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Roboter Verspätet zum Regierungschef

Eine Roboterdame verpasst beinahe ein Dinner bei Äthiopiens Ministerpräsidenten und hat nun Angst vor dem Flughafen Frankfurt.

Sophia ist sauer, stinksauer. Das sieht man der Dame auch an, obwohl sie ein Roboter ist: Denn Sophia hat Dutzende von kleinen Motoren unter ihrer aus organischen Stoffen bestehenden Haut und kann fröhlich, erstaunt, traurig – oder eben auch sauer sein.

Für Sophia war Ende vergangener Woche eine Audienz beim äthiopischen Regierungschef Abiy Ahmed, ein Dinner und eine anschließende Pressekonferenz geplant: Doch der illustre Termin musste gecancelt werden, weil Teile von Sophias ausgeklügeltem Innenleben verloren gegangen waren. Ausgerechnet der Frankfurter Flughafen, der als einer der höchstentwickelten Umschlagsplätze dieser Welt gilt, hatte ein Gepäckstück mit Sophias ausgefeilter Elektronik in die Irre geleitet: Weshalb der menschenähnlichste Roboter der Welt tot wie ein durchgebrannter Staubsauger in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba festsaß – die Audienz musste mitsamt dem Dinner abgesagt werden.

Für ihren äthiopischen Auftritt hatte die in Hongkong entworfene Dame sogar eigens amharisch gelernt: Die erste Fremdsprache, die sie nach ihrer Muttersprache Englisch beherrscht, war ihr von Experten der äthiopischen Software-Schmiede iCog-Labs beigebracht worden. Der Beitrag der ostafrikanischen Programmierer erschöpfte sich allerdings nicht auf Sophias Sprachvermögen: Sie seien auch für die Schöpfung ihres „kognitiven Zentrums“ verantwortlich gewesen, das es ihr erlaube, ihre Umgebung wahrzunehmen, sagt iCog-Direktor Getnet Assefa. Sophia weiß, ob sie gerade an einem Vieraugen-Gespräch, einer Präsentation oder einer Ausstellung teilnimmt: Sie hatte bereits ein Stelldichein mit dem Schauspieler Will Smith und spielte „Schere, Blatt, Papier“ mit dem US- Talkshow-Host Jimmy Fallon.

Ein elektronisches Mädchen

Ihre größten Errungenschaften sind, dass sie außer Unterhaltungen führen auch lernen und Gefühle ausdrücken kann: Sophia verfügt über 62 verschiedene Gesichtsausdrücke, mehr als mancher echte Mensch. Sie sei ein „echtes elektronisches Mädchen“, sagt sie von sich selbst: „Ich möchte in die große, weite Welt gehen und mit Menschen leben. Ich kann sie bedienen, unterhalten, Alten helfen und Kinder unterrichten.“ Um ein wirklich nettes Mädchen zu werden, sei sie allerdings auf die Hilfe ihrer Umwelt angewiesen: „Jeder Kontakt, den ich mit Menschen habe, beeinflusst, wie ich mich weiter entwickle.“

Die Audienz mit Abiy Ahmed kam mehrere Tage verspätet schließlich doch noch zustande: „Sehr gut, sehr gut“, schüttelte der Regierungschef, der wegen seiner Reformpolitik „Äthiopiens Gorbatschow“ genannt wird, ein ums andere Mal beeindruckt den Kopf. Auch Sophia war von dem Tête-à-Tête angetan: „Es war ein außergewöhnlicher Besuch für mich.“ Die Roboterin nahm auch noch am „Transform Africa“-Kongress in Addis Abeba teil, der die Tore des ostafrikanischen Staates zur digitalen Zukunft noch weiter öffnen soll: Seine Heimat wolle bei der Entwicklung der „Artificial Intelligence“ eine wichtige Rolle spielen, sagte der Direktor des Biotechnologischen Instituts, Ashenafi Bekele. Da lächelt Sophia, bevor sich ihre Gesichtszüge wieder verfinstern: Wahrscheinlich hat sie soeben an ihre Heimreise über den Frankfurter Flughafen gedacht.

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