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Südafrika Kapstadt sitzt auf dem Trockenen

Jahrhundertdürre im Touristenparadies: Kaum Regen und immer mehr Einwohner – die südafrikanische Stadt steckt in einer schweren Wasserkrise.

Trockenheit in Kapstadt
Der Speichersee Theewaterskloof bei Kapstadt ist fast gänzlich ausgetrocknet und gleicht einer Wüste. Foto: dpa

Wenigstens ihren Humor haben sich die Kapstädter erhalten. In der südafrikanischen Touristenmetropole macht derzeit ein Videoclip mit einem jungen Ganoven die Runde, der seiner Tante ein gestohlenes iPhone andrehen will. Die strenge Verwandte tadelt den Neffen, warum er noch immer in dunkle Geschäfte verwickelt sei – auch dessen immer lukrativer gemachtes Angebot kann die Tante nicht von ihrem moralischen Hochsitz holen. Erst als ihr der Junge statt des iPhones einen Liter Wasser anbietet, wird die Tante weich: Sie schließt die Fenster, zieht die Gardinen zu und kauft dem Neffen das kostbare Nass ab.

Kapstadt steckt derzeit in der schlimmsten Wasserkrise seit mindestens hundert Jahren. Die Dämme der weit über vier Millionen Einwohner zählenden Hafenstadt sehen größtenteils wie Wüstenlandschaften aus: Die Reservoirs sind nur noch zu zwanzig Prozent gefüllt – weil die letzten zehn Prozent des aufgestauten Wassers unbrauchbar sind, bleibt den Metropolenbewohnern nur noch eine Reserve von zehn Prozent. Wenn es so weiter geht, werden die Kapstädter spätestens im September ganz auf dem Trockenen sitzen: Und dann beginnt die touristische Hochsaison, von der die Menschen unter dem Tafelberg fast noch abhängiger als vom Wasser sind.

Seit Monaten hat die Stadt immer rigidere Regeln für den Wasserverbrauch erlassen. Inzwischen darf jeder Kapstädter höchstens noch 100 Liter pro Tag verbrauchen: Blumen gießen, Schwimmbad nachfüllen und Auto waschen sind strengstens verboten. Bei Zuwiderhandlung drohen den von fast allen Seiten von Wasser umgebenen Stadtbewohnern immer heftigere Strafen: Die Geldbußen wurden jüngst von 5000 auf 10 000 Rand (rund 700 Euro) angehoben, besonders üble Wasserverschwender sollen sogar im Gefängnis landen.

Die Gründe für den Wassernotstand sind mannigfach. In der Westkap-Provinz hat es in den vergangenen Jahren äußerst wenig geregnet, wofür Experten neben dem Wetterphänomen El Niño auch die Klimaerwärmung verantwortlich machen. Außerdem wächst die wasserverbrauchende Bevölkerung des Touristenmekkas rasch an: Jährlich drängeln sich rund 100 000 neue Einwohner unter dem Tafelberg. Seit der politischen Wende 1994 hat sich die Zahl der Kapstädter mehr als verdoppelt. Schließlich wird auch das überalterte Leitungsnetzwerk der Hafenstadt beschuldigt: Rohrbrüche ließen noch vor acht Jahren ein Viertel allen Trinkwassers nutzlos im Boden versickern. Noch immer sollen es heute 15 Prozent sein.

Kein gutes Leumundszeugnis für die Demokratische Allianz (DA), die das Westkap als einzige der neun südafrikanischen Provinzen derzeit regiert.

Die von weißen Politikern dominierte Oppositionspartei brüstet sich gerne damit, dass nur sie die für ein entwickeltes Land notwendigen Dienstleistungen garantieren könne: In anderen Teilen Südafrikas bleiben tatsächlich selbst nach guten Regenzeiten immer wieder die Wasserhähne trocken, und aus den Steckdosen rieselt der Staub.

Doch nun hat auch die von Helen Zille geführte Westkap-Provinz ihren Dienstleistungsskandal: Die deutschstämmige Politikerin und ihre Kollegin im Kapstädter Bürgermeisteramt hätten den Wassernotstand längst kommen sehen müssen, sagen ihre Kritiker. Jetzt spricht auch Kapstadts Bürgermeisterin Patricia de Lille von einer „Krise katastrophalen Ausmaßes“. Hektisch denken die Verantwortlichen über Notmaßnahmen nach. Von einer Entsalzungsanlage ausgerechnet in der Nähe des Atomkraftwerkes Koeberg ist die Rede – und von Tiefbohrungen unter den Tafelberg, mit denen dort vermutete Grundwasser angezapft werden soll. Da es sich dabei jedoch um Langzeitprojekte handelt, werden sie den für September vorhergesagten Gau nicht verhindern können. In der Zwischenzeit solle das benötigte Wasser mit Tankzügen aus anderen Teilen des Landes angekarrt werden, schlägt Bürgermeisterin de Lille vor: Im Innern des klimatisch zweigeteilten Landes fließen nach einer guten Regenzeit derzeit tatsächlich die Dämme über.

Trotzdem bangen die Kapstädter unterdessen „Day Zero“, der Stunde Null, entgegen, für die nicht alle mit dem anfangs beschriebenen Humor gewappnet sind. Apokalyptiker entwerfen in Zeitungsartikeln Szenarien, wie man sie sonst nur aus Hieronymus-Bosch-Bildern kennt: Straßenschlachten um Tanklaster werden heraufbeschworen, die nächtliche Ausplünderung von Schwimmbädern und Wasserpreise, die einem die ausgetrockneten Haare zu Berge stehen lassen.

Allerdings lässt der jüngste Wetterbericht jetzt Hoffnung am Kap aufkommen: Für die nächsten Tage wird ein Sturm mit Windgeschwindigkeiten von 100 Kilometern und Niederschlägen von bis zu 50 Millimetern vorausgesagt. Doch selbst sintflutartige Regenfälle könnten die akute Not nicht lindern, wenden Experten ein: Um die Dämme wieder zu füllen, seien in den nächsten zwei Jahren noch viele Stürme nötig.

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