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Staatsanwaltschaft Dresden Mordanklage im Fall Anneli

Vergangenen Sommer entführten zwei Männer die 17-jährige Anneli, forderten über eine Million Euro Lösegeld und brachten die Schülerin schließlich um. Die Dresdner Staatsanwaltschaft erhebt nun Anklage gegen die Tatverdächtigen, einem der beiden wirft sie Mord vor.

Blumen und Kerzen an dem Ort in Lampersdorf (Sachsen), wo die Leiche der 17-jährige Anneli gefunden wurde. Foto: dpa

Es war ein erschütterndes Verbrechen, brutal und stümperhaft, das selbst hart gesottene Kriminalbeamte fassungslos machte: Vergangenen Sommer entführten zwei Männer die 17-jährige Anneli aus einem Dorf bei Dresden, verlangten Lösegeld von den Eltern und brachten die Schülerin um.

Nun hat die Staatsanwaltschaft Dresden Anklage gegen die beiden mutmaßlichen Täter erhoben, das Landgericht muss noch den Prozesstermin festlegen, vermutlich beginnt die Verhandlung im März.

Die beiden Männer, 40 und 62 Jahre alt, ein arbeitsloser Koch und ein Metallhändler, sollen das Mädchen am 13. August entführt haben, als es mit ihrem Hund in der Nähe des Heimatdorfes Robschütz auf einem Feldweg spazieren war. Von ihrem Vater verlangten sie 1,2 Millionen Euro Lösegeld. In einer öffentlichen Erklärung hatte die Familie der Gymnasiastin die Täter angefleht, Anneli freizulassen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 40-jährigen Mann nun Mord sowie erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge vor, dem 62-Jährigen erpresserischer Menschenraub mit Todesfolge. Gegen ihn habe man den Mordverdacht nicht aufrecht erhalten können. Zu den näheren Todesumständen und zur Todesursache der Jugendlichen geben die Ermittler keine Auskunft.

Per Handyortung aufgespürt

Nach ihren Erkenntnissen soll der 40-jährige Beschuldigte Anneli bereits zwei Tage nach der Entführung ermordet haben. Die Leiche des Mädchens wurde wiederum zwei Tage später auf einem leerstehenden Hof in Lampersdorf südlich von Meißen gefunden.

Auf die Spur der beiden waren die Kriminalbeamten durch DNA-Spuren gekommen, die am Fahrrad der 17-Jährigen gesichert worden waren, das neben dem Feldweg lag. Der Daten-Abgleich führte direkt zu dem vorbestraften 40-Jährigen. Er wurde per Handyortung in Bayern aufgespürt und festgenommen. Den 62-jährigen Tatverdächtigen schnappte die Polizei in Dresden bei einer  Observation. Er sei ihnen „einfach durchs Bild gelaufen“, berichteten Ermittler.

Die Staatsanwaltschaft Dresden geht davon aus, dass das Mädchen ermordet wurde, weil es die Täter nach einer Freilassung hätte wiedererkennen können. Die Männer trugen bei dem Verbrechen keine Masken, die Staatsanwaltschaft geht deshalb von einem Verdeckungsmord aus.

Der Jüngere der Beschuldigten ist ein zweifacher Familienvater, der bis kurz vor dem Verbrechen selbst mit Frau und Kindern auf dem Hof gelebt hat, auf dem Anneli ums Leben kam. Sein Komplize aus Dresden ist nach Zeitungsberichten ein alleinstehender „Lebemann". Beiden gemeinsam: Sie sollen hoch verschuldet gewesen sein.

„Dilettantisch und brutal“

Beiden Männern, so schätzten es Kripobeamte im August 2015 ein, soll das Verbrechen schlicht über den Kopf gewachsen sein. Sie hatten keinen wirklichen Plan und auch offensichtlich keine Vorstellungen, wie die Übergabe der geforderten 1,2 Millionen Euro Lösegeld über die Bühne gehen sollte. Ihre Forderung, das Geld per Onlinebanking überweisen zu lassen, scheiterte daran, dass so etwas in dieser Höhe gar nicht funktioniert. Die Polizei ging davon aus, dass danach alles aus dem Ruder lief und das Mädchen umgebracht wurde, weil es die Männer hätte identifizieren können. „Dilettantisch und brutal“, beurteilte ein Ermittler den Tathergang.

Der 62-Jährige war angeblich zwei Mal verheiratet, beide Ehen scheiterten, beide Frauen soll er finanziell ausgenommen haben. In den 1990ern soll der Mann zudem einen Blumenladen in Wilhelmshaven betrieben und heruntergewirtschaftet haben. Seiner Verpächterin schuldet er angeblich noch 35000 Euro.

Der 40-Jährige Koch, Vater zweier Jungen, soll erst im Juni 2015 bei Bamberg ein Haus für 350000 Euro gekauft haben. Der Hof, auf dem Anneli starb, habe seiner Schwiegermutter gehört. Der Mann war polizeibekannt: Er war schon wegen Versicherungsbetrugs, Brandstiftung und wegen eines Sexualdelikts verurteilt worden.

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