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Schwerer Unfall auf A 19 Inferno im Rostocker Sandsturm

Bei einer Massenkarambolage auf der A 19 kommen acht Menschen ums Leben, 60 werden verletzt. Ein Sandsturm hat die Sicht erheblich behindert. Die Rostocker Staatsanwaltschaft ermittelt nach dem Massenunfall zu möglichen Unfallverursachern.

08.04.2011 22:40
Tankwagen versuchten, den Staub mit Wasser zu binden. Foto: dapd

Nach der verheerenden Massenkarambolage mit acht Toten und mehr als 130 Verletzten ist die Autobahn 19 bei Rostock am Sonntag wieder komplett freigegeben worden. Einer der Verletzten befand sich gestern Nachmittag noch immer in kritischem Zustand und werde zusammen mit zwei weiteren Intensivpatienten in einer Klinik in Güstrow behandelt, teilten die zuständigen Stellen mit.

Der am Freitag vermutlich durch einen Sandsturm ausgelöste Unfall mit 82 beteiligten Fahrzeugen war der bislang schwerste Unfall in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns. Laut Polizei breitete sich das Feuer aus, nachdem ein eingekeiltes Auto in Flammen aufgegangen war. Das Feuer wurde durch den starken Wind angefacht und sprang schnell auf weitere Autos sowie einen mit Kohlenwasserstoff beladenen Gefahrguttransporter über. Den Schaden schätzte ein Polizeisprecher auf mehrere Millionen Euro.

Alle acht Opfer identifiziert

Die Rostocker Staatsanwaltschaft ermittelt nach dem Massenunfall zu möglichen Unfallverursachern. Nach einer Karambolage mit derartigen Folgen ergebe sich der Verdacht der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung, sagte Staatsanwältin Maureen Wiechmann. Es seien mehrere Wagen zur Begutachtung beschlagnahmt worden, in den kommenden Wochen würden Zeugen vernommen.

Gegen den Landwirt, der das angrenzende Feld vor dem Sturm gepflügt hatte, wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht ermittelt. Der Sandsturm sei ein Naturereignis, auf das sich Autofahrer mit angemessener Geschwindigkeit und größerem Sicherheitsabstand einstellen könnten, sagte Wiechmann.

Die Identifizierung der Unfalltoten wurde am Sonntag ebenfalls abgeschlossen. Vier der Toten stammen den Polizeiangaben aus Mecklenburg-Vorpommern: ein Ehepaar von 68 und 75 Jahren aus dem Landkreis Bad Doberan sowie zwei 45 und 69 Jahre alten Männer aus dem Landkreis Güstrow. Aus dem brandenburgischen Landkreis Ostprignitz/Ruppiner Land kommen ein 60 Jahre alter Mann und eine 45 Jahre alte Frau. Aus Sachsen-Anhalt stammt eine 69 Jahre alte Frau, sie wohnte im Landkreis Bitterfeld/Wolfen. Auch ein 34-jähriger Berliner kam bei dem Unfall ums Leben. Zum Gedenken an die Toten findet am Mittwoch in der Rostocker St. Marienkirche ein Gottesdienst statt.

Neue Debatte über Tempolimit

Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) sprach sich mit Verweis auf den Unfall für eine Debatte über Tempolimits aus. Zwar könne man nicht jeden Unfall durch Verkehrsregeln verhindern, doch man müsse über den Beitrag von Tempolimits zur Sicherheit reden, sagte er. Am Unfallort galt kein Tempolimit.

An der Unfallstelle wurde am Sonntag das letzte -Wrack geborgen. Anschließend waren umfangreiche Reparaturarbeiten auf dem vom Feuer stark beschädigten Fahrbahnbelag nötig. Der Belag auf der Fahrbahn in Richtung Rostock sei auf etwa 100 Metern „thermisch zersetzt“ gewesen, der Beton durch die starke Hitzeentwicklung regelrecht zerbröselt, erläuterte ein Polizeisprecher. Die Fahrbahn in Richtung Berlin, wo es nicht gebrannt hatte, war seit Samstag wieder befahrbar.

An den Rettungs- und Bergungsmaßnahmen waren mehrere Hundert Einsatzkräfte beteiligt, darunter 150 Polizisten und Feuerwehrleute, die Tag und Nacht die teilweise ausgebrannten Autowracks bargen. (dapd/dpa)

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