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Taj Mahal in Atlantic City Trump-Casino wird verramscht

Ein Kristall-Kronleuchter gefällig? In Atlantic City werden die Reste von Donald Trumps Casino-Imperium versteigert.

Trump-Casino
Das nach dem berühmten indischen Pracht-Mausoleum benannte Taj Mahal wurde zum Millionengrab. Foto: afp

Die hölzerne Strandpromenade haben die Tauben und Möwen längst in Beschlag genommen. Dort, wo einst das große Glück lockte, buhlen nun schummrige Tattoo-Studios, traurige Wurfbuden und schmuddelige Souvenir-Shops um die letzten Kunden. „Closed“ steht an der Tür des legendären Taj-Mahal-Casinos, dessen Kitschfassade verrottet. Atlantic City, einst das glitzernde Eldorado aller Glücksspieler östlich von Las Vegas, ist ein gespenstisch trostloser Ort.

Nun aber muss endgültig alles raus aus dem Taj Mahal, dem größten und schillerndsten aller Casinos, das sein Eigentümer einst in typischer Bescheidenheit als „achtes Weltwunder“ bezeichnete. Seit Donnerstag wird die Einrichtung der 1250 Zimmer, des Restaurants, des Fitnessstudios und der Spielsäle bei einem Räumungsverkauf verramscht. Schon 2014 hatte der Zocker-Palast Konkurs angemeldet, im vergangenen Oktober schloss er seine Türen. Seinem Bauherrn und langjährigen Eigentümer hat das nicht geschadet. Er ist heute Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Der sagenhafte Aufstieg und Niedergang des Protztempels an der Küste von New Jersey sagt viel über Donald Trump aus. Als Regierungschef brüstet er sich damit, Amerika wieder groß zu machen. Als Unternehmer ist er vielfach gescheitert. Mit hochriskanten Finanzwetten, gewagten Deals und fremdem Geld hat der Baulöwe für angeblich eine Milliarde Dollar sein Luftschloss errichtet und 1990 mit Pomp eingeweiht. Er selber schildert in seinem Buch „Die Kunst des Erfolges“ stolz, wie er Geschäftspartner durch vorgetäuschte Baufortschritte bei Laune hielt. Doch sein Potemkinsches Dorf begann bald zu bröckeln. Das nach dem berühmten indischen Pracht-Mausoleum benannte Taj Mahal wurde zum Millionengrab. „Das Geld, das ich da rausgeholt habe, ist unglaublich“, prahlte Trump trotzdem. Die Zeche zahlten vielfach die geprellten Kleinanleger.

Wer heute durch die Geisterstadt Atlantic City vorbei an leeren Parkplätzen und den rissigen Betonfassaden zweier weiterer ehemaliger Trump-Casinos streift, der muss schon genau nach Spuren des prominenten Gründers suchen. Sorgsam wurden die goldenen Namens-Schriftzüge überall abmontiert. Nur in einer windigen Seitenstraße neben dem Taj Mahal hat man ein Plakat vergessen: „Trump Human Ressources Office“ (Trump-Personalbüro) steht da über eine Bilderserie mit glücklichen Angestellten.

Tatsächlich lieferte sich der Hedgefonds-Manager Carl Icahn, der das taumelnde Casino 2009 von seinem Freund Donald Trump übernahm, erbitterte Kämpfe mit der Gewerkschaft, bevor er im Oktober 2016 den Betrieb einstellte.

Nun können sich Zocker mit Sinn für Skurrilitäten mit einem Andenken eindecken – etwa der kompletten Einrichtung eines Luxuszimmers mit extrabreitem Doppelbett, Kommode, Nachttisch, Pseudo-Barockstühlen, Marmortischchen und Vorhängen – alles in golden-cremigen Farbtönen – für 299 Dollar. Wer noch 90 Dollar drauflegt, kann gleich den Flachbildschirm von der Wand mitnehmen. Allerdings muss man mit einem größeren Auto vorfahren. Das Angebot gilt nur für Selbstabholer. Obwohl sich deren Andrang zu Beginn des ersten Verkaufstages gestern noch in Grenzen hielt, ist Donald Hayes, der Chef des Liquidationsunternehmens National Content Liquidators, ganz sicher: „In 60 Tagen sind wir das alles los. Garantiert.“

Wer eine echte Attraktion ersteigern will, sollte deshalb nicht zu lange warten: Das schwarze Yamaha Piano, die handgestickten blau-goldenen Wandteppiche aus Birma und die weißen Granit-Elefanten vor dem Eingang sind Einzelstücke. Die einarmigen Daddel-Automaten wurden schon vorab verkauft. Dafür sind noch Poker-Tische zu 550 Dollar im Angebot. Wer sich den berühmten Kristall-Kronleuchter sichern will, der in der protzigen Eingangshalle über den marmorumfassten Rolltreppen hing, der muss tiefer in die Tasche greifen: Die Deckenleuchte nach dem Geschmack des Bauherrn Trump soll 35 000 Dollar kosten.

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