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Paris Zwischen Glitzergewand und Schmuddel-Image

Paris rühmt sich gerne als Modekapitale und Touristenhochburg. Doch es gibt Schattenseiten. Ex-Kulturminister Lang heizt eine Debatte um die Sauberkeit der Millionenmetropole an.

08.06.2018 15:10
Eiffelturm
Die französische Hauptstadt zeigt sich gerne von ihrer schönen Seite. Foto: rtr

Jack Lang kam aus Japan zurück. Der in Frankreich immer noch bekannte Kulturminister des damaligen sozialistischen Staatspräsidenten François Mitterrand richtete dann an die „liebe Anne Hidalgo“ die freundliche Empfehlung, auch einmal in Richtung Tokio abzuheben: „Du solltest dort einige Tage verbringen. Die Stadt ist vorbildlich sauber.“ Paris könne sich davon inspirieren lassen, lautete die via Twitter verbreitete Botschaft an die ebenso mächtige wie umstrittene Bürgermeisterin der französischen Hauptstadt.

Dreckiges Paris – das ist ein Thema, über das seit langem gestritten wird. „Die Kapitale – eine Müllkippe unter freiem Himmel?“, fragte beispielsweise die Tageszeitung „Le Monde“ bereits 2017 mit Blick auf herumliegenden Sperrmüll, Ratten oder Berge von Zigarettenkippen.
Das Schmuddel-Image ist wenig schmeichelhaft für die Millionenmetropole, die sich so gerne im Glitzergewand zeigt und 2024 die Olympischen Spiele ausrichten wird. Die Stadt gibt für Sauberkeit bereits rund 550 Millionen Euro im Jahr aus und versprach zu Jahresbeginn, noch mehr zu tun.

Gereizte Stimmung in Paris

In sozialen Netzwerken setzte nach Langs spöttischem Reisetipp eine lebhafte Debatte ein. Doch weder die sozialistische Bürgermeisterin Hidalgo noch die Kommune antworteten dem 78 Jahre alten Ex-Ressortchef direkt, wie ein Sprecher des Rathauses der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Hidalgo verwies stattdessen knochentrocken auf den jährlichen Tag des großen Reinemachens („Grand Nettoyage“). Dabei werden Bürger an diesem Samstag wieder zu Handschuhen und Müllsack greifen, um ihr Stadtviertel zu säubern. Hidalgo warnte in einer anderen Nachricht unter dem Hashtag #RendonsParisPropre („Machen wir Paris sauber“), dass Bürger kostenpflichtig verwarnt würden, falls sie Regeln verletzten.

Die Stimmung ist einigermaßen gereizt. Im übernächsten Jahr stehen Kommunalwahlen an – und die 58-jährige Hidalgo steht enorm unter Druck. Wegen ihrer autofeindlichen Politik hat die Top-Politikerin mit spanischen Wurzeln zahlreiche Gegner. In der ruppigen Hauptstadt kriselt es ohne Ende – erst in den vergangenen Wochen räumte die Polizei illegale Zeltlager, rund 2000 Migranten wurden in feste Unterkünfte gebracht.

Wer nun angesichts der neu aufgeflammten Polemik meint, in der Touristenmetropole würden sich die Müllberge stapeln, sieht sich getäuscht. So stehen im Parc du Champs du Mars im Schatten des Eiffelturms in regelmäßigen Abständen große grüne Müllcontainer. Auf dem Rasen und den Wegen des Parks liegt sehr wenig Abfall herum. Auch sonst wird einiges getan: Bis zum späten Abend sind Reinigungskräfte unterwegs, um Bürgersteige der Hauptstadt abzuspritzen.
Überzeugt das die Bürger? Nicht so ganz, wenn man einer unlängst veröffentlichten Umfrage der europäischen Statistikbehörde Eurostat glaubt. Demnach waren nur 49 Prozent der Bewohner des Großraums Paris mit der Sauberkeit zufrieden. Spitzenreiter der Befragung aus dem Jahr 2015 ist bei den Hauptstädten Luxemburg mit 95 Prozent. Rom ist mit 9 Prozent Schlusslicht, und Berlin kommt mit 45 Prozent etwas schlechter weg als Paris.

Die zum Eindruck der Unsauberkeit beitragende Rattenplage ist an der Seine noch längst nicht gelöst. Die Stadt lässt sich den Kampf gegen die Nager eine Million Euro kosten. Der Experte Pierre Falgayrac schätzte vor einigen Monaten, dass es ungefähr 3,8 Millionen Ratten in der Hauptstadt gibt – diese Zahl schwanke aber. Er sagte „Le Monde“, es sei unnötig, Ratten auszurotten. Hochwasser und viele große Baustellen in der Stadt führten letztlich zu einer erhöhten Sterblichkeit und einem verminderten Bestand. (Christian Böhmer, dpa)

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