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One Billion Rising Tanzend die Erde erschüttern

Jede dritte Frau weltweit wird in ihrem Leben Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt. Mit weltweiten Tanzdemos wollen Aktivistinnen am Valentinstag auf ein ignoriertes Thema aufmerksam machen.

13.02.2013 13:55
Natalie Kiehl
Das Video zum Song "Break the chains" wirbt für die Kampagne. Foto: YouTube

Eve Ensler hat es satt. Seit fast 20 Jahren kämpft die amerikanische Autorin gegen sexuelle und physische Gewalt an Frauen und Mädchen. Ihr unbescheidenes Ziel: Die Gewalt zu beenden, ein für allemal.

Denn die Zahl der betroffenen Frauen weltweit ist gigantisch. Statistiken schätzen, dass jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt wird. Die Liste ist schier endlos: Schläge, Vergewaltigung, Folter, Mord, Zwangsprostitution, Abtreibung, Ehrenmorde. Auch wenn einzelne Ereignisse wie die Vergewaltigung einer indischen Studentin im Dezember vergangenen Jahres oder die #Aufschrei-Debatte um Sexismus in der deutschen Gesellschaft kurzzeitig Wellen schlagen, hat das Thema politisch doch keine hohe Priorität. Dabei ist Gewalt gegen Frauen eine ebenso große Epidemie wie Aids oder Hunger.

"Es gibt schätzungsweise eine Milliarde Frauen auf diesem Planeten, denen Gewalt angetan wurde, die vergewaltigt wurden. EINE MILLIARDE FRAUEN." schreibt Ensler in ihrem Manifest zu der Aktion "One Billion Rising" ("Eine Milliarde erhebt sich"). Ihre Idee: am 14. Februar, dem Valentinstag, weltweit eine Milliarde Menschen auf die Straße zu holen. Am Tag der Blumen und Liebesbekundungen will sie damit auf die Gewalt aufmerksam machen, die viele Frauen täglich erfahren - und schweigen.

Dass das trotz des schweren Themas keine traurige Veranstaltung sein wird, zeigt das Video zu "Break the chain" (Zerbrich die Ketten), dem offiziellen Song der Kampagne. "Ich sehe die Welt, in der wir alle leben", heißt es da, "Sicher und frei von jeder Unterdrückung. Keine Vergewaltigung oder Inzest oder Missbrauch. Frauen sind kein Besitz". Dazu sieht man Frauen und Mädchen zu einem mitreißenden Beat tanzen und singen. Ensler will Frauen nicht als Opfer zu zeigen. Stattdessen feiert sie die Stärke, den Mut und die Lebensfreude von denen, die der Gewalt trotzen. "Ich tanze, weil ich liebe. Tanze, weil ich träume. Tanze, weil ich genug habe", heißt es im Video. "Tanze, um alles auf den Kopf zu stellen. Es ist Zeit, die Ketten zu zerbrechen."

Der Kurzfilm zur Aktion
(Achtung, Triggerwarnung - nachgestellte Gewaltszenen)

Die Zeit scheint reif zu sein für ihre Idee: Mehr als 13.000 Organisationen aus über 200 Ländern weltweit haben sich der Aktion bereits angeschlossen. Es gibt Tanzdemos und Veranstaltungen in Mogadischu und Delhi, San Francisco, Bhutan, Südafrika. Allein in Deutschland sind schon in über 100 Städten Aktionen geplant. Die Zahl steigt ständig weiter. Auf der deutschen Homepagegibt es eine Karte aller Veranstaltungen. Es könnte die größte Demonstration aller Zeiten weltweit werden.

Promis unterstützen "One Billion Rising"

Auch viele Promis unterstützen "One Billion Rising": der Dalai Lama, Charlize Theron, Robert Redford und die deutsche Schauspielerin Ulrike Folkerts. In kurzen Statements auf YouTubeerklären sie, warum sie die Aktion wichtig finden. Fast 200 Videos sind mittlerweile im YouTube-Channel der Aktion zu sehen.

Noch viel größer ist die Anzahl der Videos, die User weltweit als Reaktion auf die Aktion hochgeladen haben. Da gibt es Trommlerinnen aus Madrid, Schülerinnen aus Soweto, eine Burlesque-Truppe aus Nürnberg, Mitglieder des Europaparlaments, Rollstuhlfahrerinnen, Rentnerinnen. Die Idee zieht im Netz ihre Kreise und bringt Menschen unterschiedlichsten Alters und Herkunft zusammen. Auch Männer, die als Unterstützer und Helfer bei der Aktion ausdrücklich willkommen sind.

Für Eve Ensler ist "One Billion Rising" ein großer Schritt auf dem Weg zu ihrem Ziel, die Gewalt an Frauen zu beenden: "Die Zeit ist reif", schreibt sie. "Es beginnt heute, bewegt sich unaufhaltsam weiter zum 14. Februar 2013, wenn eine Milliarde Frauen aufstehen, um Vergewaltigung zu beenden. Weil wir endgültig und für alle Zeiten fertig damit sind."

"Break the chain" - der Song zu One Billion Rising
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