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Südafrika Wasserknappheit bedroht Kapstadt

Nur noch zwei Minuten Duschen am Tag: Kapstadt geht das Wasser aus und die Einwohner fürchten die „Stunde Null“. Bereits Ende April könnte dieses Szenario eintreten.

Drastische Verknappung des Trinkwassers in Kapstadt
Fehlt da nicht was? Das Auffüllen von Swimmingpools ist in der Touristen-Metropole schon lange untersagt. Foto: dpa

Wenn man sich in Kapstadt dieser Tage „Happy New Year“ wünscht, klingt das sarkastisch: Denn 2018 droht für die Bevölkerung des südafrikanischen Ferienparadieses ein „annus horribilis“, ein Schreckensjahr, zu werden.

Schon am ersten Tag des neuen Kalenderturnus wurden die Kapstädter mit noch schärferen Restriktionen für ihren Wasserkonsum belegt: Fällt auch in den kommenden vier Monaten kein nennenswerter Niederschlag – was im derzeitigen Sommer höchst wahrscheinlich ist – könnte bereits Ende April nur noch warme Luft aus den Wasserhähnen kommen. Es wäre das erste Mal in der Geschichte der urbanisierten Menschheit, dass eine Metropole gänzlich auf dem Trockenen sitzt – mit verheerenden Auswirkungen auf die Infrastruktur, die Wirtschaft und die Gesundheit ihrer Bewohner.

Seit Montag gilt Alarmstufe 6: Das bedeutet, dass jeder Einwohner nur noch 87 Liter Wasser am Tag verbrauchen darf, Wirtschaftsunternehmen müssen ihren Verbrauch um 45 Prozent drosseln, die Bauern in der Umgebung haben die Konsumption sogar um 60 Prozent zu reduzieren. Das Gießen von Gärten, Waschen von Fahrzeugen und Auffüllen von Swimmingpools ist schon lange untersagt.

Kapstadt lebt vom Tourismus

Haushalte mit einem Verbrauch von mehr als 10 500 Litern im Monat müssen mit deftigen Strafen und der Installation eines Wasserstoppers rechnen. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, Duschen auf zwei Minuten zu begrenzen, sich besser die Hände mit einem Tuch zu desinfizieren statt sie zu waschen, und Kleine Geschäften auf der Toilette nicht mehr hinunter zu spülen. „If it’s yellow, it’s mellow“, so das von der Stadtverwaltung verbreitete Motto: „Wenn es gelb ist, ist es okay.“

Besucher werden am Flughafen von Plakaten mit der Aufschrift begrüßt: „Slow the flow: Save H2O“. In der Weihnachtszeit herrscht in der sommerlichen Touristen-Perle jährlicher Hochbetrieb. Auch in diesem Dezember tummelten sich wieder mehr als 150 000 Gäste in der ausgetrockneten Stadt.

Weil die bildhübsche Hafenmetropole jedoch vom Tourismus lebt, spielt man die Hiobsbotschaften also lieber herunter: „Wir ermuntert alle Reisenden, unsere wunderschöne Stadt-Ikone zu besuchen“, lädt Zara Nicholson, Sprecherin der Kapstädter Bürgermeisterin ein. Mit den Besuchern steige die Zahl der Einwohner der Stadt höchstens um drei Prozent, heißt es weiter: Es seien nicht die Touristen, die Kapstadt wassertechnisch in Bedrängnis bringen.
Kritiker der Stadtverwaltung weisen darauf hin, dass die Väter und Mütter der Metropole schon vor 15 Jahren vor der drohenden Gefahr gewarnt wurden.

Die Bevölkerung Kapstadts schwoll in den vergangenen 25 Jahren von unter zwei auf mehr als vier Millionen Menschen an, damit kam die nur allmählich ausgeweitete Wasserversorgung nicht mit. Da war nur noch eine Dürre nötig, um das Desaster perfekt zu machen.

Schon seit mehr als zwei Jahren leidet das Kap unter der schlimmsten Trockenheit seit hundert Jahren. Rinderfarmer in der Provinz haben bereits ihre Herden geschlachtet. Apfelbauern reißen die Blüten von ihren Bäumen, weil sie hoffen, dass diese ohne Früchte besser durchkommen. Auch die Weinfarmer des weltberühmten Anbaugebiets rechnen mit schweren Produktionseinbußen.

Mittlerweile hat auch die fieberhafte Suche nach Maßnahmen begonnen, welche die Ende April drohende „Stunde Null“ noch abwenden könnte. Auf der Konsumentenseite ist die Schraube bereits weitgehend zugedreht: Der Kapstädter Konsum ließ sich tatsächlich von 1,1 Milliarden Litern am Tag auf 600 Millionen drücken – doch bei 500 Millionen sei eine Grenze erreicht, sagen Experten.

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