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Russische Mörderfamilie "Das Morden wurde Alltag"

Beispielloser Massenmord in Russland: Eine Familie tötet willkürlich bis zu 30 Menschen - wegen Schmuck, Waffen, Wodka und Elektronik. Eiskalt schildert die Mutter, wie die familiären Mordausflüge alltäglich wurden.

20.09.2013 17:38
Tatortbegehung mit mutmaßlicher Mörderin: Kindergärtnerin Inessa erklärt den Beamten, wie sie Menschen in den Kopf geschossen habe. Foto: dpa

Es sind Morde mit unvorstellbarer Grausamkeit: Bis zu 30 Menschen soll eine Familie in Südrussland getötet haben. Opfer sind Polizisten, Händler, Jäger – aber auch Kinder. Die Details der Bluttaten jagen Schauer über den Rücken. Noch unfassbarer aber macht in Russland die Gleichgültigkeit der „Mörderfamilie“, wie Medien die Kindergärtnerin Inessa (46), ihren Mann Roman (35) und ihre Tochter Viktoria (25) nennen. „Das Morden wurde Alltag. Wir gingen zum Raubüberfall wie andere Leute zum Arbeiten ins Büro“, erzählt Inessa völlig ruhig im Verhör. Gefühle – Fehlanzeige.

Habgier und Rache sollen das Paar getrieben haben, das sich Inessas Tochter aus erster Ehe zur Komplizin nimmt. Seit 2008 tötet die Bande, erstes Opfer ist Inessas früherer Geliebter. „Bislang sind neun Morde bewiesen“, sagt Galina Gagalajewa vom Ermittlungsausschuss der südrussischen Millionenstadt Rostow am Don der Nachrichtenagentur dpa. „Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass die Familie noch mehr Opfer auf dem Gewissen hat“, ergänzt die Justizsprecherin.

"Ich bin die geborene Verbrecherin"

Die Polizei kann den monströsen Umfang des Verbrechens erst nicht glauben. Doch bei einem Ortstermin demonstriert Inessa, mit Handschellen gefesselt und mit einer Pistolenattrappe, wie sie ein Opfer aus nächster Nähe erschießt. „Hier haben wir gestanden. Dann habe ich ihm ins Gesicht geschossen“, sagt sie in dem Polizeivideo. Den Umstehenden ist der Schreck ins Gesicht geschrieben.

„Ich bin die geborene Verbrecherin“, meint Inessa. Die russische Presse vergleicht die blondierte Frau bereits mit „Ma“ Barker – einer schwer kriminellen US-Bandenchefin, die in den 1930er Jahren zahlreiche Morde verübte.

Ihre Bluttaten verbarg die Familie hinter einer bürgerlichen Fassade. Den Nachbarn erzählten sie, zum Campen zu fahren - stattdessen gingen sie auf Raubzug. „Sie sahen aus wie eine nette Familie. Wenn man sie zusammen sah – ich bin sicher, niemand konnte sich bei ihnen eine solche kriminelle Energie vorstellen“, sagt Wladimir Markin, Sprecher der staatlichen Ermittlungsbehörde. Ein anderer Justizmitarbeiter spricht von einem „Blick in den Abgrund“.

Schmuck, Wodka, Elektronik – kaum etwas, das die Familie nicht raubt und dafür mordet. Die Opfer sind meist zufällig. „Wir töteten Polizisten wegen ihrer Waffen und andere Leute wegen ihres Geldes“, erzählt Inessa den schockierten Beamten. Ihre Beute versteckt sie bei einem befreundeten Polizisten. Von ihm und seiner Frau werden Inessa, Roman und Valentina jahrelang gedeckt – das Ehepaar sitzt nun ebenfalls in Untersuchungshaft.

Polizeiversagen machte Mordserie möglich

Möglich ist die beispiellose Mordserie aber offenbar auch wegen des Versagens der Polizei. Spuren werden missachtet, Unschuldige sitzen jahrelang in Haft. Die Lokalpresse kritisiert schlampige Ermittlungen. Das Ende mit Schrecken kommt erst am 8. September, rund sechs Jahre nach dem ersten Mord.

Morgens um 4 Uhr werden Polizisten in einem Waldstück auf Taschenlampenlicht aufmerksam. „Seid Ihr wegen uns hier?“, schreit ihnen ein Mann entgegen – und eröffnet das Feuer. Es ist Roman. Er erschießt einen Beamten, wird dann selbst tödlich getroffen. Seine Stieftochter Valentina wird verletzt festgenommen, Stunden später fassen die Ermittler auch Inessa. Der blutige Feldzug der „Mörderfamilie“ ist vorbei. (dpa)

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