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San Francisco Idyll in Flammen

In der Nähe des internationalen Flughafens geht ein ganzer Straßenzug in Flammen auf. Ein Riss in einer Gasleitung löst eine Explosion aus, die die Häuser schwanken lässt. Augenzeugen glauben zuerst an ein Erdbeben. Noch Stunden später ist der Brand nicht unter Kontrolle.

In San Bruno stehen nach einer Gasexplosion mehrere Häuser in Flammen (09.08.2010). Foto: AFP

In der Nähe des internationalen Flughafens geht ein ganzer Straßenzug in Flammen auf. Ein Riss in einer Gasleitung löst eine Explosion aus, die die Häuser schwanken lässt. Augenzeugen glauben zuerst an ein Erdbeben. Noch Stunden später ist der Brand nicht unter Kontrolle.

Das Schlimmste sei die Hilflosigkeit gewesen, sagte Dennis Haag, sichtlich geschockter Polizeichef von San Bruno, umstehenden Reportern. Stundenlang hätten seine Männer nichts tun können, außer zu versuchen, Überlebende aus der Feuersbrunst zu ziehen, die am frühen Abend die Wohnvorstadt in der Nähe des Flughafens von San Francisco überzogen hatte.

Bei dem Großbrand kamen mindestens vier Menschen ums Leben, 52 seien verletzt worden, sagte am Freitag der Stellvertreter von Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger, Abel Maldonado. Die Zahl der Opfer könne noch steigen, derzeit würden die zerstörten Häuser durchsucht. Die Ursache für das Unglück war zunächst nicht bekannt.

Um etwa 18.15 Uhr Ortszeit wurden die Bewohner von San Bruno von einer Detonation aufgeschreckt, die so laut war, dass viele einen Terroranschlag befürchteten oder glaubten, ein Flugzeug sei abgestürzt. „Das ganze Haus hat gewackelt“, sagte Judy Serresque dem Sender CNN. „Und mit einem Mal war mein Wohnzimmer von einem orangen Leuchten ausgefüllt.“

Kurze Zeit später bestätigten die Behörden, dass eine Hauptgasleitung explodiert war. Innerhalb von Minuten stand die ganze Nachbarschaft in Flammen. 38 Gebäude brannten nach Behördenangaben nieder, als sich die Flammen durch das dicht besiedelte Viertel fraßen. Erst zwölf Stunden nach Ausbruch des Brandes wurde das Feuer gelöscht. 120 weitere Häuser in dem Gebiet, das sich in der Nähe des Flughafens befindet, wurden beschädigt. Die Behörden riefen den Ausnahmezustand aus.

Eine Evakuierung, erzählte der Fotograf Bryan Carmody, der kurz nach der Explosion ankam, sei nicht nötig gewesen: „Die Leute sind wortwörtlich um ihr Leben gerannt.“ Die 18 Löschfahrzeuge der Feuerwehr von San Bruno standen zunächst stundenlang ungenutzt am Rand der Wohnsiedlung. Solange die Hauptgasleitung nicht abgedreht war, waren Löschversuche zwecklos. Zudem war eine Hauptwasserleitung beschädigt worden, so dass den Feuerwehrleuten kein Löschwasser zur Verfügung stand. „Ich habe noch nie eine derart frustrierte Feuerwehr gesehen“, erzählte Carmody, der seit Jahren über die häufigen Waldbrände in Kalifornien berichtet.

Augenzeugen wie Carmody waren sich sicher, dass die Zahl der Opfer noch deutlich steigen würde: „Die Explosion kam so plötzlich. Es war, als wäre die Nachbarschaft bombardiert worden.“ Es sei wahrscheinlich, dass viele nicht rechtzeitig entkommen konnten.

Die Ursache der Katastrophe war unklar. Gerettete Anwohner behaupteten, schon seit Wochen Gasgeruch wahrgenommen zu haben. Der Betreiber der Gasleitung, der kalifornische Versorger Pacific Gas & Electric, kündigte eine Untersuchung an. Sollte das Unternehmen die Verantwortung tragen, werde man die Haftung übernehmen, erklärte der Konzern. Die Nationale Verkehrssicherheitsbehörde NTSB leitete Ermittlungen ein. (mit rtr)

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