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Sommer-Hitze Der heißeste Tag

Fast 40 Grad werden heute in einigen Regionen Deutschlands erwartet - Frauen und Männer scheinen nicht gleichermaßen darunter zu leiden. Überall im Land sterben junge Bäume, einige Atomkraftwerke drosseln ihre Leistungen.

31.07.2018 06:01
Hitze in Berlin
Jede Gelegenheit zur Abkühlung dürfte heute besonders willkommen sein. Foto: dpa

Mit fast 40 Grad könnte es am Dienstag in Deutschland so heiß werden wie noch nie in diesem Jahr. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet über 35 Grad von Mecklenburg-Vorpommern bis in den Südwesten. „Regional wird das sicherlich der heißeste Tag des Jahres“, sagte eine DWD-Meteorologin am Morgen. „In der Mitte und im Osten Deutschlands können es sogar bis zu 39 Grad werden.“ Damit wäre dieser 31. Juli der heißeste Tag 2018. Bisher lag der Rekord laut DWD bei 38,0 Grad, aufgestellt am 26. Juli in Duisburg-Baerl.

Das aktuelle Supersommer-Tief trägt passenderweise den Namen „Juli“. Es bringt zum Monatsende von Süd- und Südwesteuropa heiße subtropische Luft nach Mitteleuropa. Mindestens bis zum Ende der Woche bleibt es warm, aber die lähmende Hitzewelle ist am Mittwoch vielerorts vorbei. Die Temperaturen sinken dann „in den Bereich eines Normal-Sommers“, wie Meteorologe Martin Jonas sagte. Schon am Dienstag kann es im Westen und Nordwesten teils kräftige, räumlich begrenzte Gewitter mit Unwetterpotenzial geben.

Die höchste jemals in Deutschland gemessene Temperatur seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen 1881 liegt laut DWD bei 40,3 Grad. Dieser Wert wurde am 5. Juli und am 7. August 2015 im fränkischen Kitzingen gemessen. Die Stadt am Main mit etwa 21.000 Einwohnern hält den Rekord als heißeste Stadt Deutschlands. Am Montag wurde dort der deutschlandweit zweithöchste Wert des Tages gemessen: 37 Grad. Der heißeste Ort war zu Beginn der Woche Bernburg in Sachsen-Anhalt mit 37,4 Grad.

Die Hitzewelle macht laut einer Umfrage der Krankenkasse DAK Gesundheit Frauen eher zu schaffen als Männern. 54 Prozent der Frauen sagten, ihnen gehe es derzeit schlechter als an normalen Sommertagen. Bei den Männern sprachen 36 Prozent von einem schlechteren Befinden. Insgesamt gaben 45 Prozent der Befragten an, dass es ihnen in diesen Hitzetagen schlechter geht als sonst im Sommer. Keinen Unterschied machen 47 Prozent aus. Sieben Prozent fühlen sich sogar besser.

Atomkraftwerke fahren Leistungen herunter

Wegen der anhaltenden Hitze haben einzelne Atomkraftwerke in Deutschland ihre Leistung heruntergefahren. Beim Kernkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg wurde die Leistung um bis zu 10 Prozent verringert, wie der Versorger EnBW mitteilte. Dadurch solle der Anstieg der Wassertemperatur im Rhein durch das eingeleitete Kühlwasser begrenzt werden.

In Norddeutschland produzieren die Kernkraftwerke Grohnde und Brokdorf nach Angaben des Betreibers PreussenElektra wegen der leicht erhöhten Gewässertemperaturen etwas weniger als üblich. Derzeit führt dies in Grohnde zu einer um 80 bis 120 Megawatt geringeren Stromproduktion, in Brokdorf sei die Einschränkung geringer.

Insgesamt haben die hohen Temperaturen und die sinkenden Wasserstände der Flüsse die Stromversorgung in Deutschland bislang aber nur wenig beeinträchtigt. „Es ist alles im grünen Bereich“, sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

 

Nach Angaben der Forstwirte werden wohl viele neu gepflanzte Bäume wegen der Hitze sterben. „Es droht ein Totalausfall der neuen Generation“, sagte der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats (DFWR), Georg Schirmbeck, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag).

„Die Hitzewelle macht die Pflanzarbeit von mehreren Jahren zunichte“, warnte er. „Anders als bei ausgewachsenen Bäumen reichen bei jungen bereits ein paar Monate Trockenheit, um sie absterben zu lassen.“

Nach Angaben des Verbandes werden in Deutschland jährlich 500 Millionen junge Bäume gepflanzt. Schon jetzt könnten kleine Waldbesitzer ihren Wald nur selten kostendeckend pflegen. Der DFWR-Präsident forderte daher, diese Forstwirte künftig mit öffentlichem Geld direkt zu fördern.

Trinkwasser-Talsperren gut gefüllt

Engpässe bei der Wasserversorgung sind trotz der Hitzerekorde in diesem Sommer nicht zu befürchten. „Wegen der regenreichen Winter- und Frühjahrsmonate liegen die Grundwasserstände zumeist auf einem guten Niveau, auch die Trinkwasser-Talsperren sind gut gefüllt“, sagte Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der „Rheinischen Post“ (Dienstag). Deshalb gebe es keinen Wassermangel, und „niemand muss auf eine kühlende Dusche oder ein kühlendes Bad verzichten“. (dpa)

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