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Südafrika Mit Insektenspray gegen Dämonen

Ein Prophet in Südafrika sprüht seinen Jüngern Gift ins Gesicht. Das Insektenspray soll gegen Dämonen helfen.

Rabalago brüstet sich online mit seinen Methoden. Foto: Facebook

Um Lethebo Rabalago wirklich gerecht zu werden, muss man ein wenig Englisch verstehen und die Insektenvernichtungsmittel am Kap der Guten Hoffnung kennen. „Doom“ bedeutet im Deutschen soviel wie Unheil, „dooms day“ der Jüngste Tag, weshalb die Firma Tiger Brand ihrem Insekten-Killer-Spray wohl augenzwinkernd den Namen „Doom“ verpasste. Dem südafrikanischen Propheten Rabalgo muss das so eingeleuchtet haben, dass er Doom in seinem Gottesdienst zur Dämonenaustreibung benutzt.

Wie entsetzte Südafrikaner auf der Facebook-Seite des Gründers der „Mount Zion General Assembly Church“ entdeckten, pflegt der vermeintliche Gottesmann seinen Gläubigen den Insekten-Killer aus nächster Nähe mitten ins Gesicht zu sprühen. Auf diese Weise, behauptet er, könne er Augenentzündungen, aber auch Krebs und sogar Aids heilen. Er sei vom „Heiligen Geist“ über den richtigen Einsatz von Doom aufgeklärt worden, fügt Rabalago hinzu. Denn Gott könne alles benutzen, um seine Kinder zu heilen: „Dreck, Spucke oder auch giftige Sachen.“

Das alles könnte man unter „seltene Spinnereien“ abheften, wären unlängst nicht auch andere drastische prophetische Umtriebe bekannt geworden. Lesego Daniel, Chef der Rabboni Ministries, hielt seine Gläubigen an, Benzin zu ihrer Reinigung zu trinken und lebende Ratten oder Schlangen zu essen. Der von dem Propheten verwandelte Treibstoff schmecke wie „Ananas-Saft“, schwärmten die Gläubigen: Ratten und Schlangen konnten es anscheinend mit Schokolade aufnehmen. Penuel Mnguni von den „End Times Disciples Ministries“ fuhr schließlich mit einem Auto über seine auf dem Boden liegenden Gläubigen, um die Wunderkraft seines Gottes zu demonstrieren. Oder er sprang von einem zwei Meter hohen Lautsprecher auf seine Schäfchen.

Selbst die Polizei ist machtlos

Nun soll sich eine „Kommission zur Förderung und zum Schutz der Rechte kultureller, religiöser und sprachlicher Gruppen“ um die zweifelhaften Methoden kümmern. Die Vorsitzende des Gremiums, Thoko Xaluva, bezeichnete die jüngsten Vorkommnisse als „schockierend und widerlich“ und nahm bereits Kontakt mit dem Doom-Propheten auf. Doch Rabalago stellt sich stur und war selbst mit der Androhung rechtlicher Schritte nicht zu beeindrucken. „Ich fürchte keine Verhaftung“, befand der Prophet: „Schließlich bin ich bereits in Christus verhaftet“. Selbst die Polizei ist offenbar machtlos: Solange keiner der Gläubigen Anzeige erstatte, sei nichts zu machen.

Es sei nur eine Frage der Zeit, „bis etwas Schreckliches passiert und einer dieser Pastoren viele Menschen umbringt“, warnt Xaluva und fordert Gesetze zur Regelung der Propheten-Umtriebe. Leute wie Rabalago und Mnguni hätten „viel zu viel Macht“ über ihre „Jünger“, meint die Pädagogin: Irgendwann könnten sie diese auch dazu bringen, „sich Sprengstoffgürtel um den Bauch zu binden und Einkaufszentren in die Luft zu jagen“. Über die Ursache des besorgniserregenden Phänomens gibt es für die Kommissionspräsidentin keinen Zweifel: „Die Menschen sind verzweifelt und klammern sich an alles, was ihnen Hoffnung verspricht.“

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