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RTL-Dschungelcamp König Hasenherz

Peer Kusmagk ist der neue König der RTL-Show "Dschungelcamp". Er ist der Überraschungssieger der fünften Staffel. Rund 70 Prozent der Zuschauer gaben ihm in der letzten Sendung ihre Stimme. Aber wer ist eigentlich dieser Peer?

30.01.2011 16:37
Antje Hildebrandt
Gemeinsam durchgehalten: „Dschungelkönig“ Peer Kusmagk und sein Kuschelaffe „Schotti“. Foto: RTL

Am Ende lag Peer Kusmagk lebendig begraben in einem Sarg und sang den berühmten Song aus dem Tanz-Film Dirty Dancing: „I had the time of my life.“ Es war ein symbolträchtiges Bild. Es reflektierte Glanz und Elend einer Show, in der die Kandidaten bis dahin von unsichtbarer Hand wie Läufer, Springer oder Bauern über ein Schachbrett geschoben worden waren. Das Spiel war am Tag elf im RTL-„Dschungelcamp“ vorübergehend außer Kontrolle geraten, als das aufgewühlte Beinahe-Topmodel Sarah Knappik die Reality-Soap als inszeniertes Affentheater und ihre Kontrahenten als Schwindler bezeichnet hatte.

Peer Kusmagk mochte immer ein wenig verpennt aus der Wäsche geguckt haben. Aber gegen Ende der Reality-Soap wurde immer deutlicher, dass er der einzige war, dem die Zuschauer abkauften, dass er so ist wie er sich gab. Er besaß zwar nicht das Charisma seiner Vorgängerin, Ingrid van Bergen. Aber darauf kam es in dieser Staffel auch nicht an.

Zuhören statt Krach schlagen

Und so konnten ihm im Finale am Samstagabend weder die RTL-Schauspielerin Katy Karrenbauer noch der Ex-Rekordschwimmer Thomas Rupprath gefährlich werden. Karrenbauer hatte zunächst auf Camp-Mutter gemacht, die auch die quengelnde Sarah unter ihre Fittiche nahm, dann aber gemerkt, dass sie besser fährt, wenn sie sich der Fünfergruppe anschloss, die Sarah unbedingt loswerden wollte. Und der Mitläufer Rupprath hatte sowieso immer allen nach dem Mund geredet.

Der einzige, der in diesem Zickenkrieg zu Sarah gehalten hat, war Peer Kusmagk. Und spätestens, als er in diesem Sarg lag und sich selber singend die Angst vertrieb, während Wasser und Ratten eingelassen wurden, da wusste man: er würde das „Dschungelcamp“ als König verlassen. Und es kam so. Knapp 70 Prozent der 8,9 Millionen Zuschauer gaben ihre Stimme ihm.

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Aber wer ist eigentlich dieser Peer? Kaum einer konnte den Bonvivant mit dem albernen Zylinder auf dem Kopf einordnen, als er ins Dschungelcamp einzog. Nur Freunde der Vorabend-Soap „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ (GZSZ) erinnerten sich vielleicht noch. Kusmagk spielte Ben Bachman, einen schnöseligen Sohn aus reichem Hause, von dem man heute nur noch weiß, dass er kokste, bis der Arzt kam.

Das war 2003. Der gebürtige Berliner hatte seine Ausbildung zwar am renommierten Lee Strasberg Theatre and Film Institute in Los Angeles absolviert, aber nach dem Ausstieg aus GZSZ sah er in seinem Job kein Land mehr. Er moderierte das Sat.1-Frühstücksfernsehen. Er nahm nach der Heirat mit einer Kollegin den Doppelnamen Karlinder-Kusmagk an. Nach der Scheidung verschwand er vom Radar der Medien.

Seine Freunde, heißt es, seien davon ausgegangen, er hätte abgeschlossen mit diesem Kapitel. Seine Bühne war fortan ein französisches Restaurant, das er 2006 mit einem Freund in Berlin eröffnet hatte: „La Raclette“. 2010 brannte es aus. Schaden: 50.000 Euro. Um es wieder zu eröffnen, so munkelte man, hätten sich die Betreiber verschuldet. Der Gourmet und Weinliebhaber sei aus Geldnot ins Camp gezogen.

Das mit der Geldnot hat der 35-Jährige inzwischen dementiert – bei geschätzten 40.000 Euro Dschungel-Honorar dürfte das ohnehin kein Thema mehr sein –, aber RTL liebt solche Stories. Sie lassen sich auch nach dem Ende der Show recyceln. Angeblich sollen Gerichtsvollzieher dem neuen Dschungelkönig auf den Fersen sein. Sein uralter Renault stehe mit Plattfuß vor dem Hauptbahnhof im Parkverbot. Die Tränen, die er im Camp vergoss, rührten vielleicht von den Unbilden des vergangenen Jahres her. Aber sie wirkten immerhin echt.

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Konsequent hatte sich der Selbstdarsteller bis zum Schluss geweigert, irgendeine Rolle in diesem Spiel zu spielen. Wenn er sich profilierte, dann als Teamplayer. Er bastelte eine Dampfsauna für die Gruppe schmuggelte Luftballons ins Camp, als das Ex-Playmate Gitta Saxx Geburtstag feierte. Statt Krach zu schlagen, hörte er lieber zu und versuchte zu vermitteln. Statt sich zu produzieren, nahm er sich zurück und beobachtete. Der Zoff im Intrigantenstadl ging ihm nahe. Er weinte viel und meditierte, auf einem Bein stehend, die Hände vor der Brust zusammengepresst. Manchmal hielt er stille Zwiesprache mit seinem Kuscheltier „Schotti“, einem abgegriffenen Stoffaffen.

Vielleicht verrät dieser Erfolg mehr über das neue Männerbild als über Peer Kusmagk. Frauen mögen Männer, die Gefühle zeigen. Und Frauen machen über die Hälfte der Zuschauer aus. Beinahe neun Millionen waren es im Finale der 5. Staffel – so viel wie noch nie.

Ob sich der Restaurantbetreiber den Titel „Dschungelkönig“ tatsächlich in sein Türschild eingravieren lassen wird, wie er nach der Mutprobe im Sarg verkündet hatte, darf jedoch bezweifelt werden. Der Titel taugt bestenfalls als vorübergehender PR-Gag. Zu hartnäckig haftet ihm der Duft pürierten Emuhodens an. Und damit ködert man nun wirklich keine Feinschmecker.

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