Lade Inhalte...

Nürnberger Spielemesse Trend geht zum Spiel zu zweit

Auf der Spielemesse in Nürnberg ist dieser Tage alles zu finden, was das Spielerherz höher schlagen lässt. Der Trend geht dabei weg vom Spiel für größere Personenzahlen und hin zum Zweier-Duell.

Nicht nur ausgeklügelte Strategie, auch Glück gehört beim Spielen dazu. Foto: imago stock&people

High Noon am Spielbrett, das ist ohne Frage – siehe Schach, Mühle und Backgammon – ein Klassiker. Doch moderne Brettspiele haben sich vom Schwarz-Weiß-Schema längst gelöst und erschaffen ganze (Spiele-)Welten. Man denke nur an den modernen Klassiker „Siedler von Catan“ (1995). Unter den vielen bunten Neuheiten – rund 800 Gesellschaftsspiele erscheinen jährlich in Deutschland – führten Spiele für zwei lange ein Nischendasein. Lediglich der Kosmos-Verlag hatte im Zuge des Erfolges von „Catan für Zwei“ eine Zeit lang eine entsprechende Reihe im Programm.

Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. Auf der Nürnberger Messe (28. Januar bis 2. Februar) haben viele Verlage den Pas de deux im Programm. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen scheint der besondere Reiz der duellartigen Konstellation wieder im Trend zu sein. Dabei spielen auch gesellschaftliche Entwicklungen eine Rolle.

Michael Kränzle, Marketingleiter von Pegasus Spiele, erklärt das so: „Wir folgen damit der Lebenswirklichkeit.“ Will heißen: Es gibt immer mehr Zwei-Personen-Haushalte. So locker wie einst, wo man einfach die Familie zum Spielenachmittag trommelte, kriegt man keine Runde mehr zusammen.
Was tun? Zunächst wurde gerne, mitunter auch rabiat, ins Spieldesign eingegriffen, nur um die Spieleranzahl „2 – ...“ auf die Packung zu bringen.

Doch als Spieler hat man ein Gespür für solchen Etikettenschwindel mit der Zielgruppe. Der Grund: Jedes gute Konzept funktioniert optimal bei einer bestimmten Mitspielerzahl. „Mensch ärgere dich nicht“ rockt am meisten zu viert. Kutscher-Skat? Da muss man schon brutal auf Entzug sein. Bei Brettspielen funktioniert diese „Schrumpf-Methode“ eher. Aber auch da fühlt es sich mitunter an, als würde man Schach für Anfänger mit gefleddertem Personal auf sechs mal sechs Feldern versuchen.

Solche Verrenkungen sind aber gar nicht notwendig. Vielmehr hat die Überfülle attraktiver Spiele seit „Catan“ zahlreiche neue, spannende Spielmechanismen geboren. Auch die Konkurrenz der digitalen Spiele hat den Blick für neue Designs geweitet. Dieses Potenzial wird nun im Hinblick auf Zweier-Varianten nach und nach erschlossen. Ganz prägnant etwa sind Spiele mit einer asymmetrischen Konstellation, sozusagen Mühle und Schach auf einem Brett – und die Mühle-Steine haben die selben Gewinnchancen. Klingt verrückt, aber fällt überhaupt nicht auf, wenn es thematisch kongenial verpackt ist. Typisch ist die Zweier-Reihe, die Pegasus seit zwei Jahren lanciert.

Für Nürnberg präsentieren die Friedberger mit „Die Zwerge – das Duell“ das Spiel zum neuen „Zwerge“-Buch von Markus Heitz. Oder das Karten-Stichspiel „Revolver“: Da mimt einer den fliehenden Banditen, der andere den Sheriff.

Der Desperado gewinnt, wenn die Flucht gelingt, der Gegenüber, wenn er den Schurken erlegt. Noch anders die Asymmetrie beim dreistündigen Brettspiel-Hammer „Polis“: Verblüffend, wie sich im Städtekampf Sparta versus Athen die mickrige Startposition der Spartaner ausbauen lässt. Die – vorläufige – Krone aber setzt dem das jüngst von einem Berliner Kleinverlag veröffentlichte „Wir sind das Volk auf“: Kalter Krieg als heißes Strategenspiel.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen