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Psyche Depression, Angst und Panik

Drastischer Anstieg psychischer Erkrankungen bei jungen Menschen.

Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Panikattacken machen den Beschäftigten immer mehr zu schaffen und haben in den vergangenen Jahren zu einer drastisch steigenden Zahl von Krankschreibungen und Fehltagen geführt. Dafür wird unter anderem der erhöhte Leistungsdruck verantwortlich gemacht. Doch sind davon nur Menschen betroffen, die bereits im Arbeitsleben stehen? Die Krankenkasse Barmer hat sich die Zahlen ihrer Versicherten genau angeschaut und kommt zu einem erschreckenden Ergebnis: Allein zwischen 2005 und 2016 ist der Anteil der 18- bis 25-Jährigen mit psychischen Diagnosen um 76 Prozent gestiegen. Selbst die bisher als weitgehend gesund geltende Gruppe der Studierenden ist stark betroffen: Fast eine halbe Million Studenten waren wegen psychischer Störungen in Behandlung. Das ist fast jeder sechste Studierende.

„Gerade bei den angehenden Akademikern steigen Zeit- und Leistungsdruck kontinuierlich an, hinzu kommen finanzielle Sorgen und Zukunftsängste“, sagte Barmer-Chef Christoph Straub bei der Vorstellung des „Arztreports 2018“ am Donnerstag in Berlin. „Die Probleme können bei den betroffenen Studierenden so groß werden, dass der normale Studentenalltag nicht mehr zu bewältigen ist, es vielfach zu Studienabbrüchen kommt und ein beträchtlicher Teil in existenzielle Krisen gerät“´, so Christoph Straub weiter.

Besonders gefährdet sind nach den Barmer-Zahlen ältere Studierende, wobei sich angehende Akademiker zunächst sogar als stabiler erweisen als ihre Altersgenossen: Im 18. Lebensjahr erkranken 1,4 Prozent der Studierenden erstmals an einer Depression, während es bei den Nichtstudierenden 3,2 Prozent sind. Das Verhältnis dreht sich bei den Mitte 20-Jährigen dann um: Hier liegt der Krankenanteil bei Studierenden bei 3,9 Prozent, bei Nichtstudierenden nur bei 2,7 Prozent. Anhand der Barmer-Zahlen lässt sich auch nachweisen, dass psychische Erkrankungen bereits in der Jugend einen Einfluss darauf haben, ob später ein Studium aufgenommen wird. „Bei Jugendlichen mit einer psychischen Störung im Alter von 17 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit für eine Studienaufnahme in der Folgezeit um etwa ein Drittel reduziert“, sagte Studienleiter Joachim Szecsenyi vom Aqua-Institut in Göttingen.

Die Barmer forderte mehr Angebote, um frühzeitig schwere psychische Erkrankungen zu vermeiden. „Häufig meiden Betroffene, bei denen Depressionen und Angstzustände bereits ausgebrochen sind, aus Scham den Gang zum Arzt“, sagte Kassenchef Straub. Die Kasse sehe daher großes Potenzial in Online-Angeboten, wenn sie anonym seien und den Nutzungsgewohnheiten der „Generation Smartphone“ entsprächen, so Straub. Er verwies auf entsprechende Angebote der Barmer.

Die Krankenkasse verbindet mit den Online-Angeboten eine weitere Absicht: Sie hat festgestellt, dass fast 28 Prozent der jungen Erwachsenen bereits bei einer leichten depressiven Episode eine Psychotherapie bei einem niedergelassenen Therapeuten in Anspruch nehmen. Bei den schwer depressiv Erkrankten sei die Quote nur geringfügig höher, sagte Straub. „Nicht bei jeder schlechten Phase benötigt man gleich einen Psychotherapeuten“, so der Kassenchef. Es müsse darum gehen, die starke Inanspruchnahme der begrenzten Therapieplätze bei nur leichten Problemen zu senken, um Platz zu schaffen für Betroffene, die dringender eine Unterstützung bräuchten. Hier komme den Hausärzten eine wichtige Funktion als Lotse zu, betonte Studienautor Szecsenyi.

Nach den Zahlen der Barmer sind inzwischen insgesamt fast zwei Millionen junge Erwachsene in Deutschland von einer psychischen Erkrankung betroffen, das entspricht etwa 26 Prozent der gesamten Altersgruppe. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prognostiziert, dass Depressionen in den Industrieländern schon bald die Hauptursache für vorzeitigen Tod sein werden, noch vor der Erkrankung der Herzkranzgefäße, Alzheimer oder Diabetes.

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