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Pädophilie Spezielle Therapie für Pädophile

Rund 250.000 Männer in Deutschland sind pädophil oder hebephil. Ein Projekt koordiniert eine Therapie, in deren Verlauf Pädophile lernen sollen, ihr Verhalten zu kontrollieren.

Pädophilie
Rund 250.000 Männer in Deutschland sind pädophil. Foto: imago

Etwa ein Prozent der Männer zwischen 18 und 65 Jahren ist pädophil oder hebephil, sprechen also auf vorpubertäre oder auf frühpubertäre Kinder an. In Deutschland betrifft das rund 250 000 Männer. Auch Frauen entwickeln diese sexuelle Präferenz. Ihr Anteil ist jedoch sehr gering. Für die meisten Menschen ist diese Neigung nicht nachvollziehbar. Wer sie hat, gilt als pervers und macht sich strafbar, wenn er seine Präferenz auslebt. Sexueller Kindesmissbrauch ist eines der schlimmsten Verbrechen, die man sich vorstellen kann – mit oft lebenslangen traumatischen Folgen für die Opfer. Doch auch pädophile Männer haben ein schweres Schicksal. Denn sie suchen sich die sexuelle Präferenz nicht aus – und leiden zum Teil sehr darunter. Ihr Leben lang stehen sie vor der Wahl, ein Verbrechen zu begehen, wenn sie ihrer Neigung nachgehen.

Spezielle therapeutische Angebote können Pädophile dazu befähigen, ihr Verhalten zu kontrollieren. Das sieht Klaus M. Beier, Leiter des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité Berlin, seit Jahren in dem von ihm initiierten Projekt „Kein Täter werden“. Seit 2005 bietet er mit seinem Team pädophilen Menschen therapeutische Hilfe unter Schweigepflicht an. Seit 2011 gibt es das Angebot auch in anderen deutschen Städten, im Rahmen eines Netzwerks mit inzwischen elf Standorten.

Von Anfang an hatten es die Experten schwer, ihr Angebot zu finanzieren, denn es sollte für die Klienten kostenlos sein. Nun ist ihre Arbeit offiziell als Gesundheitsleistung anerkannt und die Finanzfrage geklärt. Im Januar startete der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen ein Modellvorhaben zur anonymen Behandlung pädophiler Menschen. Nach fünf Jahren ist Verstetigung in Aussicht. Dieser Schritt sei auch für Betroffene ein wichtiges Signal, sagte Tillmann Krüger, Sexualmediziner an der Medizinischen Hochschule Hannover und stellvertretender Sprecher des Präventionsnetzwerks, am Mittwoch bei der Vorstellung des Projekts in Berlin.

„Unsere Untersuchungen zeigen, dass pädophile Menschen oftmals ernstzunehmende psychische Begleiterkrankungen haben. Die Raten an Depressionen und Angsterkrankungen sind doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung, und auch eigene Erfahrungen von Missbrauch und Vernachlässigung finden sich häufiger.“ Dem Experten zufolge leben Pädophile nicht selten sozial zurückgezogen und werden stigmatisiert, sofern ihre Neigung bekannt wird.

Gerade soziale Isolation und psychiatrische Erkrankungen erhöhten jedoch das Risiko, dass ein Betroffener sexuelle Übergriffe begeht. Zur Behandlung gehören Gesprächs- und Verhaltenstherapie. Einige Klienten – etwa 20 Prozent – entscheiden sich zusätzlich für triebdämpfende Medikamente wie bestimmte Antidepressiva oder Antiandrogene. Das Ziel: Die Betroffenen sollen lernen, ihre sexuelle Präferenz zu akzeptieren und in ihr Selbstbild zu integrieren. Außerdem üben sie Strategien, mit denen sie ihre sexuellen Impulse gegenüber Kinder kontrollieren können.

Rund 8000 Euro kostet die Behandlung im Jahr. In der Regel kommen die Männer anderthalb Jahre lang einmal wöchentlich zu den Sitzungen. Doch Aufwand und Kosten lohnen sich. Denn die Therapie wirkt – und zwar langfristig, berichtete Beier. Er stellte am Mittwoch neue Ergebnisse einer Berliner Nachuntersuchung vor. „Bei 55 der 56 befragten Therapieteilnehmer konnte nachhaltig eine Verhaltenskontrolle erreicht und damit maßgeblich sexueller Kindesmissbrauch verhindert werden“, sagte der Sexualmediziner.

Ein genauer Blick auf die Daten zeigt, dass Pädophilie in allen Lebensphasen und Schichten vorkommt. Die 56 Männer, die an der Studie teilnahmen, waren zwischen 24 und 67 Jahre alt. Knapp die Hälfte von ihnen hat Abitur und einen Hochschulabschluss. 35 der Befragten sind erwerbstätig, 23 leben in einer zum Teil langjährigen Beziehung. Die Therapie hatte bei ihnen im Schnitt 15 Monate gedauert und war gut sechs Jahre her.

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