Lade Inhalte...

Prinz Charles Die Lieblingsgemälde des Prinzen

Anlässlich des 70. Geburtstages des Thronfolgers und Kunstliebhabers Prinz Charles ist eine Ausstellung in London zu sehen. FR-Autor Sebastian Borger hat sich im Buckingham-Palast umgeschaut.

Buckingham-Palast
Sieht gemütlich aus: ein Pavillon von Nasser Mansouri in der Ausstellung „Prince and Patron“ im Buckingham-Palast. Foto: dpa

Schon verständlich, dass Elizabeth II. sich im Sommer nicht so gern im Buckingham-Palast aufhält. Mitten in der diesjährigen Hitzeperiode scheint in den meisten der repräsentativen Räume die Klimaanlage versagt zu haben, die Atmosphäre ist recht stickig. Oder liegt das an den vielen Menschen, die voller Bewunderung, aber schwitzend, durch die Säle schlendern?

Es ist wieder Öffnungszeit bei den Royals. Jedes Jahr, wenn die Monarchin und ihre Mitarbeiter auf Schloss Windsor, von August an im herrlich kühlen schottischen Schloss Balmoral weilen, dürfen gewöhnliche Untertanen und ausländische Touristen den Palast besichtigen, gegen saftigen Eintritt, versteht sich. Wohlgemerkt: Der Palast verfügt über 775 Zimmer, zugänglich davon ist nur der repräsentative Teil. Aber wer will schon Elektrokabel und Heizungsrohre aus den 1950er Jahren besichtigen, die Mitarbeitern der königlichen Instandhaltungsabteilung den Angstschweiß auf die Stirn treiben?

Nicht umsonst soll die dringend nötige Sanierung 369 Millionen Pfund (413 Millionen Euro) kosten. Vielleicht gibt es dann auch eine funktionierende Klimaanlage, wer weiß. Von der Königin weiß man jedenfalls, dass sie von ihrem Palast, zu Beginn des 18. Jahrhunderts als Stadtresidenz für den Herzog von Buckingham gebaut, ungefähr ebenso viel hält wie einer ihrer Vorgänger.

William IV. (1830–37) wollte die alten Gemäuer schon 1834 loswerden. Ein Großbrand hatte das Parlamentsgebäude, den Palast von Westminster, verwüstet; großzügig bot der König den Buckingham-Palast als Ersatz an, gegen hohes Entgelt, versteht sich. Doch Lords und Commoners machten kurzen Prozess mit Williams verzweifeltem Versuch, das ungeliebte Bauwerk abzustoßen: Der Palast sei doch recht „schäbig“, hieß es naserümpfend.

Also bitte, dieses abwertende Urteil lässt sich aus unserer Besichtigung nicht nachvollziehen. Zwei bis zweieinhalb Stunden solle man sich schon nehmen, raten die Verantwortlichen. Tatsächlich könnte man diese Zeit vergnügt ausschließlich in der 47 Meter langen Gemäldegalerie verbringen, wo en masse grandiose Kunstwerke holländischer Meister des 17. Jahrhunderts wie Vermeer, Rubens, Teniers und van Dyck hängen. Aber auch die anderen gut 20 Säle im Hauptgebäude, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts vom klassizistischen Architekten John Nash gestaltet wurden, können sich sehen lassen.

In diesem Jahr konzentriert sich das Interesse auf den Ballsaal und den angrenzenden Erholungssaal („Ball Supper Room“). Dort feiert eine kleine Ausstellung den „Prinzen und Gönner“, Thronfolger Charles, der im November sein 70. Lebensjahr vollendet. Gemeint ist die Förderung der schönen Künste und der ihnen zugrundeliegenden handwerklichen Fähigkeiten – der Geehrte selbst gilt als einigermaßen talentierter Maler und Zeichner.

Da hängen nun Lieblingsgemälde des Prinzen wie die Porträts seiner Großmutter, der legendären Queen Mum (Porträt von Michael Noakes), und seiner beiden Söhne William und Harry neben Johann Zoffanys „Tribuna der Uffizi“ aus den 1770er Jahren. Nach dem Vorbild des faszinierenden Bildes, das ein achteckiges Zimmer im berühmten Florentiner Museum zeigt, haben die Innendesigner den Saal zu einem ebenfalls achteckigen Ausstellungsraum umgestaltet.

Zu sehen ist dort ein normalerweise auf Schloss Windsor aufbewahrter Mantel des Kaisers Napoleon, von diesem nach der vernichtenden Niederlage bei Waterloo 1815 eilig auf dem Schlachtfeld zurückgelassen und von siegreichen englischen Truppen dem späteren König George IV. präsentiert. Als Blickfang fungiert ein Sekretär aus dem 17. Jahrhundert, ein wirklich sensationelles Beispiel der Schnitzkunst, die in der prinzlichen Schule für traditionelle Künste ebenso gelehrt wird wie anderes Kunsthandwerk.

Immer neue solcher Erziehungseinrichtungen und Stiftungen hat der Prinz im Wartestand gegründet. Mal war die Architektur sein Hauptinteresse, mal das Porträtzeichnen. Seine 2006 initiierte Stiftung Turquoise Mountain hat inzwischen mehr als 5000 Bau- und Kunsthandwerker in Afghanistan ausgebildet. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 30. September.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen