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Spanien Juan Carlos Des Königs erste Liebe

Der katalanische Kellner Albert Solà glaubt, der ältere Bruder des spanischen Monarchen Felipe zu sein.

01.08.2014 15:53
„Papa, ist es wahr, dass ich noch einen Bruder habe?“ – „Ich hör wohl schlecht!“ König Felipe (li.) und Juan Carlos. Foto: rtr

Das Aussehen ist auf seiner Seite. Seit fast 20 Jahren versucht der katalanische Kellner Albert Solà herauszufinden, ob er der Sohn des vor kurzem abgedankten spanischen Königs Juan Carlos ist. Nach all seinen Recherchen ist er sicher, genügende Indizien für die Bestätigung seines Verdachts beisammen zu haben. Ob alles stimmt, was er erzählt, ist schwer zu überprüfen. Doch ein Blick auf sein Gesicht macht seinen Anspruch glaubwürdig: Ja, er sieht aus wie ein Bourbone.

Solà ist in den vergangenen Jahren gegen viele Wände angerannt. Die am schwersten zu überwindende war die spanische Verfassung. Die sagt in ihrem Artikel 56.3, dass der spanische König „unantastbar“ sei. Die Madrider Familienrichter, an die sich Albert Solà zwei Mal mit einer Vaterschaftsklage gegen Juan Carlos wandte, interpretierten den Artikel so, dass der Monarch von keinem spanischen Gericht belästigt werden dürfe, egal ob es um öffentliche oder private Belange gehe. Doch seit dem 19. Juni ist Juan Carlos nicht mehr König und also antastbar. Die konservative Regierungsmehrheit des spanischen Parlaments sorgte nach seiner Abdankung noch in aller Eile dafür, dass er weiter besonderen juristischen Schutz genießt: Für Klagen gegen den früheren Monarchen ist jetzt ausschließlich der Oberste Gerichtshof zuständig. Dort ist diese Woche nun die Vaterschaftsklage Solàs eingegangen.

Sollte der Oberste Gerichtshof die Klage annehmen (was noch nicht sicher ist) und Juan Carlos zum Vaterschaftstest zwingen und sollte sich bestätigen, dass Solà sein Sohn ist, gäbe das neue Komplikationen. Solà kam 1956 zur Welt, ist also zwölf Jahre älter als Felipe: der einzige eheliche Sohn von Juan Carlos und seit dessen Abdankung König der Spanier. Die spanische Verfassung zieht in der Thronfolge Söhne den Töchtern vor, unterscheidet aber nicht zwischen ehelichen und unehelichen Kindern. Solà könnte also seinen Anspruch auf die spanische Krone geltend machen. Offenbar will er das aber nicht.
„Mein Klient hat keine monarchischen Bestrebungen“, erklärt Solàs Anwalt Francesco Bueno, „er will nur die Anerkennung, dass er Sohn von Juan Carlos ist.“

Wenn die Geschichte stimmt, die Solà erzählt, wurde er nach seiner Geburt in einem Krankenhaus von Barcelona seiner leiblichen Mutter, der Tochter einer einflussreichen Bankiersfamilie, weggenommen und später zur Adoption freigegeben. Als sich Solà in den 1990er Jahren auf die Suche nach seinen biologischen Eltern machte, stieß er in einem Dokument auf die handschriftliche Notiz „grüner Schnuller“ – das sei ein Codewort für königliche Herkunft. Der damals 17-jährige Prinz Juan Carlos habe während eines Ausflugs nach Barcelona Solàs spätere Mutter kennen gelernt und eine Affäre mit ihr gehabt. „Anscheinend war sie seine erste Liebe“, glaubt Solà. Ein Familienrichter aus Barcelona haben ihm vor einigen Jahren „inoffiziell“ versichert, dass Juan Carlos sein Vater sei.

Solàs Verdacht verfestigte sich vor zwei Jahren, als eine Belgierin mit ihm Kontakt aufnahm, nachdem ihre Mutter ihr eröffnet hatte, auch sie sei eine uneheliche Tochter von Juan Carlos. Ein Gentest soll nach Angaben der beiden „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ bestätigt haben, dass sie einen gemeinsamen Elternteil hätten. In einem Interview zeigte sich Ingrid Sartiau, die mutmaßliche Tochter von Juan Carlos, wenig erfreut über dieses Ergebnis: „Ich hätte lieber einen Schlachter zum Vater.“

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