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Schuldenkrise Selbstmordrate in Griechenland steigt

Traditionell hat Griechenland die niedrigste Rate von Selbsttötungen aller europäischen Staaten. Aber jetzt zieht es immer mehr Griechen in den Tod – wegen der Schuldenkrise, wie Fachleute glauben.

Protest in Athen gegen die Sparpläne der Regierung. Foto: dpa

Traditionell hat Griechenland die niedrigste Rate von Selbsttötungen aller europäischen Staaten. Die statistische Häufigkeit liegt hier bei 3,5 Freitodfällen pro 100.000 Einwohner (Wikipedia) – zum Vergleich: In Deutschland sind es 12, in Litauen sogar 38. Aber jetzt zieht es immer mehr Griechen in den Tod – wegen der Schuldenkrise, wie Fachleute glauben. Registrierten die Behörden im vergangenen Jahr durchschnittlich eine Selbsttötung pro Tag, so sind es in diesem Jahr bereits mehr als zwei Fälle täglich. „Die Zahl der Suizide in Griechenland hat sich zumindest verdoppelt, wenn nicht verdreifacht“, sagte der Psychologe Aris Violatsis der Athener Zeitung „Kathimerini“. Neben den gemeldeten Fällen gebe es noch eine erhebliche Dunkelziffer, betont der Psychologe.

Violatsis arbeitet in der Nichtregierungsorganisation „Klimaka“, die suizidgefährdeten Menschen unter anderem mit einer Hotline zu helfen zu versucht. Verzeichneten die Mitarbeiter von „Klimaka“ 2009 durchschnittlich zehn Anrufe am Tag, so sind es jetzt etwa 25. Viele der Anrufer sind vor allem wegen finanzieller Probleme verzweifelt. Die Wirtschaftskrise hat einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit verursacht. Viele Griechen müssen deutlich Einbußen bei ihren Einkommen hinnehmen und haben wachsende Schwierigkeiten, ihre für den Wohnungskauf oder größere Anschaffungen aufgenommenen Kredite zu bedienen.

Die Krise sei sicher nicht die einzige Ursache für den Anstieg der Selbstmorde, sagt Aris Violatsis, aber doch ein wichtiger Faktor. Als besonders gefährdet gilt die Altersgruppe zwischen 35 und 55. Viele jener, die sich das Leben nehmen, seien Männer, die wegen der Krise nicht mehr genug Geld verdienen, um ihre Familien ernähren zu können. „Sie gehen durch eine Identitätskrise, haben das Gefühl, überflüssig zu sein“, erklärt der Psychologe.

Für Empörung sorgt unterdessen in Griechenland die Weigerung eines orthodoxen Bischofs, einer Frau, die sich das Leben genommen hatte, ein kirchliches Begräbnis zu gewähren. Die 45-jährige Griechin, die nach Aussage ihrer Hinterbliebenen an schweren Depressionen litt, hatte sich in einem See nahe der nordgriechischen Stadt Kosani ertränkt. Der Bischof von Kosani untersagte den geplanten Trauergottesdienst. Auch die Kirchenglocken durften nicht geläutet werden. Schließlich fand sich doch noch ein Gemeindepriester, der wenigstens ein Totengebet am Grab der Frau sprach.

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