Lade Inhalte...

Syrischer Designer „Ich versuche, die deutsche Frau zu verstehen“

Der syrische Designer Zacharias Ibech über die Modebranche im Nahen Osten, Modenschauen und sein Geschäft in Gelnhausen.

Zacharias Ibech
Geschäftig: Zacharias Ibech in seinem Atelier. Foto: Daniela Bauer

Herr Ibech, über die Modebranche im Nahen Osten ist hier kaum etwas bekannt. Wie funktioniert die Ausbildung?
Ich war an einer Modeschule in Beirut. Das ist eine schulische Ausbildung, drei Jahre, sehr praxisorientiert. Danach bin ich zurück nach Aleppo gegangen und habe ein Atelier aufgebaut.

Gab es in Aleppo vor dem Krieg eine größere Szene?
Es gab viele Modefirmen, eine richtige Industrie für alle Richtungen: Alltagskleidung, Arbeitskleidung, Abendkleidung. Als die Situation dort immer schlimmer wurde, bin ich 2011 wieder in den Libanon gegangen und habe ein neues Atelier eröffnet mit fünf Mitarbeitern. 2015 wurde es auch dort schwierig, also bin ich nach Europa gegangen.

War Deutschland Ihr Zielland?
Ich habe natürlich erst daran gedacht, nach Frankreich zu gehen. Ich war ein paar Tage in Paris, aber dort war es nicht schön für mich. Ich hatte davor drei Wochen in Deutschland gewartet, das hat mir besser gefallen, also bin ich zurückgegangen.

Über französische Mode wussten Sie sicherlich schon viel, aber hatten Sie auch eine Idee von der deutschen Branche?
Ich wusste nur, dass es in Berlin, Düsseldorf und Hamburg ein paar Designer gibt.

Nun sind Sie aber in Gelnhausen gelandet. Es muss schwierig sein, dort Mode zu machen.
Ich darf nicht umziehen, ich muss in Gelnhausen bleiben. Natürlich hat es mich erst abgeschreckt, dass die Stadt so klein ist. Aber jetzt bin ich ja schon fast zwei Jahre hier und ich mag Gelnhausen sehr. Weil die Stadt so klein ist, gibt es immerhin nicht viel Konkurrenz, die Maßanfertigungen macht wie ich.

In diesen zwei Jahren haben Sie viel geschafft, mittlerweile führen Sie wieder ein Atelier.
Ein Freund hat mir geholfen, den Laden zu finden und alles mit den Papieren zu regeln. Und er hat mich bei der Anmietung und dem Kauf der Maschinen unterstützt.

Fehlt Ihnen noch etwas, um richtig loszulegen?
Nein, mittlerweile habe ich alles. Ich würde aber gerne mal eine Modenschau machen.

Was würden die Zuschauer denn zu sehen bekommen?
Ich mache Abendkleidung und Brautkleider in Maßanfertigung. Also richte ich mich sehr nach den Wünschen der Kunden. Ich versuche, die deutsche Frau zu verstehen.

Sind Sie ihr schon auf die Schliche gekommen?
Sie mag bei Abendkleidern Spitze, Organza, Chiffon und Brokat, aber wenig Stickerei. In Syrien und im Libanon gibt es mehr davon, viele Swarovski-Steine. Das vermisse ich.

Ansonsten wirken Sie sehr zufrieden. Im Juli 2016 haben Sie in einem FR-Interview noch gesagt: „Mein Leben ist zum Stillstand gekommen.“
Ich habe sehr lange auf die Interviews mit dem Bamf gewartet und durfte in der Zeit nicht arbeiten. Ich habe die Mode sehr vermisst. Mittlerweile habe ich eine Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr, aber kein Asyl. So konnte ich wenigstens anfangen zu arbeiten. Ich hoffe natürlich, dass ich auch länger bleiben kann.

Wie soll es weitergehen?
Mit dem Geschäft geht es langsam voran. Manchmal ist es aber sehr einsam alleine in dem großen Laden, nicht immer kommen Kunden vorbei. Und natürlich hoffe ich auch, dass ich meine Familie irgendwann nachholen kann. Dass ich den Laden aufmachen konnte, war ein wichtiger Schritt.

 

Interview: Manuel Almeida Vergara

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum