eingereicht. Die Konkurrenz, so die Befürchtung, werde die teuren Medaillons entwerten und den gelben Taxis die Existenzgrundlage entziehen.

Tatsächlich überlegen jetzt schon viele Fahrer der gelben Taxis auf grüne umzusteigen. „Man wird sich eine Zeit lang anschauen, wie sich unser Geschäft entwickelt und wie viel die verdienen“, gestand vergangene Woche Jim McCanaughy, ein irischer Fahrer, der seit 30 Jahren im Geschäft ist. „Wenn die grünen Autos lukrativer sind, dann steige ich um.“

Ironischerweise sind auch die Fahrer der neuen Wagen nicht glücklich über die neue Regelung. Zum einen glauben viele, dass sie illegal besser verdienen, als mit Lizenz und der damit verbundenen Regulierung. Vor allem aber missfällt ihnen das Quietschgrün ihrer neuen Fahrzeuge. „Wenn Leute sich schick machen, um abends auszugehen, wollen sie eine schwarze Limousine und kein Froschauto“, sagte Jose Trivino, der in Queens fährt. Er würde sich schämen mit so einem Wagen. „Das ist auch mein Privatauto. Glauben Sie, ich will damit nach Hause fahren?“
Eindruck kann er mit dem Öko-Brummer in seinem Kiez sicher nicht machen. Aber er wird sich daran gewöhnen müssen.

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