Lade Inhalte...

Silvester in Köln Grüne: „Nafris“ nicht akzeptabel

In der Silvesternacht setzt die Polizei in Köln mehrere hundert Männer fest, die meisten von ihnen nordafrikanischer Herkunft. Ein Tweet, in dem die Polizei von „Nafris“ spricht, sorgt für Kritik.

01.01.2017 08:42
Polizisten überprüfen Männer, vornehmlich nordafrikanischer Herkunft, vor dem Kölner Hauptbahnhof. Foto: dpa

Grünen-Chefin Simone Peter hat das Vorgehen der Polizei in Köln in der Silvesternacht gegen Hunderte Nordafrikaner kritisiert. Das Großaufgebot der Polizei in der Stadt habe Gewalt und Übergriffe zwar deutlich begrenzt, sagte Peter der „Rheinischen Post“ (Montagausgabe). „Allerdings stellt sich die Frage nach der Verhältnis- und Rechtmäßigkeit, wenn insgesamt knapp 1000 Personen alleine aufgrund ihres Aussehens überprüft und teilweise festgesetzt wurden.“

Die Polizei war auch für die Bezeichnung „Nafris“ für Nordafrikaner kritisiert worden. Diesen Begriff benutzte sie während des Einsatzes am Silvesterabend auf Twitter. So sagte der frühere Piratenpolitiker Christopher Lauer: „Ich halte diesen Begriff für in hohem Maße entmenschlichend.“

Die Kölner Polizei hatte am Samstagabend getwittert: „Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft.“ Polizeipräsident Jürgen Mathies sagte dazu am Sonntag bei einer Pressekonferenz, nach seiner Einschätzung hätte der Begriff „Nafri“ besser nicht nach außen verwendet werden sollen. „Den Begriff finde ich sehr unglücklich verwendet hier in der Situation“, sagte Mathies am Montag im WDR. „Das bedauere ich außerordentlich.“ Die Bezeichnung werde als „Arbeitsbegriff“ innerhalb der Polizei verwendet. Eine Häufung an Straftaten von Personen aus dem nordafrikanischen Raum lasse sich aber nicht bestreiten, und dafür müsse dann polizeiintern auch ein Begriff gefunden werden. Mathies betonte, dass die allermeisten in Deutschland lebenden Nordafrikaner natürlich keine Straftäter seien.

Christopher Lauer, der Piraten-Vorsitzender in Berlin war und zur SPD übertrat, sieht die Verwendung als äußerst problematisch: „Wenn die nun in der Silvesternacht hunderte Menschen so bezeichnen, ist das eine pauschale Verurteilung einer ganzen Bevölkerungsgruppe nur nach dem Aussehen.“

Die Polizei war zunächst mit 1500 Beamten im Einsatz, forderte angesichts des großen Zulaufs aggressiver junger Männer jedoch noch einmal Verstärkung an, so dass sich die Zahl der Polizisten schließlich auf 1700 belief. Bis zum frühen Neujahrsmorgen registrierte die Kölner Polizei vier Sexualdelikte. Ein Verdächtiger wurde in der Innenstadt festgenommen, weil er sich einer Frau unsittlich genähert hatte. Landesweit wurden zunächst 25 Sexualstraftaten gemeldet.

Am Kölner Hauptbahnhof setzten Polizisten mehrere Hundert verdächtige Männer fest, vornehmlich nordafrikanischer Herkunft. Weitere 300 Personen wurden auf der anderen Rheinseite am Bahnhof Köln-Deutz aus einem Zug geholt und überprüft. Kurzfristig wurden zwei zusätzliche Hundertschaften Verstärkung angefordert.

Eine Polizeisprecherin teilte auf Anfrage mit, es seien rund 650 Migranten kontrolliert worden. Im Zuge der Kontrollen seien 92 Personen in Gewahrsam genommen worden. Davon seien 16 Deutsche gewesen. Die Menschen wurden unter anderem festgenommen, weil sie Platzverweise nicht befolgten, sich illegal in Deutschland aufhielten oder ein Haftbefehl gegen sie vorlag. Zudem erteilte die Polizei 190 Platzverweise. Die überprüften Personen kamen nach Angaben der Polizei vor allem aus nordafrikanischen Ländern.

Der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies verteidigte das Vorgehen gegen bestimmte Gruppen. „Es ging darum, konsequent zu verhindern, dass es nochmal zu vergleichbaren Ereignissen kommt wie im vergangenen Jahr“, sagte Mathies am Sonntag in Köln.

Auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) zog eine positive Bilanz. Sie verwies auf die eingerichteten Lichtinstallationen, die zahlreiche Besucher anlockte. „Die Kölner haben sich den Raum zurückgeholt“, sagte Reker. „Ich bin erleichtert, dass es so gelaufen ist“, sagte sie.

Auch in Dortmund, Düsseldorf, Essen und Münster sichtete und beobachtete die Polizei Gruppen nordafrikanischer Männer. Dabei sei in mehreren Hundert Fällen die Identität der Männer festgestellt worden, teilte die Landespolizei in Duisburg mit.

In der Silvesternacht vor einem Jahr hatte es in Köln und anderen Städten massenhaft sexuelle Übergriffe auf Frauen gegeben. Die Verdächtigen und Verurteilten waren überwiegend Nordafrikaner. Nach den Geschehnissen vor einem Jahr hatten Stadt und Polizei bei der Sicherheit stark aufgerüstet. Die Domplatte war mit Absperrgittern gesichert, es gab Einlasskontrollen, Feuerwerk war verboten. Zudem gab es mehrere Straßensperren. (dpa/afp/epd)

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum