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Paris Pariser Attentäter noch nicht gefasst

Nach den mysteriösen Überfällen auf zwei Pariser Medienhäuser fahndet die französische Polizei mit Hochdruck nach dem flüchtigen Täter. Die Jagd wird immer mehr zu einem Nervenkrieg. Schlägt er noch einmal zu? Und wenn ja, wo und wann? Die Ermittler stehen unter riesigem Druck.

19.11.2013 14:24
Staatsanwalt Francois Molins zeigt ein Bild des mutmaßlichen Täters. Foto: AFP

Ein Rachefeldzug? Vielleicht wegen Berichterstattung, die dem Täter ungerecht oder falsch erschien? Die Taten eines psychisch kranken Mannes, der einfach nur Aufmerksamkeit will? Oder doch politisch motivierte Attentate? In Frankreich wird über das Motiv für die brutalen Überfälle auf zwei Pariser Medienhäuser gerätselt. Bis zum Dienstag konnte die Polizei den flüchtigen Täter nicht fassen. Die Ermittler fürchten nun, dass der unbekannte Mann noch einmal zuschlagen könnte. Wo und wann dies der Fall sein könnte, gilt jedoch als völlig unklar.

Anlass zu Sorge geben der Polizei vor allem die Aussagen der Zeugen der beiden ersten Überfälle. Sie berichten von einem ruhig und entschlossen wirkenden Mann, der genau zu wissen scheint, was er tut. «Der Kerl hat ein Gewehr aus seiner Umhängetasche gezogen und zweimal auf die erste Person gefeuert, die er gesehen hat. Das hat nicht länger als zehn Sekunden gedauert», zitierte die Zeitung «Libération» am Dienstag einen Mitarbeiter, der am Vortag miterleben musste, wie in der Eingangshalle des Verlags ein 23 Jahre alter Fotoassistent niedergeschossen und schwer verletzt wurde.

Ähnlich äußerte sich BFMTV-Chefredakteur Philippe Antoine, der am Freitag im Redaktionsgebäude seines Senders von dem Täter bedroht worden war. Der Mann habe mit präzisen Bewegungen, ganz ohne Panik gehandelt, berichtete er. Im Gegensatz zu dem Fotoassistenten kam Antoine letztendlich mit dem Schrecken davon. Der Täter bedrohte ihn zwar mit seiner Pumpgun, drückte aber nicht ab. Erst nach dem blutigen Überfall am Montag habe er wirklich realisiert, welch großes Glück er gehabt habe, berichtete der Journalist. Das nächste Mal sei er dran, habe der Attentäter kurz vor seiner Flucht gedroht.

Bei der Fahndung nach dem mysteriösen Unbekannten hofft die Polizei weiter auf Hinweise aus der Bevölkerung. Die Ermittler veröffentlichten am Dienstag ein weiteres Bild des unbekannten Mannes. Es zeigt ihn wesentlich deutlicher als die zuvor publizierten. Bereits zu den drei am Montag veröffentlichten Aufnahmen hatte es mehrere Hundert Hinweise gegeben. Sie führten zunächst allerdings nicht zur Identifizierung des Attentäters. Die Tageszeitung «Le Parisien» musste am Dienstagnachmittag nach kurzer Zeit eine Meldung korrigieren, mit der sie von der Festnahme des Täters berichtet hatte. Es seien mehrere Personen vorläufig festgenommen worden, der Täter sei allerdings nicht darunter, hieß es von der Polizei.

Der Gesuchte, ein 35 bis 45 Jahre alter Mann europäischen Typs, steht auch unter dringendem Tatverdacht, nach dem Überfall auf das Verlagsgebäude der «Libération» ein Auto gekapert zu haben, um sich von dem Fahrer aus dem Geschäftsviertel La Défense in die Innenstadt bringen zu lassen. In La Défense soll der Mann mehrfach vor dem Hochhaus der französischen Großbank Société Générale um sich geschossen haben - allerdings ohne jemanden zu verletzen.

«Diese Person ist zweifelsohne äußerst gefährlich. Das ist niemand, der in Panik gerät, aufgibt oder sich versteckt», kommentierte der Kriminalpsychologe Jean-Pierre Bouchard in einem Interview des Radiosenders France Info. Der Experte vermutet, dass eine «persönliche Geschichte» hinter den Taten des Mannes stecken könnte.

Die Ermittler äußern sich bislang nicht zu möglichen Motiven. Sie haben möglicherweise Sorge vor einer ähnlichen Entwicklung wie im März 2012. Damals hatte der Islamist Mohamed Merah an drei Tagen insgesamt sieben Menschen im Großraum Toulouse erschossen, darunter an einer jüdischen Schule drei Kinder und einen Lehrer. Nach den ersten beiden Taten hatte die Polizei damals öffentlich über die Motive spekuliert und in die falsche Richtung ermittelt, was im Nachhinein stark kritisiert wurde.

Die Zeitung «Libération» gab am Dienstag Durchhalteparolen aus. «Wir machen weiter», lautete die Überschrift des Leitartikels. Das Blatt werde sich nicht ändern, auch wenn man zutiefst erschüttert sei, kommentierte Vorstand Nicolas Demorand. (dpa)
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