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Rio Grande Do Norte, Alcaçuz 26 Tote bei Gefängnisrevolte in Brasilien

In einem brasilianischen Gefängnis sterben am Wochenende 26 Menschen. Verfeindete Banden hatten sich erneut blutige Kämpfe geliefert.

15.01.2017 19:00
Die Polizei hat die Kontrolle über das Alcaçuz-Gefängnis wiedererlangt. Es gibt zahlreiche Todesopfer. Foto: Ney Douglas/EPA/REX/Shutterstock

Die Aufstände in Brasiliens Gefängnissen dauern an. In einer überfüllten Haftanstalt des nordöstlichen Bundesstaats Rio Grande do Norte wurden bei erneuten Kämpfen rivalisierender Drogenbanden mindestens 26 Menschen getötet. Nach Angaben der Behörden dauerte es 14 Stunden, bis die Sicherheitskräfte die Gewalt beendeten. Im südbrasilianischen Bundesstaat Paraná brachen unterdessen mehr als zwei Dutzend Häftlinge gewaltsam aus ihrem Gefängnis aus.

Wie schon in anderen Haftanstalten waren auch im Alcaçuz-Gefängnis unweit von Natal, der Hauptstadt von Rio Grande do Norte, schwerbewaffnete Häftlinge zweier rivalisierender Banden am Samstagabend aufeinander losgegangen. Erst am Sonntagmorgen stürmten Sicherheitskräfte das Gefängnis und beendeten die Gewalt, wie das Ministerium für öffentliche Sicherheit mitteilte. Kein Häftling sei entkommen, erklärte es.

Die Schwester eines der Gefangenen, Adriana Feliz, berichtete, sie habe den Leiter des Gefängnisses ausdrücklich vor einem drohenden Krieg zwischen den Mitgliedern der rivalisierenden Banden gewarnt. Dieser habe ihr aber nur geantwortet, dass er nichts tun könne. Die für 620 Häftlinge ausgelegte Anstalt ist laut Behördenangaben mit mehr als tausend Insassen massiv überbelegt.

Im Bundesstaat Paraná brachen am Sonntagmorgen dann 28 Häftlinge aus dem Gefängnis der Stadt Curitiba aus. Mit Hilfe von Komplizen von außerhalb sprengten sie eine Wand und bedrohten Polizisten und Wachpersonal mit schweren Waffen. Laut den Behörden von Paraná wurden zwei Männer während des Ausbruchs erschossen und vier weitere wieder gefangen genommen.

Die anhaltende Gewalt in Brasiliens Haftanstalten bringt Präsident Michel Temer zunehmend in Bedrängnis, dessen Regierung Untätigkeit vorgeworfen wird. Nach dem Massaker im Alcaçuz-Gefängnis erklärte Temer auf Twitter, er verfolge genau die Lage und habe den örtlichen Behörden die "notwendige Unterstützung" zugesagt. Für Dienstag lud das Justizministerium in Brasília alle Verantwortlichen der Bundesstaaten zu einer Krisensitzung ein.

Seit Jahresbeginn wurden schon mehr als 130 Gefangene in Brasilien bei Gewaltkonflikten in den überfüllten Haftanstalten getötet. Seit im Juli eine Waffenruhe zwischen den beiden größten Kokainbanden - dem Primeiro Comando da Capital (Erstes Kommando der Hauptstadt) aus São Paulo und dem Comando Vermelho (Rotes Kommando) aus Rio de Janeiro - zusammengebrochen war, tragen deren Mitglieder den Konflikt auch in den Haftanstalten aus. Viele Gefängnisse werden faktisch von den Drogenbanden kontrolliert.

In Manaus waren Anfang des Jahres bei 17-stündigen Kämpfen in einem Gefängnis 56 Menschen getötet worden. Viele der Opfer wurden enthauptet und verstümmelt. Seither gab es noch mehrere ähnliche Vorfälle, unter anderem in einer Haftanstalt in Boa Vista, der Hauptstadt des Bundesstaats Roraima, wo 33 Menschen getötet wurden.

Nach offiziellen Angaben befindet sich die Belegungsquote der Haftanstalten derzeit bei 167 Prozent. Ende 2014 gab es in Brasilien einem Bericht des Justizministeriums zufolge 622.000 Gefangene. Brasilien hat damit weltweit die viertgrößte Gefangenenzahl nach den USA, China und Russland. Die Regierung hat nun den Bau weiterer Gefängnisse angekündigt, doch bezweifeln Menschenrechtsaktivisten, dass sie damit das Problem lösen wird. Nach ihrer Ansicht wären Maßnahmen zur Prävention wichtiger als reine Repression. (afp)

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