Lade Inhalte...

Schneesturm in den USA Wo „Snowzilla“ wütete

Ein schwerer Wintersturm fegt über den Osten der USA, an manchen Orten erreichen die Schneehöhen historische Ausmaße. Mehrere Menschen sterben, elf US-Bundesstaaten müssen den Notstand ausrufen.

Am Broadway in New York wurden Shows abgesagt, Sehenswürdigkeiten der Stadt wurden gesperrt. Foto: afp

Der Kontrast hätte nicht schärfer sein können. Wo noch wenige Stunden zuvor einer der schwersten Schneestürme seit Jahren gewütet hatte, schien am Sonntagmorgen die Sonne – und in den Metropolen der US-Ostküste begann das große Schneeschaufeln. „Snowzilla“, wie der Blizzard in den sozialen Medien martialisch genannt wurde, wird die Menschen von Richmond in Virginia bis hinauf nach Neuengland noch auf Tage hinaus beschäftigt halten. Auch der Flugverkehr in Washington und New York dürfte noch einige Zeit gestört sein. „Das war ein Top-10-Schneesturm“, sagte Paul Kocin vom Nationalen Wetterdienst der USA.

Fast genau 36 Stunden schneite es in der US-Hauptstadt ununterbrochen von Freitagmittag bis in die Nacht zum Sonntag. Das öffentliche Leben kam zum Erliegen, Metropolen wie Washington und New York glichen Geisterstädten im Schneetreiben. In Washington wurden Schneehöhen von mehr als 60 Zentimeter gemessen. Wetterstatistiker sagten, „Snowzilla“ könnte den sogenannten „Knickerbocker“-Sturm von 1922 übertreffen. Damals starben mehr als 100 Menschen, als das Dach des sogenannten Knickerbocker-Theaters in Washington einstürzte.

Im Central Park in New York lag der Schnee am Sonntag etwa 68 Zentimeter hoch, das war der zweitgrößte Wert seit 1869 und nur um einige Zentimeter weniger als bei einem Rekordsturm im Februar 2006. Mehr als einen Meter Schnee verzeichneten die Meteorologen in einem hügeligen Landstrich nahe Harpers Ferry in West Virginia.

Wegen des Sturms hatten elf US-Bundesstaaten von Georgia bis New York den Notstand ausgerufen, insgesamt waren 19 Bundesstaaten betroffen. In der Region entlang der Atlantikküste leben etwa 85 Millionen Menschen. Mindestens 18 Menschen starben während des Blizzards durch Verkehrsunfälle, an Unterkühlung oder durch Herzinfarkte beim Schneeräumen. Die Stadt New York verhängte ein Fahrverbot für private Fahrzeuge, das allerdings am Sonntagmorgen wieder aufgehoben wurde. Der öffentliche Nahverkehr in Washington wurde vorsichtshalber bereits am Freitagnachmittag komplett eingestellt. Busse und U-Bahnen sollten auch am Sonntag nicht fahren. Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser hatte die Bewohner der Hauptstadt eindringlich davor gewarnt, die Häuser zu verlassen: „Dieser Sturm kann tödlich sein. Leute, bleibt bitte zu Hause, beschäftigt euch mit euren Familien und wartet in Ruhe das Ende des Sturms ab.“

Der ungewöhnlich schwere Sturm brachte nicht nur den Verkehr, sondern auch das Kulturleben zum Erliegen. Shows auf dem Broadway in New York wurden ebenso abgesagt wie ein Konzert des Rockstars Bruce Springsteen am Sonntag im Madison Square Garden. Die National Mall in Washington, auf der sich Sehenswürdigkeiten wie das Lincoln Memorial und zahlreiche Museen befinden, wurde bereits am Freitag gesperrt.

Befürchtungen, dass der Sturm zu massenhaften Stromausfällen führen würde, erwiesen sich jedoch als unberechtigt. Nur etwas mehr als 220 000 Menschen hatten zeitweise keinen Strom. Das ist wenig, denn die oberirdisch verlegten Leitungen in den USA sind extrem anfällig. Auf den Flughäfen herrschte jedoch Ausnahmezustand. Mehr als 10 000 Flüge wurden abgesagt, Zehntausende von Reisenden steckten fest. Zwar wollte die Fluggesellschaft United Airlines am Sonntagnachmittag wieder einen begrenzten Betrieb am Flughafen John F. Kennedy in New York aufnehmen. Doch die drei Airports in der Hauptstadtregion Washington sollten auch am Sonntag noch geschlossen bleiben, hieß es am Morgen.

Auch Spitzenpolitikern blieben Umwege nicht erspart. US-Vizepräsident Joe Biden musste auf der Rückkehr von einem Türkei-Besuch einen Stopp in Miami einlegen und in Florida darauf warten, bis die Flughäfen in Washington wieder betriebsbereit waren. Auch der High-Tech-Flieger der US-Luftwaffe, in dem Verteidigungsminister Ashton Carter auf dem Rückweg vom Weltwirtschaftsforum in Davos war, konnte nicht auf einem Stützpunkt in der Nähe der US-Hauptstadt landen, sondern wurde nach Tampa in Florida umgeleitet.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum