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Sportschule Mit einem Besenstiel missbraucht

Zwei Jugendliche sollen jüngere Schüler im Wohnheim sexuell missbraucht haben. Die Tatwaffe war angeblich ein Besenstiel. Mehrere Menschen, unter anderem die Leiterin des Internats, wurden vorläufig suspendiert.

Zwei Missbrauchsfälle haben die Potsdamer Sportschule in Verruf gebracht. Foto: dpa/bernd settnik

Eltern in ganz unterschiedlichen Regionen Deutschlands sagen: Den Potsdamern vertrauen wir unser Kind gern an.“ Mit diesen Worten wirbt die mit dem Titel „Eliteschule des Sports“ ausgezeichnete Sportschule „Friedrich Ludwig Jahn“ in Potsdam auf ihrer Internetseite für sich. Doch nun lastet auf ihr ein schwerer Vorwurf. Schüler der elften Klasse sollen im Internat der Schule zwei 13 und 14 Jahre alte Jungen sexuell missbraucht haben. „Wir ermitteln gegen zwei 16-jährige Jugendliche wegen des Verdachts der sexuellen Nötigung“, sagte Ralf Roggenbuck, der Sprecher der Potsdamer Staatsanwaltschaft, am Mittwoch. Die Leiterin des Internats, ihre beiden Stellvertreterinnen, eine Erzieherin sowie ein Trainer wurden vorläufig suspendiert, weil sie den Vorfall nicht sofort gemeldet hatten.

Die beiden mutmaßlichen Täter, bei denen es sich um Nachwuchshandballer handelt, sollen sich am späten Abend des 27. September im Wohnheim der Schule an zwei Schülern der achten Klasse vergangen haben. Tatwerkzeug soll ein Besenstiel gewesen sein. Zumindest ein Opfer vertraute sich nach dem Vorfall offenbar einer Erzieherin und einem Trainer an, doch zunächst geschah nichts. Schüler und Lehrer gingen in die Ferien. Erst zwei Wochen später wurden Eltern und der Betreiber des Internats, die zum Unternehmensverbund Pro Potsdam gehörende Luftschiffhafen GmbH, informiert. Diese reagierten sofort und erstatteten am vorigen Freitag Strafanzeige. „Wir haben den beschuldigten Schülern bis zur Klärung der Vorwürfe sofort ein Hausverbot für das Wohnheim erteilt“, sagte Pro-Potsdam-Sprecherin Kirstin Gebauer.

„Das gesamte Krisenmanagement hat versagt“

Die mutmaßlichen Täter wurden auch vom Schulbetrieb ausgeschlossen. Am Mittwochabend beschloss die Klassenkonferenz der Eliteschule, die Jugendlichen für die nächsten zwei Wochen zu suspendieren. Es ist das höchstmögliche Strafmaß, das dieses Gremium verhängen darf. In der Klassenkonferenz sind nur Lehrer vertreten, die die Jugendlichen kennen. In zwei Wochen tritt die Gesamtlehrerkonferenz zusammen und entscheidet darüber, ob sie beim Schulamt den Antrag stellt, die mutmaßlichen Täter von der Schule zu verweisen.

Laut Bildungsministerium steht fest, dass es in dem Wohnheim während der Nachtruhe einen Übergriff gegeben habe, der völlig inakzeptabel sei. Fest stehe auch, dass die Kommunikation nicht geklappt habe. „Das gesamte Krisenmanagement hat versagt, nachdem sich die Schüler Erwachsenen anvertraut haben“, sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding.

Die Opfer sind bisher nicht wieder zum Unterricht und Training erschienen. „Sie sind krankgeschrieben, werden von ihren Eltern betreut“, so Breiding. Ihnen werde ein Hilfsangebot unterbreitet. „Wir gehen davon aus, dass sie an die Schule zurückkehren werden.“ Der Vorfall werde in den Klassen besprochen. Die Schüler seien aufgerufen, mögliche weitere Übergriffe zu melden. Es werde daran gedacht, eine Hotline einzurichten.

Die Stadt Potsdam ist für einen Großteil der 35 Erzieher in dem Schülerinternat zuständig. Man prüfe nun, wie es dazu kommen konnte, dass Pädagogen so lange geschwiegen hätten, sagte Stadtsprecher Jan Brunzlow.

Die „Eliteschule des Sports“ gehört zum Olympiastützpunkt Potsdam. Träger der Schule ist die Stadt. In der Einrichtung lernen derzeit fast 600 sportbegabte Mädchen und Jungen. Sie werden unter anderem in den Sportarten Leichtathletik, Rudern, Kanu, Schwimmen, und Fußball sowie Handball gefördert.

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