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Sunspot Solar Observatory Schließung von Observatorium befeuert Verschwörungstheorien

Das Gelände rund um ein Sonnenteleskop in New Mexico wird vom FBI evakuiert, nicht einmal der örtliche Sheriff bekommt eine Erklärung. Das lässt die Verschwörungstheorien ins Kraut schießen: Wurden etwa Aliens gesichtet?

Sunspot Solar Observatory
Das Besucherzentrum des Sunspot Solar Observatory. Foto: AllenS [Public domain], from Wikimedia Commons

Das Sunspot Solar Observatory im US-Bundesstaat New Mexico ist idyllisch gelegen: In etwa 2800 Metern Höhe im Lincoln National Forest. Dort oben auf dem Sacramento Peak wird das Dunn Solar Telescope betrieben, mit dem Forscher die Sonne beobachten - zumindest im Normalfall. Doch seit dem 7. September ist nichts mehr normal auf dem Sacramento Peak. Das Observatorium wurde an diesem Tag wegen einer „Sicherheits-Angelegenheit“ geschlossen, gelbes Polizeiband und ein Stoppschild sperren die Zufahrt seitdem ab.

Warum wurde das Observatorium evakuiert? Dieser Frage gehen US-Medien bereits seit einer Woche nach - ohne eine zufriedenstellende Antwort gefunden zu haben. Der Direktor der Einrichtung, Dr. James McAteer, erklärte gegenüber einem örtlichen Fernsehsender, er habe seine Mitarbeiter zur Evakuierung aufgerufen. Warum er das Observatorium evakuieren lassen sollte, habe man ihm jedoch nicht gesagt. Es gibt keine Probleme mit dem Teleskop, so McAteer. Der örtliche Sheriff Benny House erklärte in einer lokalen Zeitung, das FBI sage ihm nicht, was los sei. Das FBI war dort oben. Niemand wollte mir sagen, warum, wird House zitiert. Dass das FBI so schnell involviert wurde und dass man so geheimnisvoll ist, spricht dafür, dass dort oben etwas los ist, mutmaßt der Sheriff und erzählt, er habe unter anderem einen Blackhawk-Helikopter und Arbeiter-Crews gesehen, aber niemand wollte uns irgendetwas sagen.

FBI macht keine Angaben

Das FBI beantwortet keine Anfragen zu dem Vorfall, sondern verweist auf die Organisation, die hinter dem Observatorium steht. Doch auch die Association of Universities for Research in Astronomy (AURA) gibt keine stichhaltige Erklärung für die Schließung: „Wir kümmern uns um eine Sicherheits-Angelegenheit und haben entschieden, die Einrichtung vorübergehend zu evakuieren. Wir arbeiten mit den Behörden zusammen“, ist alles, was AURA bisher verlautbart hat.

Ein mysteriöser Vorgang, viele offene Fragen und keine Antworten - der Fall des Sunspot Solar Observatory ist ein gefundenes Fressen für Verschwörungstheoretiker. Die verweisen auch gleich darauf, dass das Gelände nur gute 200 Kilometer von Roswell entfernt ist - jenem Ort in New Mexico, in dessen Nähe die US-Regierung 1947 angeblich ein außerirdisches Raumschiff  und Aliens gefunden und vor der Öffentlichkeit geheim gehalten haben soll. Dass diese Verschwörungstheorie in den 1990er Jahren bereits widerlegt wurde - ganz egal.

In Videos auf YouTube werden Gerüchte gestreut, die Sonnenbeobachter im Sunspot Solar Observatory hätten bei ihren Beobachtungen möglicherweise etwas entdeckt, was sie nicht hätten sehen dürfen - Stichwort: Aliens. Andere Verschwörungstheoretiker haben in Aufnahmen des Solar Dynamics Observatory der Nasa zwei riesige Objekte vor der Sonne entdeckt, die angeblich nicht das seien, was die Nasa auf ihrer Website angibt: Es handelt sich laut Nasa beide Male um den Mond, der vor der Sonne vorbeizieht.

Andere Theorien beschäftigen sich mit der Sonnenaktivität: Nur kurz nach der Evakuierung gab die Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) eine Warnung vor einem Sonnensturm der Stufe G2 heraus. Der Sonnensturm war jedoch nicht stark genug, um etwas mit der Evakuierung zu tun zu haben, auch die Sonnenaktivität ist derzeit nicht übermäßig hoch.

Ein Anwohner eines nahegelegenen Ortes hat das Gelände des Observatoriums mit einer Kamera besucht. „Eine Geisterstadt“, erzählt er im Video. Er habe nur eine Drohne gesehen und einen Mann, der das Gelände verlassen habe. „Alles ist verlassen, sogar die Orte, wo eigentlich Leute leben. Das ist bizarr.“ Ein anderes Video zeigt das Gelände aus der Perspektive einer Drohne. Zu sehen ist kein Mensch, nur die idyllische Lage des Observatoriums kann man gut erkennen: hoch oben auf einem Berg, umgeben von Bäumen und mit einem wunderbaren Ausblick auf die Umgebung.

Genau dieser Ausblick könnte der wahre Grund für die Sperrung des Geländes sein, mutmaßen manche Twitter-Nutzer: Vom Gelände des Sunspot Solar Observatory hat man nämlich auch einen guten Blick auf die Holloman Air Force Base und die White Sands Missile Range. Letztere ist ein Übungs- und Testgelände des US-Militärs für Raketen- und Drohnen-Technologie. Hat möglicherweise ein Angestellter oder Besucher des Observatoriums dort etwas gesehen, was er nicht hätte sehen dürfen? Diese Theorie scheint die wahrscheinlichste Erklärung zu sein.

Wann das FBI das Observatorium wieder freigibt, ist bisher nicht bekannt. Auch ob der Fall am Ende überhaupt öffentlich aufgeklärt wird, ist unklar. Bis es soweit ist, dürften sich die Verschwörungstheorien weiter verbreiten. Und sollte es irgendwann ein Statement mit einer Begründung für die Schließung geben, ist nicht gesagt, dass die Spekulationen aufhören: Im Fall der angeblichen Aliens von Roswell verbreiten sich die Verschwörungstheorien heute noch weiter.

Update: Das Observatorium soll ab dem 17. September wieder öffnen. Vom Betreiber gibt es auch ein detailliertes Statement zur Schließung. Mehr lesen Sie hier.

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