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Rom Mit Blick auf die schmutzig-grauen Fluten

Endlich hat Rom einen Stadtstrand. Endlich? Viele Bewohner der italienischen Hauptstadt kritisieren das Projekt.

Rom
Schwimmen geht hier nicht. Eis essen auch nicht. Foto: Imago

Nach Städten wie Paris oder London hat jetzt auch Rom endlich einen Stadtstrand. „Tiberis“ heißt der kleine Streifen aus aufgeschüttetem Sand und Rollrasen am Flussufer des Tibers. Liegestühle, Sonnenschirme, Duschen und zwei Beach-Volleyballfelder können dort seit vergangenem Wochenende kostenlos genutzt werden. Doch die Initiative von Bürgermeisterin Virginia Raggi von der populistischen Protestbewegung Fünf Sterne hat in der italienischen Hauptstadt allerlei Kritik und Polemik ausgelöst.

Für Touristen ist der einige Kilometer südlich des historischen Zentrums an der Marconi-Brücke gelegene Strand schwer zu erreichen. So sind es denn fast nur Einheimische und Anwohner, die es sich kurz nach Eröffnung des Strandes auf den weißen Plastikliegen und -stühlen mit Blick auf die schmutzig-grauen Tiberfluten bequem machen. Einige zumindest sind zufrieden. „Das Ufer hier war jahrelang völlig verdreckt und verwahrlost“, sagt ein junger Mann. „Ist doch toll, dass man hier jetzt so liegen kann.“

Römer sind skeptisch

80 Lkw-Ladungen Müll hatten die städtischen Arbeiter auf dem 10.000 Quadratmeter großen Gelände eingesammelt und abtransportiert. Auch illegale Baracken wurden abgerissen. Längs des Tiber-Ufers campieren an vielen Stellen Obdachlose. Auch Sinti und Roma hatten sich hier eine kleine Slumsiedlung errichtet.

Bürgermeisterin Virginia Raggi von der Protestbewegung Fünf Sterne will diese Camps alle räumen lassen, ganz auf Linie mit Italiens rechtsnationalem Innenminister Matteo Salvini. Roms Stadtverwaltung feierte sich anlässlich der Strand-Eröffnung denn auch selbst. „Wir haben dieses Stück Ufer den Bürgern zurückgegeben“, erklärte Raggi. In den kommenden Jahren würden weitere Uferstrecken in Strände umgewandelt. „Die Aufwertung des Tibers ist eine unserer Prioritäten.“ 

Die meisten Römer sind jedoch skeptisch. Seit Raggi regiert, ist die zunehmende Verwahrlosung der Ewigen Stadt ein Dauerthema. Der Abfall quillt aus den Tonnen, Autofahrer und Fußgänger müssen einen Slalom um die Schlaglöcher in den Straßen machen, wer auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen ist, braucht starke Nerven.

Der Strand Tiberis sei zwar grundsätzlich eine gute Idee, aber die Umsetzung habe deutliche Mängel, lautet das Urteil vieler Besucher wie auch der Lokalmedien. Schon allein weil der Stadtstrand statt im Frühsommer erst im August eröffnet wurde und immer noch nicht fertig ist. Abkühlung ist nur unter der Dusche möglich, ein kleines Schwimmbad soll erst kommendes Jahr aufgebaut werden. Und kalte Getränke gibt es lediglich an zwei Automaten. Ein Kiosk oder ein Café scheiterten bisher an der langwierigen Bürokratie.

Vor allem aber fragen sich die Römer, wer den Strand, der um 20 Uhr schließt, auf Dauer vor neuer Verwahrlosung schützen soll. Die Zeitung „Il Messaggero“ berichtete über ein Abkommen der Stadt mit dem Clanchef der Roma, die nun weiter entfernt campieren. Der Mann namens „Zorro“ sei während der Arbeiten vorbeigekommen. Er habe angeboten zu helfen, dass das Gelände nicht wieder besetzt wird, erzählte eine Tiberis-Verantwortliche dem Blatt. Zorro bestätigte das. Den Strand finde er wirklich gut, sagte er. Er warte aber noch auf eine Gegenleistung für die Hilfe. Die Fünf-Sterne-Stadtregierung zeigte sich empört und sprach von „Fake News“, einem erfundenem Bericht also. Bewacht werde Tiberis tatsächlich von Polizisten.

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