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Radwegebau Eine Autobahn für Fahrräder

Der Bund will 25 Millionen Euro in den Radwegebau und die Errichtung von sogenannten Schnellwegen investieren. Der Fahrradclub ADFC fordert das Zehnfache.

Radschnellweg Göttingen
Eine Radfahrerin düst über den Göttingener eRadschnellweg. Foto: dpa

Applaus kommt von vielen Seiten – für den Vorstoß der Bundesregierung den Radwegebau im Allgemeinen und die Errichtung von sogenannten Schnellwegen im Besonderen verstärkt zu fördern. Doch die Zustimmung wird in Experten mit einem vernehmlichen Aber versehen.

Das Bundesverkehrsministerium spricht indes von einem „Rekordbeitrag“ von rund 130 Millionen Euro im Jubliäumsjahr – 1817 hat Karl Drais das Zweirad erfunden. Erstmals will der Bund auch 25 Millionen Euro für sogenannte Radschnellwege locker machen. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) sieht zwar einen „ersten Schritt in die richtige Richtung“, bezeichnet die Summe aber als „unterdimensioniert“. Mit den 25 Millionen könnten gerade einmal 15 bis 20 Kilometer Radschnellwege gebaut werden.

Deutschland hänge insgesamt im Vergleich etwa zu den Niederlanden und Dänemark beim Ausbau des gesamten Streckennetzes „hinterher, weil der Bund in einer Verweigerungshaltung verharrt“, bemängelte der ADFC.

Unbestritten ist indes, dass der Ausbau der Infrastruktur für die pedalgetriebenen Fortbewegungsmittel gerade in Ballungsgebieten dringend notwendig ist – insbesondere um Berufspendler zu animieren, aufs Rad umzusteigen. Nach einer aktuellen Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung pendelten im vergangenen Jahr bundesweit 60 Prozent aller Arbeitnehmer zum Job in eine andere Gemeinde – im Jahr 2000 waren es nur 53 Prozent. Spitzenreiter ist München, gefolgt von Frankfurt. Das Pendler-Plus bedeutet auch mehr Staus sowie einen Anstieg der Belastung durch Lärm und Luftschadstoffe in den Städten, da ein Großteil der Pendler mit dem Pkw unterwegs ist.

Der ADFC fordert deshalb schlicht die Verzehnfachung der Unterstützung des Bundes für die Schnellwege. Mit 250 Millionen Euro jährlich sollen Straßen exklusiv für Zweiräder asphaltiert werden, deren Fahrbahnen jeweils zwei Meter breit sind, damit sich die Radler gegenseitig überholen können. Hinzu kommen rechts und links der Piste Streifen für Fußgänger. Die Fahrbahnen sind überdies so ausgelegt, dass man kontinuierlich mit 30 Stundenkilometer fahren kann. Dabei sollen Ampeln oder Kreuzungen ebenso wie enge Kurven tunlichst vermieden werden.

Das Konzept der Autobahnen für pedalgetriebene Fahrzeuge ist alt, umgesetzt ist hierzulande indes kaum etwas. Vom Radschnellweg Ruhr (RS 1) sind zehn von geplanten 100 Kilometern gebaut. Im Rhein-Main-Gebiet wird seit Jahren unter anderem an einer Verbindung zwischen Frankfurt und Darmstadt geplant. Auch in Hannover oder Nürnberg wird viel geprüft und untersucht. In Berlin sollen Ende des Jahres Entscheidungen für zwei oder drei Trassen fallen. Eine potenzielle Schnellstrecke führt von Unter den Linden entlang der Straße des 17. Juni. In den Niederlanden und in Dänemark sind indes schon viele hundert Kilometer realisiert, um Stadtbezirke miteinander und Vororte mit den Innenstädten zu verinden.

Für Helmut Holzapfel, Leiter des Instituts für Mobilitätskultur in Kassel, haben Fahrradautobahnen eine „hochgradig symbolische Funktion“. Zeigten sie doch, dass die Politik „etwas für das Fahrrad erreichen will“. Gleichwohl ist deren Nutzen für den Verkehrsexperten unbestritten: „So kommen Radler sehr sicher zum Arbeitsplatz in der City“, sagte Holzapfel dieser Zeitung. In Kombination mit E-Bikes (Fahrräder mit Elektrohilfsmotor) könne die Zahl der radelnden Pendler erheblich vergrößert werden.

Eine extrem starke Wirkung sei in Städten mit besonderen topografischen Bedingungen zu erwarten – Stuttgart etwa, wo es starke Steigungen gibt.

Doch aus Sicht von Holzapfel ist es mit den Fahrradtrassen nicht getan. Es brauche komplementäre Angebote für widrige Witterungsbedingungen. Der Ausbau der Carsharing-Angebote sei deshalb eine sehr gute Ergänzung. „Allein die Möglichkeit auf ein Carsharing-Auto zurückgreifen zu können, ist enorm wichtig als Absicherung – auch für besondere Fälle“, erläutert der Verkehrsexperte. In Kombination mit einem guten Angebot im öffentlichen Nahverkehr könne die Nutzung des Rades insgesamt nachhaltig verstärkt werden.

Auch für den ADFC werden Schnellwege allein „es nicht richten“, so eine Sprecherin. Es sei ein „gutes Klima“ für Radler insgesamt nötig – etwa durch den Ausbau der Radwege in den Städten.

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