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Peter Kraus "Sugar Baby ist meine Visitenkarte"

Peter Kraus spricht im Interview über günstige Steuern in der Schweiz, Vorzüge der Hausfrauen-Ehe und sein Ziel, im Alter das Genießen zu lernen.

Peter Kraus (Archivbild) Foto: dpa

Peter Kraus wirkt wirklich jung, ein bisschen wie der nette Junge von nebenan, obwohl er am 18. März 75 Jahre alt geworden ist. Er ist gertenschlank, spricht mit leichtem bayerischen Zungenschlag, die Hände reden ständig mit. Er wechselt öfter die Sitzposition, bleibt dabei stets zugewandt. Beiläufig erwähnt er, dass das Ehepaar Kraus kaum gleichaltrige Freunde hat. Jung sein und bleiben ist in den vergangenen Jahren ein Markenzeichen des Sängers geworden, der in den 50er Jahren als „deutscher Elvis“ galt. Gerade hat er sein neues Album „Zeitensprung“ herausgebracht und bereitet seine Abschiedstournee vor.

Herr Kraus, Sie sind auch aus steuerlichen Gründen schon vor Jahren in die Schweiz ausgewandert. Wie finden Sie das Urteil im Fall Hoeneß?
Ich hatte nicht die Zeit, das im Detail zu verfolgen und will es auch nicht kommentieren. Für mich war die Schweiz damals zwar steuerlich interessant, aber das war nicht der Grund. Mehr als das Steuerparadies zählte das Wasserski fahren. Am Starnberger See wurde es verboten, am Luganer See war es noch erlaubt, bis heute darf man dort völlig frei fahren.

Es ist ja auch eine schöne Gegend.
Ich wollte immer eine Insel haben, auf die ich mich zurückziehen kann. In die Landschaft im Tessin habe ich mich gleich verliebt, als ich dort einen Film gedreht habe.

Von Ruhe kann im Moment noch nicht die Rede sein. Sie sind 75 Jahre alt und singen auf Ihrem neuen Album Hits von Marteria, Tim Bendzko und Culcha Candela, von Musikern, die fast Ihre Enkel sein könnten. Bleiben Sie damit bis zum Schluss Ihrem Ruf als Berufsjugendlicher treu?
Daran habe ich bestimmt nicht gedacht. Wir covern auch nichts, wir beamen aktuelle Hits in eine andere Zeit. Ich habe überlegt, wie ich sie in den 50er Jahren gesungen hätte. Ursprünglich sollten es nur sehr jugendliche Popsongs wie „Hammer“ oder „Lila Wolken“ sein. Ich wollte dann noch Highlights von Interpreten dazu nehmen, die ich sehr schätze, wie Udo Lindenberg und Ute Freudenberg. So ergab sich das große Spektrum.

Aber auf Ihrer neuen Tournee singen Sie auch die alten Songs?
Na logisch, „Sugar Baby“ ist meine Visitenkarte. Ich freue mich, wenn das Publikum nicht Peter, sondern „Sugar Baby“ ruft. Außerdem ist das neue Album viel zu kurz für zwei Stunden Konzert.

Den Tiger markieren Sie auch jedes Mal noch. Haben Sie keine Angst, das er irgendwann lächerlich wirkt?
Ich persifliere mich in diesem Song doch sowieso. Deswegen lasse ich mir bei jeder Tournee etwas Neues für diesen Klassiker einfallen. Das letzte Mal hatte ich einen Rocker dabei. Diesmal wird es wieder lustig, mehr verrate ich nicht.

Sie galten als Deutschlands erster Rock‘n‘Roller, waren aber nur kurz ein Rebell, der nette Junge und Schlagersänger ließ sich besser verkaufen. Wie wichtig war Ihnen das Geld am Beginn der Karriere?
Das war nicht nur für mich wichtig, sondern in erster Linie für die Plattenfirma. Die wollte ja nicht meine künstlerischen Wünsche erfüllen, sondern in erster Linie Kohle machen. Und der Vertrag wird nur verlängert, wenn das funktioniert.

Wären Sie lieber der deutsche Elvis Presley geblieben?
Nein, mit Rock’n‚Roll hatte man damals keinen Erfolg. Die Jugend war ja nicht frei, verfügte nicht in dem Maß über eigenes Geld wie heute. Ich musste mich also immer auf einer Gratwanderung bewegen, ein bisschen Rebell, Freund der Jugend, Kumpel, und gleichzeitig auch einer, der gar nicht so schlimm ist, ein annehmbarer Schwiegersohn, damit die Mama das Geld für die Platte gab.

Das hat funktioniert. Sie konnten sich mit 18 Jahren einen Sportwagen leisten und haben Ihren Eltern ein Haus gebaut. War das eine gute Motivation?
Klar, es war damals eine Sensation, so jung so viel Geld zu verdienen. Mein Vater hat gesagt: Bau ein Haus, dann hast du ununterbrochen was zu bezahlen und kommst nicht auf die Idee, das Geld rauszuhauen. Er hat Recht gehabt.

Sie haben das Geld zusammengehalten.
Das war auch lange nicht so schwer wie heute, weil unsere Träume vergleichsweise bescheiden waren: ein tolles Auto, zwei Maßanzüge, schicke Hemden. Wir haben weder Weltreisen unternommen, noch in teuren Hotels geschlafen. Auch als ich schon gute Filmgagen bekam, haben wir in einer Pension mit Gemeinschaftsbad gewohnt.

Damals haben Sie noch den One-Night-Flirt mit Groupies praktiziert. Jetzt sind Sie 45 Jahre mit einer Frau verheiratet, die ihre Karriere aufgab, um Ihnen den Rücken freizuhalten. Glauben Sie, dass die Hausfrauen-Ehe eine Zukunft hat?
Sie ist natürlich ein Auslaufmodell. Junge Leute können sich so eine Beziehung kaum noch vorstellen. Aber ich glaube, wenn ein Ehepaar es sich leisten kann, dass die Frau nur noch für die Familie da ist, wird es viel leichter, eine Ehe aufrecht zu erhalten. Wenn die Frau die Doppelbelastung stemmt und der Mann zu Hause mithelfen muss, gibt es viel mehr Streit.

Die Frau muss also Opfer bringen.
Warum sprechen moderne Frauen immer von Opfern? Meine Frau findet das Leben so am schönsten. Sie kann das machen, was ihr Spaß macht, muss keine Boutique aufmachen oder Schmuck designen, um irgend etwas zu beweisen. Sie ist liebend gerne Hausfrau, warum ist das so schwer zu verstehen? Wir haben jetzt einen zweiten Wohnsitz, einen Bauernhof in der Steiermark mit riesigem Garten, Tieren, die versorgt werden müssen. Das macht ihr Spaß.

Sie streiten angeblich nie mit ihr, wird das nicht langweilig.
Nein, wir versuchen eins zu sein. Wer sich so lange kennt, weiß genau, wenn ich das sage, erwidert der andere jenes, dann gibt es Streit, danach kuscheln wir wieder zur Versöhnung. Das wird vorhersehbar. Wir kuscheln lieber gleich, lassen den Rest aus und schimpfen gemeinsam über die ganze Welt. Das ist doch viel schöner (lacht).

Ihrer Frau zuliebe wollen Sie in diesem Jahr zum letzten Mal auf Tournee gehen. Meinen Sie das ernst. Werden Sie wirklich aufhören?
Natürlich nicht. Einzelne Konzerte werde ich weiter geben. Da kann ich am Abend mit meinen Musiker-Jungs, die ja eine andere Generation sind, auch mal feiern bis fünf, darf übernächtigt sein, was ich sehr gerne bin, und heiser, weil ich am nächsten Tag nicht gleich wieder singen muss. Aber diese langen Touren, bei denen ich monatelang unterwegs bin, jeden Abend ein Konzert gebe, wird es nicht mehr geben. Das Haushalten mit den Kräften und der Gesundheit wird im Alter schon wichtiger.

In den vergangenen Jahren ernten Sie zunehmend Respekt, weil Sie unglaublich jung wirken. Dass Sie die Augenlider liften ließen, ist offiziell. Wie haben Sie sonst noch nachgeholfen?
Die Lidkorrektur ist doch schon 20 Jahre her.

Wirklich kein Botox, kein sanftes Facelifting?
Das bringt doch nichts. Ich glaube, das Wichtigste am Menschen ist der Körper, nicht das Gesicht. Auf die Körpersprache kommt es an, sie lässt viele Falten verschwinden. Wer sich wie ein alter Mensch bewegt, dem nutzt eine glatte Haut auch nichts. Ich achte sehr auf meine Beweglichkeit, dafür gebe ich mir richtig Mühe. Wenn ich unterwegs bin, trainiere ich mit einem Gummiband, mache Klimmzüge, gehe viel spazieren.

Also kein spezielles Anti-Aging-Programm. Aber Sie treiben viel Sport.
Ja, aber nicht diese neumodischen Methoden, Pilates oder Power Plate, das ist immer wieder das Gleiche unter neuem Namen. Ich paddle gern, fahre Wasserski, auch Alpin-Ski, allerdings nur noch auf der Piste, springe Trampolin, am besten zu Rock‘n‘Roll. Übungen muss man mit dem Herzen machen, Bewegung mit Freude, das ist mein Rezept.

Zumindest das Training auf der Bühne wird nächstes Jahr seltener. Wie schwer fällt es Ihnen, kürzer zu treten?
Ich bemühe mich sehr. Ich habe auch Erfolge. Kürzlich habe ich es geschafft, in einer Schlange am Flughafen zu warten, ohne wahnsinnig zu werden, oder mich mit den Ellenbogen durchzudrängeln. Ich habe mich gezwungen meinem Alter gemäß Schritt für Schritt langsam vorwärts zu gehen. Ich schaffe das. Mein Ziel ist es, mehr zu genießen. Mal eine Stunde auf den See zu schauen, ein Pfeifchen dazu rauchen, darin bin ich bisher nicht so gut. Das übe ich noch.

Was haben Sie musikalisch noch vor?
Wenn ich mal träumerisch reden darf – ich würde die Zusammenarbeit mit jungen Musikern gern ausbauen. Vielleicht will der Herr Bendzko mal mit einem Opa singen. Auch schauspielern würde ich noch. Leider gibt es kaum Angebote, und einen alternden Schlagersänger will ich nicht spielen. Das habe ich nur vergangenes Jahr einmal gemacht, weil ich die Figur in dem Film von Wolfgang Groos sehr gut fand.

Sie haben noch viel vor. Trotzdem – wer zu Lebzeiten schon ein eigenes Museum hat, das ein Fan in Zürich für Sie eingerichtet hat, den darf man das fragen: Wie würden Sie der Welt am liebsten in Erinnerung bleiben?
Als einer, der den Menschen Freude gebracht hat und ihnen nicht mit komischen Promotion-Gags auf den Keks gegangen ist, also einfach als sympathischer Mensch, das genügt doch.

Interview: Regine Seipel

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