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Raubeiniger Schauspieler „Dann spiele ich eben einen Baum“

Der Ex-Kriminelle Danny Trejo etabliert sich in Hollywood als Raubein vom Dienst und spielte bereits in 183 Filmen mit

04.11.2010 16:31
Rüdiger Sturm
Danny Trejo posiert für die Fotografen. Foto: REUTERS

Der Ex-Kriminelle Danny Trejo etabliert sich in Hollywood als Raubein vom Dienst und spielte bereits in 183 Filmen mit

In Danny Trejos Welt haben die Schauspielerei und ein Raubüberfall viel gemeinsam: „Wenn du mit deiner Knarre in eine Bank marschierst, dann ist das der reinste Adrenalinschub. Du wirst süchtig danach. Und das gleiche Gefühl bekomme ich, wenn ein Regisseur ,Action‘ ruft.“

Der Hauptdarsteller des Actionstreifens „Machete“ kann sich so ein Urteil erlauben. Denn in der Filmgeschichte hatte wohl kaum ein prominenter Schauspieler ein solch ausuferndes Vorstrafenregister. Seine Heroinsucht finanzierte der Kalifornier mexikanischer Abstimmung mit bewaffneten Überfällen, was ihn in einem Zeitraum von elf Jahren immer wieder ins Gefängnis brachte. Im berüchtigten Knast von San Quentin schaffte er nicht nur den Absprung von den Drogen, sondern wurde auch kalifornischer Gefängnis-Box-Champion im Leicht- und Weltergewicht.

Dass Hollywood ihm seit Jahren eine Plattform bietet, ist eigentlich folgerichtig. Als Auftragskiller Machete Cortez erledigt Trejo in „Machete“ seine Gegner zwar mit einem ganzen Arsenal scharfkantiger Gegenstände, aber noch viel bedrohlicher ist seine pure Präsenz – vom muskelprallen Körper bis zu einem tief zerfurchten Gesicht, das eine geradezu animalische Aggressivität auszustrahlen vermag. Als er vor 16 Jahren mit „Machete“-Regisseur Robert Rodriguez „Desperado“ drehte, hielten alle Besucher des Sets ihn für den Star – und nicht den damals in den USA unbekannten Antonio Banderas. Heute scherzt Trejo: „Können Sie sich etwa Brad Pitt als Machete vorstellen?“

Die erdige Vitalität, die Trejo auf der Leinwand ebenso wie im persönlichen Gespräch vermittelt, will gar nicht zu seinen 66 Jahren passen. Sinnigerweise sollte er eine Rolle in Sylvester Stallones Altmänner-Actionknaller „Expendables“ übernehmen, was sich dann zerschlug: „Die Jungs hätten neben mir viel zu soft ausgesehen“, sagt er ironisch – und mit einer Stimme, die klingt, als hätte er mit Reißnägeln gegurgelt. „Die Jungs“, das sind etwa Stallone, Dolph Lundgren und Mickey Rourke.

Trejo verdankt seine Karriere eigentlich nur einer Kette von Zufällen. Als er das letzte Mal aus dem Gefängnis kam, versuchte er sich als Drogenberater, um neue Generationen von Problemkids vor der schiefen Bahn zu bewahren – das tut er auch heute noch nebenher. Einer seiner Schützlinge arbeitete 1985 beim Dreh des Actionthrillers „Express in die Hölle“ mit. Da manche Mitglieder der Filmcrew die Inspiration im Kokain suchten und der frühere Süchtige einen Rückfall fürchtete, rief er seinen Mentor Trejo zu Hilfe. Der fühlte sich im Filmmilieu prompt wohl und wurde direkt angeheuert, zunächst als Häftlings-Statist, dann als Boxlehrer für Hauptdarsteller Eric Roberts, zuletzt als dessen Leinwand-Kontrahent.

183 Filme hat Trejo gedreht, zunächst in Rollen wie „Gefangener“, „Harter Gefangener“, „Gefangener Nr. 2“. Er ist kein Star, der sein Ego zelebriert: „Das ist alles nur Arbeit. Wenn man von mir verlangt, einen Baum zu spielen, dann spiele ich eben einen Baum. Ich liebe es zu arbeiten, einmal habe ich in der Woche vier Filme gedreht.“

Zum Glück fand er Freunde und Förderer, allen voran Robert Rodriguez, der schon vor 16 Jahren die Idee für „Machete“ hatte – die Geschichte eines mexikanischen Ex-Cops, der mit grotesker Gewalt unter korrupten Politikern und Drogenhändlern aufräumt. Ein Trailer, den der Regisseur 2006 drehte, fand so großen Anklang, dass Rodriguez den ganzen Film folgen ließ und dem alten Kampfgefährten die Hauptrolle als Actionstar bescherte. „Zum ersten Mal ist ein Latino als großer Held zu sehen“, sagt Trejo stolz. Das Publikumsinteresse dafür ist freilich begrenzt. Bis vorige Woche brachte der Film weltweit nur 32 Millionen US-Dollar ein – was aber angesichts eines 20-Millionen-Budgets akzeptabel ist.

Turteln mit barbusigen Schönheiten

Dass Trejo auf Raubein-Rollen festgelegt bleibt, ficht ihn nicht an: „Wen soll ich denn mit diesem Gesicht sonst spielen?“ Doch seine Selbsteinschätzung greift zu kurz. 2006 erntete er in dem Drama „Sherrybaby“, in dem er als Ex-Junkie der drogenabhängigen Heldin unter die Arme greift, die besten Rezensionen seiner Laufbahn. „Ich wollte das eigentlich nicht spielen, so großartig die Erfahrung dann auch war“, gesteht er. „Aber bei einem Drama sitzt du viel zu viel herum und wartest. Das ist wie im Gefängnis.“

Nur manchmal leidet der Hartgesottene unter seinem Image. So lud er seine Mutter in eine Vorführung von „Machete“ ein, doch in zwei Szenen, in denen er mit barbusigen Schönheiten turtelt, wurde es ihm zu peinlich – „ich hätte ihr am liebsten die Augen zugehalten“. Letztlich gab es doch noch ein Happy End: „Sie war einfach nur stolz auf mich.“ Dafür ist die Schauspielerei denn doch besser geeignet als Banküberfälle.

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