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Prozess in Ludwigshafen 23-Jähriger gesteht Mord an Lehrer

Er habe sich jahrelang gedemütigt gefühlt und sich dafür rächen wollen, nannte der 23-jährige Angeklagte als Grund für den Amoklauf an seiner früheren Berufsschule.

28.09.2010 15:21
An dieser Schule fand im Februar 2010 ein Amoklauf statt. Foto: dapd

Er habe sich jahrelang gedemütigt gefühlt und sich dafür rächen wollen, nannte der 23-jährige Angeklagte als Grund für den Amoklauf an seiner früheren Berufsschule.

Im Prozess um die Tötung seines früheren Lehrers hat der 23-jährige Angeklagte am Dienstag die Tat gestanden. Er habe sich für die jahrelangen Demütigungen rächen wollen, die er schon von Kindesbeinen an von den verschiedensten Seiten her erfahren habe, sagte der junge Mann zum Prozessbeginn am Dienstag vor dem Landgericht Frankenthal (Rheinland-Pfalz). Warum er sich dabei ausgerechnet seinen früheren Mathelehrer als Opfer ausgesucht habe, könne er selbst nicht sagen. Dieser habe ihn zwar schlecht benotet, doch ansonsten gebe es nichts, was er dem Mann hätte vorwerfen können, erklärte der 23-Jährige. In einer Tagebuchaufzeichnung, die der junge Mann zum Teil in einem Blog im Internet veröffentlichte, hatte er die Tat lange zuvor angekündigt.

Der Angeklagte bestätigte zum Prozessauftakt den von der Staatsanwaltschaft vorgetragenen Tatablauf. Demnach war er am 18. Februar mit einem Kampfmesser und einer Schreckschusspistole bewaffnet in seine frühere Berufsschule in Ludwigshafen gegangen, die er bereits sechs Jahre zuvor verlassen hatte. Vor einem Klassenraum verwickelte er seinen früheren Mathelehrer nach dem Unterricht in ein Gespräch und brachte ihn dazu, mit ihm durch ein menschenleeres Treppenhaus zu gehen. Dort stach er mit dem Messer mehrfach auf sein ahnungsloses Opfer ein. Der 58-Jährige erlag noch am Tatort seinen Verletzungen. Er habe, als er den Lehrer am Boden liegen sah, „gar nichts“ gefühlt, sagte der Angeklagte.

Bei seiner polizeilichen Vernehmung hatte der 23-Jährige angegeben, er habe den Lehrer für seine schlechten Noten verantwortlich gemacht. Dieser habe ihn auch nicht vor den Demütigungen und Mobbing der anderen Schüler geschützt. Bereits seit der zweiten Klasse sei er wegen seines Übergewichts immer wieder gehänselt und auch körperlich angegangen worden, sagte er nun vor Gericht. 2002 war er nach einem Suizidversuch sogar für einige Montage in einer Psychiatrie behandelt worden.

Laut Anklage Mord aus niederen Beweggründen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Mord aus niederen Beweggründen vor. Es habe keinen konkreten Anlass für die Tat gegeben, sagte Oberstaatsanwalt Udo Gehring. Der 23-Jährige habe sich aus tief empfundenem Hass an seinem früheren Lehrer rächen wollen, weil dieser ihn angeblich zu schlecht benotet und ihm dadurch eine berufliche Perspektive verwehrt habe. Der 23-Jährige selbst gestand, die Tat lange zuvor geplant zu haben. Er habe gezielt den 58-Jährigen töten wollen.

Nachdem der 23-Jährige noch mit einer Schreckschusspistole um sich schießend durch die Schule gelaufen war und zwei bengalische Feuer angezündet hatte, ergab er sich schließlich der Polizei. Weitere Verletzte gab es nicht. Bei der Durchsuchung der Wohnung des jungen Mannes nach der Tat fand die Polizei zahlreiche Schusswaffen und Chemikalien, die sich zum Bau von Sprengsätzen eignen. Das sei sein Hobby gewesen und es habe ihn einfach fasziniert, sagte der Angeklagte. Zudem wurde bei ihm eine „Todesliste“ mit den Namen mehrerer Lehrer und eines Schülers gefunden.

In Tagebuchaufzeichnungen, die der Vorsitzende Richter vorlas, kündigte der 23-Jährige bereits für August 2008 an: „Ich plane einen Amoklauf in Ludwigshafen.“ Damals habe er jedoch scharfe Waffen benutzen wollen, sagte der Angeklagte vor Gericht. Dann habe ihm dafür jedoch der Mut gefehlt.
Für den Prozess sind drei weitere Verhandlungstermine anberaumt. Ein Gutachter soll die Schuldfähigkeit des Angeklagten prüfen.

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