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Schwarzwälder Schinken Nicht ohne meinen Schinken

Wie der sportlich-moderne Schwarzwälder Schinken sein Image noch weiter verfeinern und die Zielgruppe erweitern möchte.

Der Verband hofft, dass auch in Barcelona die ein oder andere an dem Traditionsprodukt festhält.

Schwarzwälder Schinken darf sich nur nennen, was im Schwarzwald trockengesalzen, über Schwarzwälder Nadelholz geräuchert und in der Schwarzwälder Höhenluft reifen gelassen wurde. Die unbedingt nötigen Schweine dürfen freilich auch sonschtwoher kommen, und drüber schwätze darf man sogar in Frankfurt – aber auf Alemannisch. So geschehen jüngst beim Pressegespräch des Schutzverbands der Schwarzwälder Schinkenhersteller (SchSchSch).

Anlass ist die neue Imagekampagne „Genuss auf meine Art“, die den Beliebtheits-Europameischter unter den geräucherten Rohschinken noch weiter nach vorn bringen soll. Und der SchSchSch ist offenbar wild entschlossen, dafür ganz neue Wege zu gehen.

Eine Blondine mit Perlenkette, Lippenstiftkussmund, stylisher Sonnenbrille – und in der Hand: einen Schwarzwälder Schinken. Das klassische Schwarzwald-Trachtenmädel, das einen Kaugummi aufbläst oder vermummt mit der Sprühdose droht oder hey: einfach einen Schwarzwälder Schinken in der Hand hält. Hauptbotschafter der Kampagne ist aber Benedikt Doll, Weltklassebiathlet aus Hinterzarten, der von sich sagt: „Mit Schwarzwälder Schinken bin ich groß geworden, ich esse ihn täglich.“ Unter uns: „Benedikt Doll hat auch auf Reisen Schwarzwälder Schinken dabei“, verrät Elisabeth Adler-Gößmann, Marketing-Vorstand im SchSchSch.

Wenn wir gerade bei Benedikt Doll sind: Er hält auf den Werbefotos sein Biathlon-Gewehr in einer Hand – und in der anderen originellerweise einen Schwarzwälder Schinken. Demnächst dreht er einen Film für die sozialen Netzwerke. Man darf gespannt sein, denn: „Gemeinsam mit anderen Akteuren setzt Doll sich ,auf seine eigene Art‘ mit dem Schwarzwälder Schinken auseinander“, kündigt der Verband seinen Fans schon an: „Schnell, unkompliziert, genussvoll, ästhetisch, modern.“ Genau wie der Schinken, möchte man anfügen. „Dominante, die Provokation nicht scheuende Bilder“ versprechen die Schwarzwälder: „Schwarzwälder Schinken soll damit für eine junge, weltoffene Zielgruppe noch attraktiver werden.“

Stichwort weltoffen: „Wie schaffen wir es, dass ein junger Frankfurter, Franzose oder Engländer es gut findet, abends mit seinen Freunden Schwarzwälder Schinken zu essen?“, hat sich Hans Schnekenburger gefragt, der Vorstandsvorsitzende des SchSchSch. „Reicht das Image? Reicht die Idylle?“, haben sie im Vorstand gemeinsam überlegt. Reicht das Wissen darum, dass Schwarzwälder Schinken ein Kulturgut ist, das man mit Heimat, Tannenrauch und Spätzle verbindet? „Jeder kennt Schwarzwälder Schinken und isst ihn auch gerne“, sagt Schnekenburger. Aber reicht das? Reicht das wirklich? Nein.

„Wir sagen: Die Idylle reicht nicht aus“, verkündet der Schinken-Chef, „wir brauchen Mut, Fantasie, Überzeugungskraft und auch Ideen. Wir setzen auf starke Bilder.“ Bilder mit Schinken. Mit schönen Menschen und Schinken. „Wir wollen die Verbraucher schon in jungen Jahren an Schwarzwälder Schinken gewöhnen.“ Das Produkt ist ja gut, sagen sie sich. „Nennen Sie es Zeitgeischt oder nennen Sie es Weisheit“, sagt Schnekenburger, „aber wir wollen an der Qualität des Schwarzwälder Schinkens nichts ändern.“ Nur am Image eben.

Man könne doch „auch in Barcelona an einem Traditionsprodukt wie dem Schwarzwälder Schinken feschthalten“, findet der SchSchSch. Er will erreichen, dass derjenige, der beruflich oder aus anderen Gründen nicht mehr in der Heimat wohnt, sich trotzdem mit einem Produkt aus der Heimat umgeben kann: dem Schwarzwälder Schinken.

Um das auch zu dokumentieren, hat der Verband sogar ein Schwarzwälder-Schinken-Museum (am Feldberg) gegründet und einen Schwarzwälder-Schinken-Lauf gestartet (drei Kilometer, Titiseeblick), an dem der Vorstand 2015 högschtpersönlich teilnahm. „Wir haben Benedikt Doll zwar nicht abhängen können …“ Hauptsache, der Schinken ist abgehangen. Lauf-Termin in diesem Jahr: 11. September.

„Dem Endverbraucher Schwarzwälder Schinken emotional nahebringen“: Das ist es, was Elisabeth Adler-Gößmann antreibt, nicht mehr, nicht weniger. „Wir verbinden mit dem Schwarzwälder Schinken auch Bewegungsfreude, Natur und frische Luft.“ Und Erfolg. Um zwei Prozent hat der Absatz im vergangenen Jahr wieder zugelegt, nicht nur im Supermarkt: „Mir sin auch in höherwertige Range vertrete“, auf gut Alemannisch-Englisch gesagt.

„Wir stehen für ein ehrliches Produkt“, sagt Hans Schnekenburger. „Das ist aus Schweinefleisch. Wie gewachsen.“ Gibt es irgendwann mal einen fleischlosen Schwarzwälder Schinken? „Wir sagen nein – mit uns nicht.“ Auf dem Foto an der Wand hinter ihm macht sich die Blondine lüstern über eine Scheibe Schinken her.

Apropos Scheibe, was empfiehlt denn nun der Schutzverband – wie dick, oder besser: wie dünn soll sie geschnitten sein, die Scheibe Schwarzwälder Schinken? „Geschmackssache“, sagt Schnekenburger. „Ein Millimeter, darunter kann man die Zeitung durchlesen.“

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