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Spanien König Spaniens König Juan Carlos dankt ab

Der spanische König Juan Carlos dankt nach 40 Jahren auf dem Thron überraschend ab. In Prinz Felipe, der als Felipe VI. die Thronfolge antreten wird, sieht die spanische Regierung einen würdigen Nachfolger.

02.06.2014 10:44
König Juan Carlos I. dankt ab. Foto: AFP

Der spanische König Juan Carlos dankt nach fast 40 Jahren auf dem Thron ab. Prinz Felipe (46) werde sein Nachfolger, teilte Ministerpräsident Mariano Rajoy am Montag überraschend mit. Die Verfassung werde geändert, um den Rücktritt des Königs zu ermöglichen. "Ich bin überzeugt, dass dies der beste Zeitpunkt für einen Wandel ist", erklärte Rajoy. Juan Carlos habe persönliche Gründe angegeben.

"Seine Majestät, König Juan Carlos, hat mich gerade über seinen Wunsch informiert, auf den Thron zu verzichten und das Verfahren für die Thronfolge einzuleiten", sagte Rajoy. Der König will sich demnach im Laufe des Vormittags auch noch "persönlich" an die Spanier wenden. 76-jährige Monarch hat seit langem gesundheitliche Probleme. Die Entscheidung des Königs traf die Spanier dennoch völlig überraschend. Der Monarch hatte eine Abdankung bislang strikt ausgeschlossen.

Damit eine Abdankung wirksam und der Thronfolger zum neuen König gekrönt werden kann, muss allerdings noch eine Nachfolge-Regelung vom Parlament verabschiedet werden. Eine Abdankung des Monarchen ist im spanischen Rechtssystem bislang nicht vorgesehen. In der Verfassung wird dazu auf ein gesondertes Gesetz verwiesen, das aber bisher nicht verabschiedet wurde.

Hierzu berief Rajoy für Dienstag eine außerordentliche Kabinettssitzung ein. Damit der König abdanken kann, müsse ein eigenes Gesetz verabschiedet werden, sagte der Ministerpräsident. Er hoffe, dass das Parlament dann schon nach "sehr kurzer Zeit" der Ernennung von König Felipe zustimmen könne.

Der 76-Jährige genoss über Jahrzehnte ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Beim friedlichen Übergang von der Diktatur unter Francisco Franco zur Demokratie in den 70er Jahren spielte er eine entscheidende Rolle. Wegen einer Reihe von Korruptionsskandalen, darunter der Finanzskandal um Prinzessin Cristina, und anderer Fehltritte ist das Ansehen des Königshaus zuletzt aber gesunken. Nicht zuletzt geriet aber auch der Monarch selbst in die Kritik. Die Affären um seine Geliebte, die deutsche Corinna zu Sayn-Wittgenstein beschädigten sein Ansehen in der Öffentlichkeit. 2012 unternahm der Monarch einen Jagdausflug nach Botswana - während sein Volk 2012 mitten in einer großen Wirtschaftskrise steckte. Daraufhin sprachen sich in einer Umfrage zwei Drittel der Spanier dafür aus, dass Juan Carlos als König abdanken sollte.

Demokrat und Bürgerkönig

Rajoy würdigte den Beitrag Juan Carlos' für die Demokratie in Spanien. «Er ist das beste Symbol unseres Zusammenlebens in Frieden und Freiheit.» Der König sei nach dem Ende der Franco-Diktatur (1939-1975) der wichtigste demokratische Antreiber gewesen und habe die junge Demokratie auch bei dem gescheiterten Putschversuch rechter Militärs im Februar 1981 verteidigt.

Der spanische König Juan Carlos (76) wurde von Diktator Francisco Franco eingesetzt und führte sein Land in die Demokratie. Als er im November 1975 nach Francos Tod zum König gekrönt wurde, dachte er nicht daran, das Regime des «Caudillo» (Führer) fortzuführen. Der junge Monarch ebnete den Weg zu einem demokratischen System.

Juan Carlos wurde am 5. Januar 1938 im Exil in Rom geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Italien, Portugal und der Schweiz. 1962 heiratete er Prinzessin Sofía von Griechenland. Mit Königin Sofía (75) hat er drei Kinder: Infantin Elena (50), Infantin Cristina (48) und Thronfolger Felipe (46).

Seine herzliche und offene Art brachten dem passionierten Segler, Jäger und Freund des Stierkampfes die Sympathien seiner Landsleute ein. In Umfragen war der Monarch lange im Höhenflug - ein Jagdausflug nach Botsuana löste bei den unter Krise und Arbeitslosigkeit leidenden Spaniern aber 2012 Empörung aus. Er war nur deshalb publik geworden, weil Juan Carlos sich bei einem Sturz eine Hüfte gebrochen hatte.

Die Presse übte ungewöhnlich scharfe Kritik am Monarchen und berichtete erstmals ausführlich über angebliche Eheprobleme des Königspaars. Einige Politiker legten Juan Carlos eine Abdankung nahe. In einer Geste, die in der Geschichte der spanischen Monarchie ohne Beispiel war, entschuldigte sich der König öffentlich und gelobte Besserung.

Über sein Amt sagte Juan Carlos einmal: «Hier musst Du Dir den Thron Tag für Tag aufs Neue verdienen. Wenn das Volk gegen Dich ist, kannst Du einpacken.»

Regierung: Felipe bestens vorbereitet

Spaniens Kronprinz Felipe ist nach Überzeugung der Regierung bestens vorbereitet, nach der Abdankung seines Vaters Juan Carlos den Thron zu besteigen. «Er ist eine solide Garantie dafür, dass er bei der Ausübung seines Amts als Staatschef die Erwartungen erfüllen wird», sagte Ministerpräsident Mariano Rajoy am Montag in Madrid. «Davon bin ich fest überzeugt.»

Felipe sei gut ausgebildet, habe eine große Erfahrung in öffentlichen Angelegenheiten und sei auch vom Charakter her bestens für die Aufgabe vorbereitet. Der 46 Jahre alte Kronprinz wird künftig als Felipe VI. regieren. Er hat in Madrid Jura studiert und in den USA einen Master in Internationalen Beziehungen gemacht. Zudem ist er Offizier des Heeres, der Luftwaffe und der Marine. (dpa/afp/rtr/fr)

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