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Peter Maffay „Zeit wird nach hinten raus immer wertvoller“

Peter Maffay spricht im Interview über alte Freunde und gute Bekannte, die Verlockungen des Showbusiness und warum er keine Lust mehr hat auf unnötige Experimente.

Peter Maffay
„Ich bilde mir zwar ein, genügend Menschenkenntnis zu besitzen, um mich nicht blenden zu lassen“, sagt Peter Maffay, „aber es passiert dann doch.“ Foto: Christoph Boeckheler

Im Vorzimmer wird fröhlich geduzt und über den richtigen Zeitpunkt für das Mittagessen beraten. Ein Zimmer weiter sitzt Peter Maffay an einem Tisch, dessen Größe das ohnehin recht kleine Büro noch kleiner wirken lässt. „O-Saft oder Wasser? Plätzchen?“, fragt Maffay, steht auf und kümmert sich. Da ist er ganz unprätentiös. Wieder am Platz lehnt er sich zurück, legt eine Hand auf den Tisch und sagt: „Ich bin bereit.“ Das könnte auch ein Albumtitel sein. Derzeit ist der 68-Jährige mit seinem Unplugged-Album, für das er unter anderem Katie Melua, Johannes Oerding und Ilse DeLange als Gäste gewinnen konnte, auf Platz 1 der deutschen Charts, die ersten Konzerte seiner Tournee im Februar und März 2018 sind ausverkauft. Er sitzt in Talkshows oder gibt Interviews in kleinen Büros wie an diesem Tag beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Er hat schon ein paar Gespräche hinter sich und wirkt müde. Aber die Aussicht, über Freundschaft zu reden, entlockt ihm ein Lächeln. Im Gespräch ist Maffay nachdenklich und konzentriert, er redet bedächtig und nimmt sich Zeit, bevor er antwortet. Das Thema ist ihm zu wichtig, um einfach drauflos zu plaudern.

Herr Maffay, als Musiker sind Sie viel unterwegs und oft unter Menschen. Vermissen Sie manchmal, mit einem alten Freund ganz in Ruhe zusammenzusitzen?
Hin und wieder treffe ich alte Freunde, und dann haben wir im besten Fall auch Zeit und Ruhe, uns zu unterhalten. Aber jetzt, da Sie es ansprechen, merke ich, dass ich solche Momente gerne häufiger hätte. Auf der anderen Seite sind wir Menschen von Leistungsdruck und dem Terminkalender getrieben, und so bleibt es – auch wenn wir heute immer und überall in Kontakt treten können – oftmals doch nur bei Ermahnungen, sich mal wieder zu treffen.

Verändern Ruhm und Erfolg solche alten Freundschaften?
In gewisser Weise schon. Aber es kann ja auch sein, dass Freundschaften einfach aufhören, zu existieren – und das liegt dann nicht daran, dass einer berühmter ist als der andere. Es gibt in meinem Leben Freundschaften, die einfach nicht mehr fortgeführt werden, weil man sich verändert oder sich aus den Augen verliert. Andererseits habe ich einen guten Freund, der in Brasilien lebt. Die Distanz ist zu groß, wir sehen uns einfach nicht. So lässt zwar die Intensität des Kontaktes nach, das sagt aber nichts über die Qualität der Freundschaft aus.

Wann haben Sie ihn zuletzt getroffen?
Vor zwanzig Jahren.

Eine lange Zeit...
Aber ich bin mir sicher, wenn wir uns morgen über den Weg laufen, geht das nahtlos weiter.

Was macht Sie da so sicher?
Es gibt Dinge, die die Zeit überdauern. Weil die Seelenverwandtschaft tief genug reicht.

Es heißt ja, von diesen alten, tiefen Freundschaften hat man vielleicht zwei oder drei…
Ich hab das noch nie gezählt, aber es sind mehr als zwei oder drei. Vor allem ist es ein gutes Gefühl, dass es sie gibt. Und ich bin mir ziemlich sicher, sollte ich mal Hilfe brauchen, dann sind diese Menschen für mich da. Umgekehrt übrigens genau so.

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