Lade Inhalte...

Revival statt Reunion Abba für immer

Ulf Andersson kommt einfach nicht los von der schwedischen Band. Früher spielte er auf einer Tournee mit den großen Stars, heute tritt er mit einer Revival-Band auf. Von Anna Schmid

19.11.2008 16:11
ANNA SCHMID
WIRECENTER
Ulf Andersson mit Katja und Camilla vom Abba-Revival. Foto: Herbert Schulze

Es ist sein Lied. Die anderen Musiker auf der Bühne machen ihm den Weg nach vorne frei, die Scheinwerfer werden auf ihn gerichtet, das Licht changiert mal weiß, mal rosa, mal violett. Ulf Andersson holt Luft, hebt das Saxophon, sein Solopart im Abba-Hit "I do, I do, I do" kann beginnen.

Der 68 Jahre alte Andersson genießt diesen Moment. Laufend, beinahe springend ist er mit seinem goldenen Instrument auf die Bühne gerannt, hat den beiden Sängerinnen rechts und links ein Küsschen auf die Wange gedrückt und dann auf den Moment seines Solos gewartet. Er trägt an diesem Abend weiße Hosen, ein weißes Hemd mit Glitzerapplikationen und Cowboystiefel mit hohen Absätzen - fast so wie früher, als er mit den Stars Björn Ulvaeus, Agneta Fältskog, Benny Andersson und Frida Lyngstad auf der Bühne stand. Als "Ehrengast der Show" war er angekündigt worden.

Andersson hat Anfang der 70er Jahre das Saxophonsolo in dem Stück mit Abba im Studio eingespielt und die Band auf ihrer Tournee begleitet. Heute ist Andersson Teil des Musik-Spektakels "Abba -The Show", einer pompösen Revival-Veranstaltung, mit der er seit 2002 durch Europa und die USA tourt.

Cowboyhut in Pink

Zwei Stunden lang spielt die schwedische Coverband Waterloo die Hits der berühmten Schweden nach. Begleitet wird die vierköpfige Gruppe vom Londoner National Symphony Orchestra und Musikern, die wie Andersson oder Gitarrist Janne Schaffer früher zusammen mit Abba gespielt haben. Aber keiner von ihnen kennt diese Musik so lange und so gut wie der 68-jährige Andersson. Er hat angeblich bei den meisten Studioaufnahmen von Abba Flöte oder Saxophon gespielt und berät jetzt die anderen Musiker im Ensemble, in welchem Tempo oder in welchem Stil sie spielen müssen, damit die Musik in der Show dem Original so nahe wie möglich kommt.

1977 war Abbas Welttournee restlos ausverkauft. Heute Abend ist die Londoner Wembley Arena nicht ganz gefüllt. 7500 Karten sollen verkauft worden sein, die Halle fasst mehr als 10.000 Besucher. Menschen jeden Alters und jeder Hautfarbe sind gekommen. Accessoire des Abends ist ein Cowboyhut in Pink, den es für sieben Pfund am Merchandising-Stand zu kaufen gibt. "Dancing Queen" steht in geschwungenen Buchstaben auf der Vorderseite.

Anderssons Soloauftritt ist nach 30 Sekunden beendet, nach dem Lied verlässt er die Bühne, später kehrt er zurück, um bei anderen Stücken wie "Fernando" Flöte zu spielen. Am Ende des Konzerts steht er in der Mitte des gesamten Teams und verbeugt sich vor den jubelnden Zuschauern.

Wenn Andersson nicht auf der Bühne steht, dann wirkt er eher ruhig. Beim Gespräch trägt er helle, legere Kleidung. Er ist glatt rasiert, hat gepflegtes, graues Haar und freundliche, schmale Augen. An seiner Hand glänzt ein schlichter Ehering. Was genau ihn an Abba so fasziniert, kann er bis heute nicht sagen. "Am Anfang in Stockholm war das einer von vielen Aufträgen, die ich angenommen habe. Vielleicht waren es die Lieder, vielleicht war es die Art, wie sie gespielt haben, ich weiß es nicht. Aber als ich Teil davon wurde, spürte ich, dass das etwas Besonderes ist."

Jazz statt Pop

1977 fragte Benny Ulf Andersson, ob er mit der Band auf Tournee gehen wolle. Er sagte zu und reiste mit Abba durch Europa und Australien. "Während der Tour hatten wir eigentlich wenig miteinander zu tun. Wir waren in unterschiedlichen Flugzeugen unterwegs und schliefen in verschiedenen Hotels. Wir haben uns fast nur auf der Bühne gesehen. Ich hatte den meisten Kontakt zu Benny, denn er war der beste Musiker. Wir hatten ein gutes Verhältnis, aber Freundschaft war da nie."

Nach der Tour endetete die Zusammenarbeit. Dass Abba sich 1982 getrennt hatten, erfuhr er aus der Zeitung. Gelegentlich läuft Andersson heute noch einem der Bandmitglieder über den Weg. Aber eigentlich haben sie nichts mehr miteinander zu tun. An eine Reunion der Band glaubt er nicht. "Dafür sind sie einfach zu alt", sagt Andersson.

Nach seiner Zeit bei Abba verdiente Andersson sein Geld weiter als Studiomusiker in Schweden, tourte mit einer Jazzband durch England und trat in kleinen Clubs in Schweden auf. Sein Herz gehört dem Jazz und der Musik der 60er Jahre, zu seinen Lieblingsmusikern gehören Miles Davis und Charlie Parker. Der Zufall hat ihn vor ein paar Jahren zurück in die Vergangenheit gebracht. Eines Abends trat er zusammen mit seiner Jazz-Band in Stockholm auf. Im selben Club spielte auch die Abba-Coverband Waterloo. Eine der beiden Sängerinnen sprach ihn an: Ob er nicht der Ulf Andersson sei, der damals mit Abba auf Tour gewesen sei? Die halbe Nacht spielten sie zusammen. Wenig später packte er seine Sachen und ging mit der Revival-Band auf Tour. "Es war an der Zeit, wieder auf Reisen zu gehen", sagt er. Aber wohl nicht mehr lange. Die Strapazen des Reisens ermüden ihn, der alte Mann vermisst seine Enkelkinder.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen