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Partnerunternehmen Anadarko Die dunkle Schwester von BP

BP hält nur einen 65-Prozent-Anteil an der Bohrlizenz im Golf von Mexiko. Und das Partnerunternehmen Anadarko will sich um Schadenersatz für die Ölpest drücken. Von Jakob Schlandt

Brennendes Öl im Golf von Mexiko. Foto: dpa

Es klingt wie ein zynischer Witz: Alle Einnahmen, die durch den Verkauf des im Golf von Mexiko eingesammelten Öls anfallen, das nach wie vor aus der lecken Macondo-Quelle sprudelt, will die an der Bohrung beteiligte Firma an wohltätige Organisationen der Region vergeben - als einzigen Akt der Wiedergutmachung. Ginge es um BP, wäre ein öffentlicher Aufschrei sicher. Doch das geschmacklose Versprechen kommt von der Anadarko Petroleum Corporation - der kleinen, dunklen Schwester von BP.

BP hält lediglich einen 65-prozentigen Anteil an der Bohrlizenz im Golf von Mexiko, wird aber in der Öffentlichkeit quasi als Alleinschuldiger behandelt. Weitere 25 Prozent an Macondo und der Bohrung hält indes Anadarko, dessen Name kaum in den Nachrichten auftaucht. Der Ölkonzern, benannt nach einem Städtchen mit gut 6000 Einwohnen in Oklahoma, sitzt in Texas. Mit 4300 Mitarbeitern und zuletzt jährlich neun Milliarden Dollar Umsatz gehört er zu den großen Kleinen in der Ölbranche.

Während BP sofort die Verantwortung auf sich nahm und versprach, die Schäden zu bezahlen, setzt Anadarko auf Totalverweigerung. Mitsui, ein riesiger japanischer Mischkonzern, hält die restlichen zehn Prozent. Bis auf ein Statement, wonach man die Situation "beobachte", hält sich Mitsui bislang bedeckt.

Existenzbedrohend ist die Lage für Anadarko. 25 Prozent der Kosten des Unglücks zu übernehmen, die sich geschätzt auf 40 bis 100 Milliarden Euro summieren könnten, würde den Konzern mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Insolvenz treiben.

Kampfansage an BP

Zwei Monate lang gab es von dem Unternehmen keine öffentliche Reaktion auf das Unglück - ganz so, als habe der Konzern nichts damit zu tun. Vor einer Woche überraschte Anadarko dann mit einer Mitteilung, die neben der geschmacklosen Ankündigung über die Spende eine Kampfansage an BP enthielt. In der Tat liegt auf BP als Mehrheitseigner und operativ Verantwortlichem eine besondere Last.

BP, so Anadarko, habe "verantwortungslos" gehandelt und die Katastrophe "grob fahrlässig" oder gar "mit Vorsatz" verursacht. Das hieße nach Lesart von Anadarko, sich um den Schadensersatz drücken zu können.

Doch der Nachweis grober Fahrlässigkeit ist äußerst schwierig. Es gibt zwar zahlreiche Hinweise darauf, dass auf der Deepwater Horizon enorm geschlampt wurde. Doch dafür könnte auch ein Auftragnehmer von BP verantwortlich sein. Klarheit wird es vermutlich erst in Monaten geben - wenn überhaupt ein eindeutiger Grund festgestellt werden kann. "Was die Unglücksursache angeht, kann man sich noch lange kein abschließendes Bild machen", sagt der Ölexperte Steffen Bukold vom Analysedienst EnergyComment.

"Wir gehen davon aus, dass sich Anadarko und Mitsui an den Kosten beteiligen werden - das wäre der normale Weg", erklärte ein Sprecher der FR. An der Börse zumindest wird mit erheblichen Kosten für Anadarko gerechnet. Ratingagenturen haben die Kreditwürdigkeit von Anadarko drastisch reduziert - aufgrund der unabsehbaren Kosten. Der Aktienkurs ist seit April um die Hälfte gefallen. Der Ausgang des Ringens um die Zahlung der enormen Kosten, das in den USA als "Blame Game", als Spiel um die Schuld bezeichnet wird, ist also ungewiss. Hochwahrscheinlich ist durch Anadarkos Verweigerungskurs aber, dass sich der Streit um die Kosten für das Unglück über viele Jahre hinziehen wird.

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