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Sprache „Alternative Fakten“ ist Unwort des Jahres

2. UpdateDas „Unwort des Jahres“ 2017 heißt „Alternative Fakten“. Zahlreiche gute Einsendungen erschweren der Jury die Entscheidung.

Unwort des Jahres 2017
Das Unwort des Jahres 2017: „alternative Fakten“. Foto: dpa

Sie begegnen uns täglich. Sie nerven uns in den Kommentarspalten sozialer Medien. Sie stehen für den Versuch, Falschbehauptungen salonfähig zu machen. Nun wurden sie von einer sechsköpfigen Jury (siehe Kasten rechts) entsprechend gewürdigt: „Alternative Fakten“ sind zum Unwort des Jahres 2017 gewählt worden, wie die sprachkritische Aktion Unwort des Jahres gestern in Darmstadt bekannt gab.

Seinen Ursprung hat der Begriff, wie so manches, in den Vereinigten Staaten. Er geht zurück auf eine Aussage von Donald Trumps Beraterin Kellyanne Conway: Nachdem Pressesprecher Sean Spicer die falsche Tatsachenbehauptung aufgestellt hatte, dass zu Trumps Amtseinführung so viele Feiernde auf der Straße gewesen seien wie nie zuvor bei einem solchen Anlass, rechtfertigte Conway diese Darstellung als – genau: „alternative Fakten“. Dass Spicer ordentlich daneben lag, das belegten unter anderem Luftaufnahmen. Für Trumps Team erschien es aber offenbar alternativlos (um das Unwort 2010 ins Spiel zu bringen), auch weiterhin faktenresistent mit dem Thema zu verfahren.

Von „Fake News“ zu unterscheiden

Zu unterscheiden sind alternative Fakten von sogenannten „Fake News“. „Fake News sind eine Eins-zu-eins-Bezeichnung für Lügen“, sagt Jury-Mitglied Stephan Hebel. „Alternative Fakten“ seien eine Beschönigung dieser Lügen und würden diese verschleiern. Nach Conways Startschuss sei der Ausdruck auch in Deutschland „zum Synonym und Sinnbild für eine der besorgniserregendsten Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch“ geworden, gerade in sozialen Medien, heißt es in einer Pressemitteilung der sprachkritischen Aktion zur Begründung der Auswahl. „Die Frage, was wahr ist“, so Hebel, werde mit dem Verweis auf alternative Fakten „nicht mehr gestellt“, vielmehr werde „die Tabuisierung der Lüge damit unterlaufen“.

Der Begriff habe sich nach mehrstündigen „schönen und intensiven Diskussionen“, so Hebel, durchgesetzt – jedoch gegen harte Konkurrenz. So kritisierte die Jury auch den Begriff „Shuttle-Service“ als Unwort. Damit habe Stephan Mayer, innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sowohl Flüchtlinge als auch Menschen, die ihnen humanitäre Hilfe leisten, diffamiert. Seenotretter seien für die Flüchtenden ein „Shuttle-Service zum italienischen Festland“, hatte sich der CSU-Politiker geäußert.

Die Jury kritisiert ferner den Begriff „Genderwahn“: „Mit dem Ausdruck werden in konservativen bis rechtspopulistischen Kreisen zunehmend Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit in undifferenzierter Weise diffamiert“. Auch der von Bundesinnenminister Thomas de Maizière geprägte Begriff der „Abschiebekultur“ (als Gegenstück zur Willkommenskultur), sei lange im Gespräch gewesen. so Hebel.

Insgesamt haben 1316 Einsendungen die Jury erreicht darunter „Babycaust“, „Sondierungsgespräche“, „Jamaika-Koalition“ und „atmender Deckel“. 

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