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Seuche-Beauftragter „In Afrika geht viel über das Persönliche“

Der Afrika-Experte Walter Lindner soll im Auftrag der Bundesregierung das Virus bekämpfen. Er war Botschafter in Kenia von 2006 bis 2009 und Afrika-Beauftragter der Bundesregierung von 2010 bis 2012.

Walter Lindner ist Sonderbeauftragter der Bundesregierung für den Kampf gegen Ebola. Foto: dpa

Man könnte Zweifel anmelden an einem Seuchen-Beauftragten, der Musik in München und Boston studiert hat, sich dann für die Rechtswissenschaften entschied und schließlich in den Diplomatischen Dienst ging. Was befähigt Walter Lindner zum Ebola-Beauftragten der Bundesregierung? Einiges.

Lindner ist nach allem, was über ihn zu lesen und zu hören ist, einer der profundesten Kenner Afrikas, den das Auswärtige Amt aufzubieten hat. Er war Botschafter in Kenia von 2006 bis 2009 und Afrika-Beauftragter der Bundesregierung von 2010 bis 2012. Das sagt noch nicht viel. Aber er war, wenn man den Berichten Glauben schenkt, nicht irgendein Botschafter in irgendeinem afrikanischen Land.

Lindner hat Spuren hinterlassen in Kenia, als Berater der kenianischen Koalitionsregierung, die sich nach den Wahlen 2007 bildete, vor allem aber als Musiker, der er auch ist. Aus keiner der Geschichten, die über ihn erzählt werden, ist genau herauszulesen, ob er nun als musizierender Botschafter oder ein botschafternder Musiker durch Kenia zog. Den Kenianern jedenfalls leuchtete die Idee, Diplomatie mit Musik zu verbinden, unmittelbar ein. Seine Botschafterresidenz nutzte Lindner als Veranstaltungsort für Konzerte, er gründete zusammen mit befreundeten kenianischen Musikern eine Gruppe namens „Mystique Fusion“, begründete ein Musikfestival und bot afrikanischen Musikerkollegen eine Bühne.

Vor allem aber reiste er stets mit einem portablen Tonstudio. Der kenianischen Zeitung „Daily Nation“ erklärte er, er wolle die verschiedenen Stilrichtungen der kenianischen Musik kennenlernen. Seine Aufnahmen haben ihn in Kenia berühmt gemacht.

Warum ihm all das bei seiner neuen Aufgabe als Ebola-Beauftragter helfen kann, ist schnell erklärt. Man sollte die Länder kennen, in denen man Hilfe leisten und koordinieren will, und man muss die Menschen kennen, bei denen sie ankommen soll. „In Afrika geht viel über das Persönliche“, sagt Lindner.

Wie Krisenstäbe zu leiten sind, weiß Lindner ebenfalls. Ein Jahr lang, von 2009 bis 2010, leitete er das Krisenreaktionszentrum im Auswärtigen Amt. Seine Aufgabe jedenfalls scheint er nicht zu unterschätzen: Die weltweite Hilfe sei zu spät angelaufen, sagt Lindner. Er wolle sich um eine bessere Koordination bemühen.

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