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Piaggio Ape Knatter-Greis

Wendig und robust: Die erste Ape von Piaggio tuckerte vor 70 Jahren durch die engen Gassen italienischer Städte. In Asien und Afrika schwören die Menschen auf das vielseitig einsetzbare Dreirad.

Ape
Kühl-Wagen: Bis heute gibt es in den Kabinen der Ape keine Heizung. Foto: afp

Der Name bedeutet Biene. Doch statt leise zu summen, knattert die Ape lautstark durch die Gassen italienischer Bergdörfer und über kleine Mittelmeerinseln. Im chaotischen Verkehr von Großstädten wie Rom oder Neapel ist das kleine dreirädrige Transportgefährt inzwischen eher selten zu sehen, außer auf Straßenmärkten, vollgepackt mit Obstkisten oder Blumen, als mobiler Verkaufsstand.

Dafür hat die Ape, die von ihren Erfindern 1947 zum ersten Mal auf einer Messe vorgestellt wurde und seit 1948 über Asphalt und Kopfsteinpflaster holpert, den Sprung in die Welt geschafft. In vielen Ländern Asiens und Afrikas ist sie als Taxi und Mini-Laster im Einsatz.

Enrico Piaggio und Chefingenieur Corrado d’Ascanio

Was der Name andeutet, aber nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist: Die Ape ist eine enge Verwandte der legendären Vespa, die übersetzt Wespe heißt. Ebenso wie der knuffige Roller ist sie eine Ikone italienischen Designs und Lebensstils.

Ihre Erfinder, der Unternehmer Enrico Piaggio und sein Chefingenieur Corrado d’Ascanio, frühere Flugzeugbauer, hatten sich nach dem Zweiten Weltkrieg umorientieren müssen. 1946 brachten sie die Vespa als günstiges Massenverkehrsmittel auf den Markt. Weil der Roller so großen Erfolg hatte, dachten die beiden recht bald über eine Weiterentwicklung nach. 

Piaggio und D’Ascanio verwandelten das Hinterteil in eine Ladefläche

Autos waren damals nur wenige unterwegs, kaum jemand konnte sich eins leisten. Aber die Wirtschaft begann zu boomen. Und die vielen Händler, Handwerker und Bauern brauchten für Fracht und Lieferungen ein modernes und günstiges Gefährt. Piaggio und D’Ascanio verwandelten dafür das Hinterteil des Vespa-Rollers einfach in eine Ladefläche mit zweirädriger Achse.

Die Ape war geboren, ein dreirädriger Roller-Pritschenwagen mit Zweitakt-Motor, eine fleißige Arbeitsbiene, robust, zuverlässig, billig im Betrieb, spartanisch. Sie war und ist mit knapp 1,30 Meter Breite so schmal, dass sie auf Feldwege und durch die engsten Altstadtgassen passt. Der Fahrer saß auf einem Moped, konnte aber auf der Pritsche bis zu 200 Kilogramm transportieren, egal ob Weinflaschen, Wassermelonen, Heuballen oder Zementsäcke.

Später wurden auch Ape-Kastenwagen gebaut, in den Fünfzigerjahren kam dann eine Fahrerkabine dazu, die vor Wind und Wetter schützt – auch wenn es bis heute keine Heizung gibt. Das Modell Ape Calessino mit Rückbank für zwei Mitfahrer und offener Kabine war erstmals in den Fünfzigern auf der Insel Capri als Taxi unterwegs.

Ape: Jetzt auch in Indien hergestellt

Mitte der Sechziger kam auch ein Modell mit Lenkrad auf den Markt. Die Ape war das erste Auto, das mit einem Moped-Führerschein gefahren werden konnte, schon 14-Jährige durften sie steuern. Bei Jugendlichen, vor allem auf dem Land, war sie entsprechend beliebt. 

Das Erscheinungsbild hat sich im Lauf der Jahrzehnte etwas gewandelt, anfangs war die Ape rundlich wie die Vespa, dann wurde sie zunehmend kantiger. Es gibt inzwischen viele verschiedene Modelle, das spartanische Grunddesign ist aber fast unverändert. Bis heute sind in Europa 2,5 Millionen Stück verkauft worden.

Inzwischen wird die Ape aber nicht mehr nur im italienischen Pontedera bei Pisa hergestellt, dem Firmensitz von Piaggio. Seit 1999 laufen jährlich mehr als 150.000 Modelle in Baramati in Indien vom Band. Auf dem Subkontinent ist die neue Ape Calessino im runden Retrostil marktführend als motorisierte Rikscha. Sie ist wendig genug, um im Stau zwischen Karren, Kühen und Autos zu manövrieren, bis zu vier Personen finden in ihr Platz, auf dem Dach ist Platz für Gepäck, Markteinkäufe oder Reissäcke. Und sie hat eine lange Lebensdauer. 

Vielseitig einsetzbar: Backofen auf Ape montiert 

Seit einiger Zeit rollen auch in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh und an den Tempelanlagen von Angkor Wat Ape-Taxis. Erst vor wenigen Tagen hat Piaggio in Indien neue Modelle vorgestellt, die mit Metangas fahren. Und auch in Ländern wie Nigeria und Ägypten drängt das Unternehmen auf den Markt. „Die Ape ist das ideale Gefährt für Länder, deren Wirtschaft in einer Expansionsphase ist“, sagt Piaggio-Präsident Roberto Colanino. 

Im seiner krisengebeutelten Heimat Italien findet das Dreirad Verwendung bei Leuten, die sich eine Arbeit und Existenzgrundlage erfinden wollen. Egal ob als mobile Eisdiele, als Food-Car, Bücherstand, als Mini-Boutique für selbst genähte Kleider, als Sightseeing-Vehikel für Touristen oder als romantisches Gefährt für Hochzeitspaare – eine günstig erstandene Gebraucht-Ape ist vielseitig einsetzbar. In Palermo gibt es sogar Pizzabäcker, die einen Backofen auf ihre Ape montiert haben. So können sie das Nationalgericht vor der Haustür der Kunden zubereiten.

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