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Schneechaos Grüße von der Nordsee

Die Straßen sind dicht, Schulen schließen, Dächer drohen unter der weißen Last einzustürzen – in der Alpenregion spitzt sich die Lage dramatisch zu. Warum Experten einen Zusammenhang zwischen dem Schneechaos und den globalen Klimaveränderungen sehen.

Winter in Österreich
Aufs Dach gestiegen: Feuerwehrleute im Einsatz im österreichischen Annaberg. Foto: Matthias Fischer/www.fotomeister.at/NÖ LFKDO/APA/dpa

Die Lage ist dramatisch. Fünf bayerische Landkreise haben den Katastrophenfall ausgerufen, die Lawinengefahr ist nicht gebannt, viele Straßen sind gesperrt, Zugverbindungen unterbrochen. Es schneite tagelang. Das ist im Winter nun wirklich kein ganz seltenes Ereignis. Ungewöhnlich ist jedoch, dass die sogenannte Stauwetterlage, die das Schneechaos in Bayern, Österreich und der Schweiz verursacht, sehr lange anhält und beständig Niederschläge nachliefert – Winde mit viel Feuchtigkeit kommen von Norden und prallen auf die Gebirge. Zudem ist der Schnee wegen der relativ milden Temperaturen sehr schwer.

Klimaexperten schließen einen Zusammenhang zwischen dem Schneechaos und den globalen Klimaveränderungen nicht aus. Die relativ milden Temperaturen auch in den Alpen passten durchaus in das Bild der Erderwärmung, sagte der Kieler Professor Mojib Latif der FR. „Das ist auch eine Ursache für die große Bedrohung durch den nassen Schnee, denn der ist schwer und gefährdet Bäume und Dächer.“ Wärmere Luft kann grundsätzlich mehr Wasser in Form von Wasserdampf aufnehmen – pro Grad Erwärmung sind es sieben Prozent. Bei entsprechender Wetterlage können deswegen Niederschläge stärker ausfallen – je nach Temperatur entweder als Regen oder eben als Schnee.

„Die Atmosphäre ist wärmer geworden, deshalb gibt es mehr Feuchtigkeit“, sagt auch der Meteorologe Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Er verweist darauf, dass die massive Nordanströmung über die Nordsee verläuft, in der für die Jahreszeit noch relativ milde Temperaturen herrschten. „Das ist das Potenzial für Feuchtigkeit“ , sagte Hoffmann der dpa. Und diese Windströmung laufe genau gegen die Mittelgebirge und dann gegen die Alpen.

Hoffmann zufolge verstärkt der „Gebirgseffekt“ solche Ereignisse. „Man hat quasi Stauniederschläge an der Vorderseite der Gebirge.“ Im Sommer führten diese Niederschläge zu Hochwasser, im Winter zu intensiven Schneefällen. Zum eher nassen Schnee komme „noch das Wechselspiel zwischen Frost und Tau, dadurch wird die Schneelast noch stärker.“

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