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Sambia Flusspferde werden zum Abschuss freigegeben

Jagd auf Flusspferde – in Sambia soll das bald erlaubt sein. Die Regierung will so die Population der Eintönner eingrenzen. Kritiker glauben hingegen, dass Geldgier dahinter steckt.

Flusspferd
Besser mal abtauchen: Die Hippopotami werden ihrer Zähne wegen gejagt. Foto: Imago

Wer es einmal erlebt hat, wird es nie wieder vergessen. Eine Herde mit fast hundert Flusspferden lungert am Ufer des Stroms herum, die Tiere grunzen, lassen sich die Sonne auf die pinken Bäuche brennen.

Plötzlich kommt ein kleines Vögelchen und setzt sich aufs Genick eines der dicken Brummer: Der erschrickt und rumpelt ins Wasser. Dem Herdentrieb folgend hetzen ihm sämtliche seiner Artgenossen hinterher: Die braune Masse aus Leibern löst im Fluss einen kleinen Tsunami aus.

Die Szene kann sich nur noch am Luangwa-Fluss im Nordosten des südafrikanischen Sambia abspielen: Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es noch eine vergleichbare Zahl an Hippopotami. 25.000 Exemplare sollen sich nach Schätzungen der „Internationalen Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen“ (IUCN) im Luangwa tummeln – ein Fünftel aller Nilpferde, die es auf dem Globus noch gibt. Wie Elefanten, die noch fünfmal so zahlreich sind, werden auch die Flusspferde ihrer Zähne wegen gejagt; in manchen Regionen wird auch ihr Fleisch gegessen.

Das natürliche Schauspiel könnte schon bald der Geschichte angehören. Die sambische Regierung will die Hippopotami jetzt auf die Liste der zur Jagd freigegebenen Tiere setzen: Bis zu 250 Exemplare sollen am Luangwa pro Jahr geschossen werden dürfen. Als Grund der Jagdaktion gibt auch die Regierung in Luanda einen natürlichen an: Die Population der Dickhäuter sei außer Kontrolle geraten und müsste dringend vermindert werden.

Denn zu viele Flusspferde könnten zur Gefahr für ihre Umwelt, allen voran die Menschen, werden, heißt es: Bräche etwa eine Anthraxseuche unter ihnen aus, könnte die bakterielle Infektion mit tödlichen Folgen auf die Bevölkerung überspringen. Außerdem verschmutze der Dung der gefräßigen Eintönner allmählich das Gewässer.

Dagegen schlagen jetzt erwartungsgemäß Tierschützer Alarm. Die Jagdfreigabe der Flusspferde sei lediglich der „Gier“ zuzuschreiben, schimpft der Chef der sambischen Grünen-Partei, Peter Sinkamba, gegenüber dem „Guardian“: Am Luangwa sei die Zahl der Hippopotami in jüngster Zeit sogar geringer geworden.

Eine sambische Zeitung will wissen, dass die Jagdfreigabe vor allem dem Umstand zu verdanken sei, dass die Regierung einem Konzessionär einen Gefallen tun musste: Angeblich wollte sie ein Gerichtsverfahren vermeiden, das die Jagdfirma „Mabwe Adventures Limited“ in einer anderen Sache gegen sie anstrengen wollte.

Einen anderen Vorbehalt bringt der Ökologe und „Guardian“-Autor Jeremy Hance zur Geltung: Wer könne überhaupt entscheiden, ab wann es sich bei der Zahl einer bestimmten Tierart um eine „Überpopulation“ handele. Vermutlich würden in Zukunft schon zwanzig Hippos als Plage wahrgenommen, meint Hance: Die Menschheit habe sich an immer kleinere Zahlen ihrer tierischen Mitbewohner gewöhnt.

Flusspferdexperten geben unterdessen zu verstehen, dass über die Schwergewichte viel zu wenige Forschungsdaten vorlägen, um gesicherte Angaben über die angeblich richtige Populationsdichte machen zu können. Die Flussbewohner seien einem natürlichen Kreislauf unterworfen, der sie in regenreichen Zeiten prächtig gedeihen, in Dürrezeiten jedoch kläglich verenden ließe: Ein Eingriff der sambischen Regierung in den Lauf der Natur könne nur Schaden mit sich bringen.

Ferner geben Fachleute zu bedenken, dass die Jagd auf die Flusspferde ganz andere Folgen als die erwarteten haben könnte. Studien hätten ergeben, dass Hippo-Herden mit einem größeren weiblichen Anteil viel gebärfreudiger sind, als wenn sich zu viele Männer in ihrer Gemeinschaft tummeln: Genau auf diese Männer mit ihren riesigen Zähnen aber haben es die Trophäenjäger abgesehen. Die Hippo-Jagd könne also paradoxerweise zu einer Vermehrung der Population führen, schreibt der Zoologe Chansa Chomba in einer Untersuchung für die „Zambia Wildlife Authority“: Damit wäre dann der Schuss nach hinten losgegangen.

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