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Spanien Infantin Cristina vor Gericht

Spaniens Monarchie ist schwer angeschlagen: Infantin Cristina sagt vor Gericht über die Geschäfte ihres Mannes aus.

Infantin Cristina von Spanien. Foto: dpa

Der Spießrutenlauf blieb der Infantin erspart. Anders als ihr Ehemann Iñaki Urdangarin, der vor einem Jahr die letzte Wegstrecke zum Gericht von Palma de Mallorca zu Fuß zurücklegen musste, durfte sich Cristina de Borbón y Grecia von einem Wagen zum Eingang des Justizpalastes vorfahren lassen. Den Fotografen und Kameraleuten blieben nur wenige Sekunden, um die historischen Bilder einzufangen: die Bilder einer spanischen Prinzessin auf dem Weg zu ihrem Richter.

Noch nie in ihren 48 Lebensjahren hatte die Tochter von König Juan Carlos unter solch aufmerksamer Beobachtung gestanden. Sie lächelte perfekt: weder überlegen noch selbstmitleidig, eher entschuldigend, dem Ernst der Lage angemessen. Nach 14 Schritten war sie im Gerichtsgebäude verschwunden. Vor ihr lag eine sechseinhalbstündige Vernehmung. Seit Wochen hatten die Spanier auf diesen Moment gewartet. Ein Mitglied der Königsfamilie vor Gericht, das hatte es in der spanischen Geschichte noch nicht gegeben. An diesem Samstag sollte sich zeigen, ob die Worte von König Juan Carlos während seiner Weihnachtsansprache vor gut zwei Jahren zutrafen: „Die Justiz ist für alle gleich.“ Ein hehrer Grundsatz und eine Selbstverständlichkeit.

Doch als der Untersuchungsrichter José Castro die Infantin vor einem Jahr schon einmal vor sein Gericht in Palma de Mallorca laden wollte, fuhren ihm seine Richterkollegen in die Parade, und der Termin musste abgesagt werden. Castro sammelte weiteres Belastungsmaterial gegen die Königstochter und lud sie für diesen Samstag erneut vor. Diesmal legte niemand Einspruch ein.

Richter Castro hatte viele Fragen an die Prinzessin, rund 500 sollen es gewesen sein, auf die Cristina antwortete, so gut sie konnte oder wollte. Meistens sagte sie: „Ich weiß nicht“, oder: „Ich erinnere mich nicht“, berichtete hinterher der Anwalt Manuel Delgado, der an der Vernehmung als Vertreter einer der klagenden Bürgerinitiativen teilgenommen hatte. 95 Prozent ihrer Antworten seien „ausweichend“ gewesen. Eine Einschätzung, die Cristinas Anwalt Jesús María Silva nicht teilen mochte. „Ihre Hoheit war sicher, kategorisch und gefasst. Sie hat bejahend und verneinend geantwortet und manchmal, dass sie sich nicht erinnere.“

Mit einem Lächeln im Gesicht

Die Dinge, an die sich die Infantin erinnern sollte, liegen schon einige Jahre zurück. Im Jahr 2003 gründete Cristinas Ehemann Urdangarin gemeinsam mit einem Geschäftspartner das Instituto Nóos, einen vorgeblich gemeinnützigen Verein, der Kongresse und Veranstaltungen für die Regionalregierungen der Balearen und Valencias organisierte – zu offenbar weit überhöhten Preisen. Cristina übernahm den Posten einer Beisitzerin des Vereins. Ein Notar erklärte später ihre Funktion im Vorstand des Instituo Nóos: Sie sei „ein Schutzschild gegenüber dem Finanzamt“ gewesen. Niemand würde es wagen, einer Prinzessin die Steuerfahndung auf den Hals zu hetzen. Doch diese Hoffnung ging nicht auf.

Seit gut drei Jahren versucht Richter Castro, Urdangarins Firmengeflechte zu entwirren. Er ist dabei auf eine weitere Gesellschaft mit dem Namen Aizoon gestoßen, deren Besitz sich Urdangarin mit Cristina teilte. Mit der Aizoon-Kreditkarte bezahlte Cristina Urlaubsreisen oder Harry-Potter-Bände für ihre vier Kinder – nur woher das Geld auf den Aizoon-Konten stammte, will sie sich nie gefragt haben. „Ich habe Vertrauen in meinen Ehemann“, soll sie während der nichtöffentlichen Vernehmung am Samstag gesagt haben.

Vielleicht sagt Cristina die Wahrheit, und sie hat sich ahnungslos in die Geschäfte ihres Mannes verstricken lassen. Richter Castro wird entscheiden müssen, ob er der Infantin glaubt oder nicht – und möglicherweise Anklage gegen sie erhebt. Doch auch, wenn der Königstochter ein Gerichtsverfahren erspart bleiben sollte, ist ihr Ruf ernsthaft beschädigt. Cristina ist die erste Frau in der spanischen Königsfamilie mit einem abgeschlossenen Universitätsstudium als Politikwissenschaftlerin, und blindes Vertrauen zum Ehemann in finanziellen Dingen passt schlecht zum Bild einer modernen Akademikerin. Zumal wenn der Ehemann überraschend ein Millionenvermögen gemacht hat.

Am Samstagabend verließ Cristina das Gericht, wie sie es betreten hatte: mit einem Lächeln. Draußen warteten nicht nur Fotografen auf sie, sondern auch Demonstranten mit republikanischen Fahnen. Spaniens Monarchie ist schwer angeschlagen, und Cristina hat ihren Beitrag dazu geleistet.

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