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Rassismus Blackfacing made in China

Eine chinesische Fernsehshow kommt in Afrika nicht gut an. Der Vorfall reiht sich nahtlos ein in andere Peinlichkeiten, die den Afrikanern aus dem Reich der Mitte zugetragen wurden.

China
Die Frühlingsgala ist nur eine von vielen rassistischen Entgleisungen in China. Foto: Screenshot/YouTube Anthony Tao

Was war vom Jahr des Hundes anderes zu erwarten? Es fing bereits dackelhaft an – zumindest in dem Land, in dem das Jahr Mitte Februar beginnt: in China. Dort strahlte das staatliche Fernsehen CCTV auch zu diesem Jahresanfang wieder die vierstündige Frühlings-Gala aus, die zu den beliebtesten Sendungen im Reich der Mitte gehört und von 800 Millionen Chinesen verfolgt wird.

Die von der Kommunistischen Partei selbst produzierte Show besteht aus Musik und Sketchen, mit denen die Partei ihre wichtigsten Botschaften transportiert – in diesem Jahr etwa: Chinas Engagement in Afrika, das unter der Bevölkerung am Jangtse offenbar nicht unumstritten ist.

Der Sketch begann mit einer Darbietung des Shakira-Songs „This time for Africa“, der bereits bei der WM 2010 am Kap der Guten Hoffnung durchgefallen war: Als ob es auf dem Kontinent, dem der Blues, der Jazz und Rumba ihr Leben verdanken, keine Spitzenmusiker geben würde. Zum Sketch selbst traten dann – offenbar erstmals in der Geschichte der Gala – ein paar echte Afrikaner, einer von ihnen als Affe verkleidet, auf. Doch die Hauptfigur war eine braun angemalte Chinesin namens Lou Naiming – mit ausgestopftem Busen und Gesäß sowie einem Obstkorb auf dem Kopf.

Der 13-minütige Sketch war an Schlichtheit kaum noch zu überbieten. Bei der Einweihung der von Chinesen gebauten Eisenbahnlinie zwischen der kenianischen Hauptstadt Nairobi und der Hafenstadt Mombasa (die im vergangenen Jahr tatsächlich stattfand) drängt eine junge afrikanische Schaffnerin einen chinesischen Eisenbahningenieur zur Vortäuschung einer Romanze, um einer arrangierten Ehe zu entkommen.

In Afrika ist man nicht überrascht

Als der Bluff bei der Ankunft der wirklichen – und selbstverständlich chinesischen – Verlobten des Ingenieurs auffliegt, zeigt sich die Mutter der Schaffnerin, Lou Naiming, überraschend verständnisvoll: Sie könne doch keinem Chinesen böse sein, schwelgt die geschwärzte Chinesin, wo diese doch ihr Land aufgebaut und ihrer Tochter einen festen Job verschafft hätten. „Ich liebe die Chinesen“, ruft Naiming schließlich unter dem tosenden Beifall der Zuschauer: „Ich liebe China.“ Als das Echo von der rassistischen Entgleisung des Gala-Zugs nach Afrika drang, zeigte man sich auch dort wie Lou Naiming nicht wirklich überrascht.

Schließlich reihte sich der Vorfall nahtlos in andere Peinlichkeiten, die den Afrikanern aus dem Reich der Mitte zugetragen wurden. Etwa der Werbespot des Waschpulverherstellers Qiaobi, in dem ein afrikanischer Malergeselle von einer chinesischen Hausfrau in eine Waschmaschine gesteckt wird – um nach abgeschlossenem Waschgang als Chinese herausgezogen zu werden.

Viele Afrikaner fragen sich bei solchen Anlässen, ob sie den Versicherungen ihrer chinesischen Brüder wirklich Glauben schenken sollen, dass es sich bei deren Interesse an ihrem Kontinent nicht etwa um eine neue Form des Kolonialismus, sondern um „Kollaboration in Augenhöhe“ handele. Ihnen fällt auch die Reserviertheit der weit über eine Million zwischen dem Kap und Kairo, Dakar und Dschibuti lebenden Chinesen auf: Nicht zufällig sind auf dem Kontinent so gut wie keine afrikanisch-chinesischen Paare zu sehen – während die Zahl europäisch-afrikanischer Paare ständig zunimmt.

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