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Sexismus Der Fall des Harvey Weinstein

Mehrere Frauen erheben Missbrauchsvorwürfe gegen den Filmproduzenten. In den USA löst der Fall erneut eine Debatte über Sexismus aus.

Harvey Weinstein
Nach den Enthüllungen wurde Harvey Weinstein aus seiner eigenen Firma entlassen. Foto: rtr

Das Sundance Film Festival in Utah war für Harvey Weinstein stets einer der wichtigsten Termine im Jahr. Es ist das Jahrestreffen für Filmemacher, die sich als „Indie“ begreifen, Regisseure mit Produktionen, die nicht nach dem großen Massenmarkt schielen.

Für Harvey Weinstein, dessen Karriere als Filmproduzent auf der Entdeckung von Indie-Talenten beruhte, war Sundance ein ertragreiches Jagdrevier. So auch 2015, als er hier den Dokumentarfilm „The Hunting Ground“ über die Vergewaltigungsepidemie an amerikanischen Universitäten sah. Weinstein schlug sofort zu und nahm den Film unter seine wohlfinanzierten Marketing-Fittiche. Sein Instinkt, der ihn zu einem der erfolgreichsten Produzenten der vergangenen 20 Jahre gemacht hat, trog ihn auch diesmal nicht – „The Hunting Ground“ wurde für einen Oscar nominiert.

Im Licht der Enthüllungen der vergangenen Woche, erscheint die Episode heute bizarr. Die „New York Times“ dokumentierte in einer tiefschürfenden Investigation, dass Weinstein seit mehr als 30 Jahren seine Machtposition dazu benutzt, Frauen zu sexuellen Gefälligkeiten zu nötigen. Sein scheinbares Wohlwollen gegenüber progressiven sozialen Themen, das sich zuletzt beim Vertrieb des Hunting Ground zeigte, war ein zynischer Akt der Verlogenheit.

Entlassen aus der eigenen Firma

Nach Außen hin gab sich Weinstein stets als Förderer der sozialen Gerechtigkeit. Er produzierte Filme wie die Kapitalismus-Kritik von Michael Moore oder ein Epos über Nelson Mandela. Hinter der Fassade verbarg sich jedoch, wie Weinsteins Anwältin Lisa Bloom verlautbaren ließ, bevor sie zurück trat, „ein Dinosaurier.“ Weinstein selbst entschuldigte sich lediglich in einem Statement, in dem er nichts Konkretes zugab, damit, dass er in den 70er Jahren sozialisiert worden sei und nun „ganz neu lernen“ müsse.

Das Therapie-Versprechen dürfte allerdings kaum dazu ausreichen, Weinsteins Probleme zu lösen. Die Enthüllungen der „New York Times“ sowie des Magazins „New Yorker“ offenbaren einen Skandal von Bill Cosby-haften Ausmaßen. Dass Weinsteins Reputation erholen kann, erscheint unwahrscheinlich.

So berichteten mehrere Frauen, darunter die Schauspielerin Ashley Judd, dass Weinstein sie zu angeblichen Geschäftstreffen in sein Hotelzimmer gebeten habe. Dort empfing er sie im Bademantel oder ganz nackt und drängte sie dazu, ihm Massagen zu geben oder ihm beim Duschen zuzusehen.

Neue Sexismusdebatte

Mitarbeiterinnen seiner Firma waren dazu angehalten, ihn täglich ins Bett zu bringen. Zudringlichkeiten am Arbeitsplatz gehörten zum Betriebsalltag. Im Jahr 2015 zeigte ihn ein italienisches Model wegen versuchter Vergewaltigung bei der New Yorker Polizei an. Weinstein brachte sie, ebenso wie zahlreiche andere Frauen, mit einer satten Abfindung zum Schweigen.

Auch die Schauspielerin Gwyneth Paltrow berichtete, Weinstein habe versucht zudringlich zu werden, als sie 22 Jahre alt war. Mehrere Frauen gaben gegenüber dem New Yorker an, Weinstein habe sie zu sexuelle Gefälligkeiten gezwungen.

Am Dienstag entließ der Vorstand Harvey Weinstein aus seiner eigenen Firma. Prominente Frauen von Meryl Streep bis Hillary Clinton verurteilten auf das Schärfste sein Verhalten. Der Fall löste in den USA nach den Fällen von Bill Cosby, den Medien-Managern Bill O’Reilly und Roger Ailes sowie den sexistischen Sprüchen von US-Präsident Donald Trump eine erneute Debatte über Sexismus aus.

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