Lade Inhalte...

Scheidungen „Frauen geben sich die Schuld“

Die Scheidungsanwältin Helene Klaar spricht im Interview über die häufigsten Gründe für ein Ehe-Aus und was sie Frauen vor der Hochzeit rät.

Liebesschlösser in Ostfriesland
Halten länger, als so manche Ehe: Liebesschlösser. Foto: imago

Frau Klaar, Sie beschäftigen sich mit dem Ende der Ehe, aber was spricht überhaupt dafür?
Von meinem Standpunkt aus als Rechtsanwältin gesehen, ergeben sich aus einer Ehe eine Reihe von Rechten. Als Lebenspartner darf man lediglich in der gemeinsamen Wohnung bleiben, wenn der Hauptmieter stirbt. Künstliche Befruchtung geht vielleicht auch. Darum bin ich sehr dafür, dass die Leute heiraten. Mein Kanzleipartner sagt immer, klar, sonst könnten wir sie ja nicht scheiden. Aber so sehe ich das gar nicht. Wenn Ehepartner zusammenleben, und derjenige, dem die Wohnung gehört, sucht sich jemanden anderen, dann darf der andere immerhin bis nach der Scheidung bleiben. Das ist schon ein großer Unterschied, besonders, wenn derjenige, der hinausgeschmissen wird, eine Frau mit Kind ist.

Und das sind noch nicht alle Vorteile oder?
Unterhalt und Pensionsansprüche gibt es auch nur unter Ehepartnern, die Lebenspartnerin bekommt keine Witwenpension, auch wenn sie gemeinsame Kinder haben, ebenso wenig hat sie Erbanspruch. Also die Ehe hat schon eine Reihe von Rechtsfolgen, dass die Leute gut beraten sind, nicht am Hochseil ohne Netz herumzuhüpfen.

Gibt es etwas, was Sie vor der Hochzeit raten würden?
Es ist sehr schwer, einen Rat zu geben, vor allem Frauen. Denn Frauen können alles nur falsch machen, Frauen sind schuldig geboren. Mein Rat ist, Frauen sollten nicht länger als notwendig auf die eigene Berufstätigkeit verzichten. Aber ich kenne auch die Nachteile, ich habe selbst Kinder und war berufstätig. Ich würde keineswegs behaupten, dass ich von einem Glücksgefühl ins nächste getaumelt bin. Als ich noch jung war, habe ich mal gesagt – damals hatte ich noch finstere hässliche Kanzleiräume – ich gehe an einem strahlenden Frühlingstag in die Kanzlei, um das Geld zu verdienen, das ich einer anderen Frau dafür zahle, damit sie mit meinen Kindern im Park sitzt.

Wirklich zufrieden waren Sie mit dieser Lebenssituation also nicht?
Nein, aber längerfristig muss man sagen, die Kinder bleiben nicht immer klein, und berufstätig ist man lange, insofern halte ich meine Entscheidungen für richtig. Aber was für eine Frau optimal ist, traue ich mich nicht zu sagen. Schließlich sehe ich sie bei Scheidungen. Frauen suchen ja immer brav die Schuld bei sich. Ich muss ihnen dann erklären, dass das so nicht geht. Der eine Mann wirft seiner Frau vor, sie habe sich nicht weiterentwickelt, der anderen, sie habe sich von ihm wegentwickelt. Die eine war zu still, man konnte in Gesellschaft nicht mit ihr angeben und die andere hat ihm keine Ruhe gegönnt. Frauen sitzen bei mir und grübeln, was sie falsch gemacht haben und ich bemühe mich, sie aufzurichten.

Wie machen Sie das?
Ich sage, er hat eine andere. Das ist es. Aus.

Und Männer suchen die Schuld nicht bei sich?
Sie werfen der Frau alles Mögliche vor, um sich selbst zu entlasten.

Aber sind es nicht öfter die Frauen, die sich scheiden lassen wollen?
Nicht mehr. Als ich jung war schon, das waren die 70er Jahre, da hatten wir Vollbeschäftigung, jede Frau, die arbeiten wollte, konnte dies auch. Die Rechtslage hat sich damals deutlich geändert. Wir haben vom patriarchalen Familienrecht zum partnerschaftlichen gewechselt. Ich habe damals junge selbstbewusste Frauen mit einem eigenen Gehalt erlebt, die sich wegen einem Klacks scheiden lassen wollten.

Welche Anlässe gab es da?
Der Mann hat etwa frische Handtücher für sich und die Kinder ins Bad gebracht, da hat meine Klientin erkannt, dass sie für ihn gar nicht vorhanden ist. Und wollte geschieden werden. Das habe ich lange nicht mehr gehabt. Ich habe ihr auch damals abgeraten, wegen solchen Gründen schmeißt man keine Ehe weg, wenn man zwei Kinder hat. Aber zu der Zeit war das leicht möglich, sie hätte die Wohnung behalten können, der Mann hätte eine billige andere Wohnung gefunden, verdient haben beide. Jetzt ist das viel enger geworden. Der Mann kann sich besser helfen, hat meist einen sicheren Job und dadurch einen ungebrochenen Pensionsverlauf. Bei Frauen endet es in einer sozialen Tragödie, wenn sie nicht zu der Generation Erben gehört.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen